Mittwoch, 27. Dezember 2023

San Pedro de Atacama

Mit dem Nachtbus erreicht man bequem die nächstgelegenen größeren Städte. Die Sitze sind so konstruiert, dass man die Beine einigermaßen hochlegen kann, ein Vorhang trennt die Plätze von einander ab, es gibt Lademöglichkeiten für Smartphones und einen Wasserspender. Man könnte fast bis zu seinem Ziel durchschlafen, wenn man nicht mitten in der Nacht sein Gepäck durch Kontrollpunkte tragen müsste: Von Norden nach Süden wird regelmäßig auf Drogen kontrolliert, von Süden nach Norden nicht. Wahrscheinlich wäre es angenehmer, von Santiago in den Süden zu fliegen und das Land in Nordrichtung zu durchqueren. Nur der fanatische Sternenhimmel verwöhnte mich mit der nächtlichen Störung.

Der Höhenanstieg auf der Fahrt ist enorm, von Meeresspiegelhöhe auf über 3000 Meter Höhe in San Pedro. Mir ploppten die Ohren wie im Flugzeug. Nina hatte große Bedenken vor diesem Ausflug, weil sie befürchtete, unter der Bergsteigerkrankheit zu leiden. Unglücklicherweise hatte sie mit ihrer Ahnung Recht und musste den Ausflug nach einem Tag mit rasenden Kopfschmerzen und Übelkeit abbrechen. Wenn diese Symptome ignoriert werden, kann dies tödlich enden und es darf auf keinen Fall weiter aufgestiegen werden. Der Sauerstoffmangel in der Höhe ist für den Körper sehr anstrengend. Es ist normal, sich etwas schwummrig und appetitlos zu fühlen, nicht schnell laufen zu können und schwerer zu atmen. Gegen die Symptome soll ein Tee aus Koka-Blättern helfen, den man dort in vielen Cafés bekommt. Die Souvenirladen verkaufen Koka in Bonbon-Form. Aber auch ohne dieses fragwürdige Geschmackserlebnis klingen diese leichten Symptome nach einem Tag ab. 

Dir meisten Ausflugsziele liegen im Umkreis von ein bis zwei Stunden um San Pedro und führen noch höher, beispielsweise bis über 4000 Meter für das höchste und drittgrößte Geysir-Feld der Welt, el Tatio. 

Um alles Sehenswerte der Gegend zu sehen, sollte man schon eine Woche einplanen. Die Ausflüge beginnen oft sehr früh morgens und dauern bis in den Nachmittag. Ich wurde um 5 Uhr morgens aus der Unterkunft abgeholt, sodass wir es bis zum Sonnenaufgang zum Tatio schafften; morgens ist der Dampf viel deutlicher zu sehen und es sind weniger Touristengruppen unterwegs. Die Außentemperatur bewegte sich um minus zwei Grad, die heißen Geysire blubberten leicht vor sich hin und ein kochendes Bächlein fand seinen Weg zum nächsten Geysir, einem dichten Nebel erzeugen, der sich geisterhaft über den Boden zog, von der aufgehenden Sonne leuchtend. 

Ein weiteres Highlight ist ein astronomischen Ausflug in die Wüste außerhalb des Städtchens. Allerdings werden sie während des Vollmonds nicht angeboten, weil es zu hell ist. Schon ein paar Tage vorher kann man die Milchstraße nicht mehr sehen. Trotzdem hat der Ausflug viel zu bieten. Als wir ankamen, wartete ein Lagerfeuer mit Snacks und Drinks auf uns. Nach der Begrüßung gingen wir zu den Teleskopen, wo uns ein Astronom den Sternenhimmel erklärte und unsere Fragen beantwortete während wir uns den Mond, die Ringe von Saturn und die vier größten Monde von Jupiter durchs Teleskop ansahen. Wer ab und zu den Sternenhimmel auf der Nordhalbkugel beobachtet, dem wird auffallen, dass im Süden Orion kopfsteht und der Mond in die umgekehrte Richtung zunimmt. 
Am Ende des Ausflugs wurden Fotos mit langer Belichtungszeit von den Teilnehmern geschossen, damit der Sternenhimmel im Hintergrund zu sehen war. 

