Freitag, 31. Juli 2009
Donnerstag, 30. Juli 2009
Tag3+4
29.7.
Noch immer in Hamburg. Das Aufstehen faellt so schwer wie das Aufbleiben am Abend. Gegen Mittag schaffen wir es, aufzubrechen. Meine Digicam hatte den Geist aufgegeben, also zogen wir erst durch die Elektromaerkte, dann zur Speicherstadt, einem rotgeziegelten Hafenviertel, das den Charme der Gangster-Filme laengst verloren hatte. Dort befindet sich das Hamburg Dungeon, ein Ableger des London Dungeon. Als wir die lange Warteschlange davor und die Eintrittspreise sahen, beschlossen wir, dass dies wohl das Gruseligste daran war, und spazierten weiter.
And der Reeperbahn wurden wir vom Besitzer bequatscht, seine leere Strip-Bar zu besuchen. Er mache uns ein Sonderangebot: Kein Eintrittspreis, und ausnahmsweise durfte ich als Frau auch hinein. Hinter schweren schwarzen Planen liefen Barbypuppen-Frauen in Unterwaesche gelangweilt umher. Er machte uns ein weiteres Sonderangebot: Ein kleines Glas Wasser 4 Euro, und es herrschte Getraenkezwang. Ich zog Matthias unverrichteter Dinge nach draussen; die haetten uns nach Strich und Faden ausgenommen. Ali gab mir spaeter Recht; er erzaehlte, wie er einmal von einem Freund eingeladen wurde und am Ende die Rechnung von 900 Euro selbst begleichen sollte.
Es war unser zweiter und letzter Abend in Hamburg; Ali kochte uns eine leckere Pasta, dazu gab es selbstgemachten Mango-Milchshake; wir plauderten noch ein wenig und gingen dann schlafen. Es sollte in nur wenigen Stunden weitergehen mit unserer Reise.
30.7.
Die Ortsdatenbank (http://www.hitchbase.com/) gab an, dass wir uns Richtung Fehmarn an die Autobahnauffahrt zur A1 stellen sollten, dazu mussten wir wieder mit Bahn und Bus quer durch die Stadt fahren, aber der Tipp war Gold wert. Nach nur einer Minute hielt ein Auto; auf dem Ruecksitz sprang ein riesiger Hund hin und her. Nun hatte er in Matthias ein Spielzeug gefunden. Der Fahrer brachte uns direkt zum Faehrhafen in Fehmarn, da seine Schwester gleich um die Ecke wohnte. Er war zwar aelter, aber noch immer etwas alternativ, und gab uns den Tipp, in Kopenhagen die "Freistadt Christiania" zu besuchen: Gegruendet von Hippies auf einem besetzten Militaergelaende, und heute noch immer alternativ.
Die Faehre kostete stolze 9 Euro pro Person; dafuer zahlten wir die Rueckfahrt mit. Dass wir keine Rueckfahrt wollten, wurde mit einem Laechln zur Kenntnis genommen und ignoriert.
In Daenemark angekommen hiess uns der Geruch nach Oel und Fisch willkommen, so wie man es erwartet. Es war gerade 11 Uhr und wir noch guter Dinge. Nur schien niemand vom Parkplatz hinter der Faehre weg zu fahren. Wir liefen bis zur nachsten Tankstelle; selbst dort war alles wie ausgestorben. Wir warten also auf die Fahrerstroeme der naechsten Faehre, waehrend sich die Autos auf der Gegenseite stauten.Es dauerte eine weitere Faehre bis wir jemanden mit unserem Kopenhagen-Schild von der Strasse zur Tankstelle hin abfangen konnten.
Auf diesem Reiseabschnitt fanden wir nun also Gott. Oder zumindest zwei seiner Helfer: Ein Vater mit Sohn auf einem Tagesausflug. Wir haetten misstrauisch werden sollen, als der Junge uns ein Bibel-Quiz ans Knie nagelte. Eh wir uns versahen, hoerten wir das alte Testament als Hoerspiel. Das Gespraech versiegte, und wir wurden vier Kilometer vor dem Ziel freundlich herausgeschmissen. Die restliche Strecke liefen wir muehseelig, von unseren schweren Rucksaecken zurueck gezogen und von vielen Pausen unterbrochen. Busse fuhren zwar, aber wir hatten keine daenischen Kronen, und schon gar kein Kleingeld dafuer. An einem Geldautomat auf halber Strecke konnte man nur umgerechnet 40 Euro Minimum abheben, was uns fuer zwei Tage ein wenig uebertrieben schien, aber vermutlich ist es das nicht, denn in Daenemark scheint alles um die Haelfte teurer zu sein. Oder hat ein Cheeseburger bei McDonalds schon immer 7 Euro gekostet? Aber man kann auch ganz gut von Wasser und Brot leben.
