Mit dem Nachtbus erreicht man bequem die nächstgelegenen größeren Städte. Die Sitze sind so konstruiert, dass man die Beine einigermaßen hochlegen kann, ein Vorhang trennt die Plätze von einander ab, es gibt Lademöglichkeiten für Smartphones und einen Wasserspender. Man könnte fast bis zu seinem Ziel durchschlafen, wenn man nicht mitten in der Nacht sein Gepäck durch Kontrollpunkte tragen müsste: Von Norden nach Süden wird regelmäßig auf Drogen kontrolliert, von Süden nach Norden nicht. Wahrscheinlich wäre es angenehmer, von Santiago in den Süden zu fliegen und das Land in Nordrichtung zu durchqueren. Nur der fanatische Sternenhimmel verwöhnte mich mit der nächtlichen Störung.
Der Höhenanstieg auf der Fahrt ist enorm, von Meeresspiegelhöhe auf über 3000 Meter Höhe in San Pedro. Mir ploppten die Ohren wie im Flugzeug. Nina hatte große Bedenken vor diesem Ausflug, weil sie befürchtete, unter der Bergsteigerkrankheit zu leiden. Unglücklicherweise hatte sie mit ihrer Ahnung Recht und musste den Ausflug nach einem Tag mit rasenden Kopfschmerzen und Übelkeit abbrechen. Wenn diese Symptome ignoriert werden, kann dies tödlich enden und es darf auf keinen Fall weiter aufgestiegen werden. Der Sauerstoffmangel in der Höhe ist für den Körper sehr anstrengend. Es ist normal, sich etwas schwummrig und appetitlos zu fühlen, nicht schnell laufen zu können und schwerer zu atmen. Gegen die Symptome soll ein Tee aus Koka-Blättern helfen, den man dort in vielen Cafés bekommt. Die Souvenirladen verkaufen Koka in Bonbon-Form. Aber auch ohne dieses fragwürdige Geschmackserlebnis klingen diese leichten Symptome nach einem Tag ab.
Dir meisten Ausflugsziele liegen im Umkreis von ein bis zwei Stunden um San Pedro und führen noch höher, beispielsweise bis über 4000 Meter für das höchste und drittgrößte Geysir-Feld der Welt, el Tatio.
Um alles Sehenswerte der Gegend zu sehen, sollte man schon eine Woche einplanen. Die Ausflüge beginnen oft sehr früh morgens und dauern bis in den Nachmittag. Ich wurde um 5 Uhr morgens aus der Unterkunft abgeholt, sodass wir es bis zum Sonnenaufgang zum Tatio schafften; morgens ist der Dampf viel deutlicher zu sehen und es sind weniger Touristengruppen unterwegs. Die Außentemperatur bewegte sich um minus zwei Grad, die heißen Geysire blubberten leicht vor sich hin und ein kochendes Bächlein fand seinen Weg zum nächsten Geysir, einem dichten Nebel erzeugen, der sich geisterhaft über den Boden zog, von der aufgehenden Sonne leuchtend.
Ein weiteres Highlight ist ein astronomischen Ausflug in die Wüste außerhalb des Städtchens. Allerdings werden sie während des Vollmonds nicht angeboten, weil es zu hell ist. Schon ein paar Tage vorher kann man die Milchstraße nicht mehr sehen. Trotzdem hat der Ausflug viel zu bieten. Als wir ankamen, wartete ein Lagerfeuer mit Snacks und Drinks auf uns. Nach der Begrüßung gingen wir zu den Teleskopen, wo uns ein Astronom den Sternenhimmel erklärte und unsere Fragen beantwortete während wir uns den Mond, die Ringe von Saturn und die vier größten Monde von Jupiter durchs Teleskop ansahen. Wer ab und zu den Sternenhimmel auf der Nordhalbkugel beobachtet, dem wird auffallen, dass im Süden Orion kopfsteht und der Mond in die umgekehrte Richtung zunimmt.
Am Ende des Ausflugs wurden Fotos mit langer Belichtungszeit von den Teilnehmern geschossen, damit der Sternenhimmel im Hintergrund zu sehen war.
Wer einen Badeausflug machen möchte, sollte zur Therme von Puritama fahren. Die Besucherzahl ist begrenzt, deswegen ist es empfehlenswert, vor der Fahrt das Ticket schon online zu bezahlen. Die Fahrt dorthin bekommt man in einem der Reisebüros der Stadt. Ganz billig ist das nicht: 30 Euro Eintritt plus 30 Euro Fahrt. Aber wo sonst gibt es 30 Grad warme Wasserfälle in natürlichen Schwimmbecken mitten in der Natur? Nur mit Arachnophobie sollte man nicht so genau auf die Büsche schauen.
Andere Ausflüge bringen dich zu Flamingos, Bergseen und bizarren Felsformationen. Am besten ziehst du dich in Schichten an, da die Temperaturen sehr unterschiedlich sein können, von Minusgraden bis Sommertemperaturen innerhalb weniger Stunden.