Wer einen Badeausflug machen möchte, sollte zur Therme von Puritama fahren. Die Besucherzahl ist begrenzt, deswegen ist es empfehlenswert, vor der Fahrt das Ticket schon online zu bezahlen. Die Fahrt dorthin bekommt man in einem der Reisebüros der Stadt. Ganz billig ist das nicht: 30 Euro Eintritt plus 30 Euro Fahrt. Aber wo sonst gibt es 30 Grad warme Wasserfälle in natürlichen Schwimmbecken mitten in der Natur? Nur mit Arachnophobie sollte man nicht so genau auf die Büsche schauen. 

Andere Ausflüge bringen dich zu Flamingos, Bergseen und bizarren Felsformationen. Am besten ziehst du dich in Schichten an, da die Temperaturen sehr unterschiedlich sein können, von Minusgraden bis Sommertemperaturen innerhalb weniger Stunden. 

Reisen nach Russland in 2023 / 2024

Frage: Kann man jetzt noch nach Russland reisen? 
Antwort: Ja.

Frage: Sollte man?
Antwort: Ich empfehle es nicht, aber wenn du unbedingt musst, folgen hier ein paar Tipps.

Rechne damit, dass du bei der Einreise in einem Hinterzimmer verhört wirst, erwarte unangenehme Fragen wie: "Warum kommen Sie aus einem feindlichen Land?", "Was denken Sie über die politische Lage?", "Haben Sie ukrainische Freunde?"

Dabei musst du dein Smartphone entsperrt aus der Hand geben. Wahrscheinlich wirst du gefragt, wer diese oder jene Kontakt ist, und deine persönliche Nachrichten werden gelesen. 

Das Verhör hatte ich bisher nur im Sheremetyevo-Flughafen, in Vnukovo lief es immer es unproblematisch. 

Wie kommt man überhaupt nach Russland? Es gibt keine Direktflüge mehr. Die günstigste Route ist mit Pegasus über Istanbul, die teurere Route mit Turkish Airlines. Die Flüge über Armenien oder Serbien sind in der Regel wesentlich teurer. Ich spare Geld, indem ich Freunde bitte, mir Tickets von Istanbul aus bei einer russischen Airline zu buchen. In dem Fall muss man allerdings sein Gepäck beim Umstieg abholen und neu einchecken. Wenn man nur mit Handgepäck reist und online eincheckt, erspart man sich diesen Ärger. Der Landweg ist auch möglich, zum Beispiel fahren von Tallinn aus immer noch Busse nach Sankt Petersburg. Allerdings muss man hier aufpassen, dass man nicht mehr als ein paar hundert Euro mitnimmt, da die Einfuhr von Euro-Währung beschränkt ist und durchaus von EU-Seite aus beschlagnahmt werden kann. Dies sollte bei der Einreise über nicht-EU-Staaten kein Problem sein, aber nichts ist garantiert. Ich nehme in der Regel nicht mehr als 500 Euro mit und einen Notvorrat an Dollar, da man bis zu 10k in Dollar einführen kann. 

Geld tauschen kann man in Istanbul am Flughafen, aber ich empfehle, nur eine kleine Menge zu tauschen und den Rest in einer Bank vor Ort. Nimm ausreichend Bargeld mit, deine Geldkarten funktionieren nicht mehr in Russland. Paypal, ApplePay und andere westliche Bezahlsysteme kannst du auch vergessen. 