Bei Louise jedoch, einer ehemaligen Arbeitskollegin von Matthias, bekamen wir ein halbes Festmahl zum Abendbrot. Es war inzwischen nach 17 Uhr. Urspruenglich wollten wir nach dem Essen noch in die Stadt gehen, aber wir fielen praktisch auf der Stelle ins Bett. Matthias schlaeft schon, und ich auch; ich schlafschreibe.
Dienstag, 28. Juli 2009
Tag2
28.7.
Wir haben nun endlich den Fußgängermodus am Navi gefunden und lassen nun kreuz und quer durch die Stadt leiten; einen eigenen Willen hat man bei einem solchen Gerät nicht mehr. Ich habe nun auch Umlaute auf meiner amerikanischen Tastatur gefunden und muss nicht mehr die virtuelle nutzen. Wer beherrscht wen - der Mensch die Technik?
Die Matrix ließ uns also den Hamburger Hafen sehen, das Rathaus, die Dom-Kirmes, die Wallanlagen (die wir nur auf der Karte erkennen konnten), und dann noch mal zurück zum Hochbunker am Dom, der jedoch kein Museum war, sondern an die Musikindustrie und als Ladenfläche vermietet wurde.
Hamburg bleibt mir als Stadt der platten Marienkäfer in Erinnerung - hunderte krabbelten auf den Fußwegen herum; man konnte kaum um sie herum steigen, und die meisten Leute taten es nicht. Die Käfer ließen sich auch nicht so einfach retten: Kaum hatte man einen in die Wiese verfrachtet, landete er oder ein anderer schon wieder auf dem Weg.
Am Abend hatte Ali einen Gast eingeladen, der zum Essen blieb. Es gab ein Reisgericht mit zwei zusätzlichen Schalen Spinat und Huhn. Beim Essen kamen allerlei Themen auf, vom Alltäglichen bis zur großen Politik, dazu floss auch immer fleißig der Alkohol. In so gemütlicher Runde sitzt man zu selten, doch auch wir fanden keine Lösung für die Probleme dieser Welt.
Montag, 27. Juli 2009
Tag1
27.7.
Viel zu frueh klingelte der Wecker, nicht viel spaeter saßen wir in der Straßenbahn. Zwei weitere Stunden spaeter waren wir schon auf dem Weg nach Rügen.Eine Familie mit Modellflugzeug im VW-Bus war zurueck gekommen um uns aufzulesen. Ich vertrieb mir dir Zeit mit der Tochter Franziska, die ein Quizbuch fuer die lange Fahrt dabei hatte. Die Sonne strahlte; Friede, Freude, Eierkuchen.
Sie fuhren erst bis in die Berliner Innenstadt, wo wir eine Stunde Pause machten und belegte Semmeln, Verzeihung, Schrippen mit Herzmuster aßen und den Fernsehturm fotografierten. Was man in Berlin so macht.
Wir fuhren bis zur ersten Raststaette Richtung Hamurg mit. Dort tauchte ein Anhalter aus Kalifornien, USA auf, und verschwand wieder. Wir sahen ihn erst wieder, als wir mit einem LKW Richtung Hamburg auf die Autobahn auffuhren; er sah aus, als richtete er sich auf die Nacht ein.
Der Fahrer war eine echte Berliner Schnauze: Zotig, unverbluemt neugierig und politisch unkorrekt, aber ein guter Kerl. Glaubte ich. Bis er waehrend der Fahrt in seinem Sitz afstand um aus dem Fach ueber seinem Kopf Erotik-Hoerbuecher zu holen. Mit breitem Grinsen und den Fueßen am Lenkrad hoerte er sich Geschichten ueber Sex-Sklavinnen an. Noch 156km bis Hamburg.