Am Flughafen hol dir kein Taxi, sondern nutze die russische Uber-Alternative Yandex (einfach nach der Yandex Karten-App im AppStore deines Vertrauens suchen), dort wird dir der volle Preis angezeigt und du fährst so günstig wie Einheimische. Du kannst nach der Fahrt bar zahlen. Eine Taxifahrt von einer Stunde kostet umgerechnet 20-25 Euro. Der Flughafenexpress-Zug ist günstiger, aber wenn du mit den Öffentlichen zu deinem Ziel fährst, rechne damit, dass es fast nirgendwo Aufzüge oder Rolltreppen gibt, sodass du deinen Koffer oft über lange Treppen schleppen musst. 

Es gibt nicht unbedingt ein Geschäft mit SIM-Karten im Flughafen, aber du kannst das kostenlose WLAN dort verwenden, um ein Yandex Taxi zu bestellen. 
Wenn ich nur 15 Tage in Russland bin, bestelle ich mir online vor der Reise eine weltweit funktionierende SIM-Karte. Die ist zwar mit 40 Euro sehr teuer, aber hat den Vorteil, dass sie auch in der Türkei funktioniert und man sofort mobiles Internet hat, wenn man in Russland ankommt. Ansonsten kann man später in jedes MTS- oder Beeline-Geschäft gehen, seinen Reisepassvorlegen und bekommt die SIM-Karte mit hohem Datenvolumen (z.B. 30GB für 20 Euro pro Monat) für relativ wenig Geld direkt eingerichtet. Nach der Reise kann die Karte einfach entsorgt werden. Sie bei der nächsten Reise wiederzuerkennen ist unnötig teuer, da man erst Negativguthaben begleichen muss und dann pro Monat erneut zahlt. Wenn deine Reisedaten und ungünstig liegen, kann man durchaus genötigt werden, für zwei Monate zahlen. 

Zum Schluss sei noch empfohlen, regelmäßig auf die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts zu schauen und sich in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND einzutragen. 

Einige praktische Informationen für den Chile-Urlaub

Bei der Einreise erhält man etwas, das wie ein Kassenzettel aussieht, darauf steht "PDI". Den unbedingt bis zur Ausreise behalten, der Zettel wird bei der Passkontrolle wieder eingesammelt. 

Man darf keine landwirtschaftlichen Produkte nach Chile einführen. Darunter fallen auch Geschenke aus Holz. Das wird nach der Gepäckausgabe kontrolliert. 

Eine SIM-Karte zu bekommen ist einfacher als man vielerorts im Internet liest: Nein, die Registrierung der Karte ist nicht unbedingt nötig, man muss nur darauf achten, dass man sie weniger als 30 Tage lang im Smartphone behält, um keine Sperrung zu riskieren. Wir haben mehrere SIM-Karten von Claro für je 15 Tage mit 3 Gigabyte Datenvolumen in einem kleinen Supermarkt gekauft. Die haben umgerechnet nur ein paar Euro gekostet. Man legt sie ins Smartphone ein, ruft die Nummer auf der Packung an (genauer gesagt ist es ist ein USSD-Code; er beginnt mit Sternchen und ended auf Raute, dadurch wird ein bestimmtes Kommando über Mobilfunk ausgeführt, wie in diesem Fall die Aktivierung der Karte), dann startet man neu und schon hat man mobiles Internet. 

Statt sich ein Backpacker-Hostels-Zimmer zu teilen, haben wir sehr gute und günstige AirBnbs gefunden, und statt Ausflüge über ein Reisebüro zu buchen, haben wir vor Ort sehr einfach Ausflüge gefunden: Wenn man in touristischen Gegenden unterwegs ist, befindet sich in jedem zweiten Haus ein Reisebüro. 

Wenn das Wasser in der Unterkunft nicht heiß werden will, dann liegt es wahrscheinlich daran, dass der Heißwasserschalter am Boiler auf "aus" gestellt ist, um Energie zu sparen. 

Die meisten Küchen haben einen Gasherd, den schaltet man an, indem man den Schalter nach unten drückt und dreht, ein Feuerzeug ist in der Regel nicht nötig. 

Mittwoch, 15. November 2023

Über Land von Chile nach Peru

Von Arica, Chile, aus fährt ein Bus nach Tacna, Peru. Am internationalen Bustermimal wird man von Busfahrern angesprochen, ob man nach Peru möchte, und wenn man dies bestätigt, nimmt einem der Fahrer den Reisepass ab und läuft damit davon. So sitzt man im Bus, ohne Reisepass, eine einsame Landstraße entlangbrausend... Es klingt wie der Anfang eines True Crime Podcasts. Aber da sich keiner der Einheimischen daran gestört hat, nahm ich es auch hin und erhielt den Pass an der Grenze zurück. Abfahrtspläne gibt es übrigens keine, es wird abgefahren, wenn der Bus voll ist, und die Fahrt kostet umgerechnet 4 Euro. Wer vorhat, nach Chile zurückzukehren, sollte jetzt schon dieses Formular ausfüllen zum Deklarieren, dass man keine Tier- und Pflanzenprodukte zurückbringt (das gilt auch für Kunstwerke aus Holz!): https://djsimple.sag.gob.cl/etapas/ejecutar/15941779
Mobiles Internet in Peru ist schwierig, da man nur mit einem peruanischen Pass eine SIM-Karte registrieren kann. Das Internet ist hinter der Grenze auch sofort weg. 
In Tacna im Busterminal gibt es eine ganze Reihe von Einzeltischen, an denen Frauen mit Taschenrechnern sitzen. Das sind die Wechselstuben. Man kann von Tisch zu Tisch gehen, um sich nach dem besten Wechselkurs zu erkundigen, aber sobald man irgendwo in Peru als Deutscher den Mund öffnet, bekommt man sowieso den Touristenpreis. Meine Freundin trug mir auf, nur zu lächeln und zu nicken, während sie die Preise aushandelte. Das Taxi bekam sie für den einheimischen Preis für 8 Sol, etwa zwei Euro, durch die halbe Stadt. Die nächste Schwierigkeit war, das AirBnb zu finden. Unsere Gastgeberin hatte lieberweise schon vorher Anweisungen für den Taxifahrer gesendet, und ich hatte Google Maps für die Stadt heruntergeladen, aber das brachte uns nur in die ungefähre Umgebung. Beschilderung? Spärlich. Hausnummern? Ein Magic Eye Suchspiel. Manche waren nur mit Kreide kaum sichtbar auf die Wand notiert. Also zählten wir Häuser. Und fragten in einem Kiosk nach. Und zählten dann gemeinsam die Häuser mit dem Verkäufer. Doch die Unterkunft entpuppte sich als verstecktes Juwel, groß, sehr modern eingerichtet und sauber. Die Besitzerin begrüßte und mit den Üblichen Umarmungen und Küssen, und gab uns viele Hinweise und Tipps für unseren Besuch. Beispielsweise kann man beliebig auf der Straße hinterm Haus Busse anhalten, die Fahrt kostet pauschal 1 Sol, etwa 25 Cent. Die Inflation in Südamerika ist stark. Als wir den Bus erreichten, betrug der Ticketpreis schon 1,5 Sol ;)
Tacna ist eine sehr lebendige Stadt. Zebrastreifen sind eher dekorativ und sollten nicht als Sicherheitsfeature gewertet werden. Am besten rennt man im Windschatten eines Einheimischen über die Straße. Der zentrale Markt ist einen Besuch wert, dort gibt es nicht nur leckeres frisches Obst und Gemüse (die größten Avocados, die ich je gesehen habe!), sondern auch winzige Restaurants, und sogar einen katholischen Schrein. Außerhalb des Marktes gibt es eigentlich nur Apotheken, Optiker und Zahnarztpraxen. Das liegt daran, dass aus dem benachbarten Chile ein reger Gesundheitstourismus besteht, da das Preisniveau in Chile höher ist.