Wir atmeten beide auf, als wir 3 Stunden spaeter an der letzten Raststaette vor Hamburg ausstiegen. Gerade dieser Fahrer wollte uns weiß machen, dass LKW-Fahrer die sicherere Alternative fuer alleinreisende Tramperinnen waere, weil die Fahrer nicht so schnell zu ihr auf den Sitz kann, und man mit einem LKW nicht so einfach in den Wald fahren kann. Als haette er es versucht.
Jedenfalls konnten wir an dieser Raststaette in einem leeren Reisebus bis in die Stadt mitfahren; in der Tat rissen sich dort die Fahrer um uns.
Unser Busfahrer war auch Imker und erzaehlte uns allerlei darueber: Wie man Bienenkoeniginnen vermehrt, wie er seiner Voelker auf Reisen schickte, und dass man damit einiges an Kohle machen konnte. Er gab uns noch einige Tipps, was besonders sehenswert sei (die Stelle, an der Ostsee und Nordsee zusammentreffen), und ließ uns an einer Ampel raus bevor sein Chef uns sehen konnte.
Ganz in der Naehe befand sich ein S-Bahn-Hof. Nach einer Weile verstanden wir auch die Fahrkarten und -plaene - und dafuer waren auch nur 4 Jahre Informatikstudium noetig.
Als wir gegen 21 Uhr nach 13 Stunden Reisezeit ankamen, wurden wir schon erwartet. Ali nahm uns sehr freundlich auf, es gab etwas zu Essen, und wir redeten eine Weile bis wir beschlossen, dass es Zeit war, ins Bett zu gehen u uns von den Anstrengungen des Tages zu erholen.
Diesen Text schreibe ich auf meinem Glofiish und kann ihn gleich per WLAN online stellen. Ein Hoch auf die Technik!
Sonntag, 12. Juli 2009
Reisevorbereitungen Sommer 2009.
Matthias und ich haben durchaus schon die ein oder andere Erfahrung im Reisen gemacht. Aber aus seinen Fehlern lernt man bekanntlich. So werden wir zum Beispiel nicht mehr mit dem Auto ins Blaue zu fahren. Das haben wir vorletzten Sommer in Richtung Italien ausprobiert. Noch vor der Grenze begann sich Matthias' alter Daewoo in seine Einzelteile zu zerlegen: Zuerst kam der Innenspiegel geflogen. Dann ließ sich das Fenster auf der Fahrerseite nicht mehr schließen, und nach der provisorischen Reparatur ging es nicht mehr auf; das war besonders an den Maut-Stellen sehr lustig. Schließlich gingen die Reifen drauf; der erste platze auf der Autobahn, der zweite einfach so. Nach zwei Stunden im ausgestorbenen Hinterhof einer italienischen "Autowerkstadt" ohne die Möglichkeit uns mit dem Besitzer zu verständigen, war für uns relativ klar, dass wir nicht noch einmal mit seinem Auto in den Urlaub fahren wollten.
Mit welchem Auto sollten wir denn dann fahren? Genau: Mit allen, die vorbei kommen.
Also werden wir uns mit Rucksack, Landkarte und ungesundem Optimismus an die Straße stellen und den Daumen schwenken.
Aber nein, wenn Kinder der Generation Web2.0 eine Reise planen, dann beginnen sie bei Google Maps: http://matthias.wilkau-hasslau.net/map09.php
Zunächst wird die Strecke grob festgelegt: Es soll eine Hauptstadt-Tour werden, zuerst in den Norden - Skandinavien, Baltikum, und dann wieder in den Süden - Prag, Wien, Budapest, Istanbul, Athen.
Als nächstes werden die Fährverbindungen mit ihrer Dauer aus dem Internet herausgesucht; daraus, und mit dem Verdoppeln der Zeitangaben von Google Maps kann berechnet werden, wie weit man in etwa an einem Tag per Anhalter reisen kann. In der nächstliegenden Stadt, oder einfach auf der Häfte der Strecke wird nach einer Übernachtungsmöglichkeit bei Couchsurfing gesucht. Und wer sagt noch, dass man Mathematik nicht im Alltagsleben gebrauchen kann...
Mit Hilfe dieser Angaben kann nun die Reiseroute mit allen nötigen Zwischenübernachtungen festgelegt werden. Das entsprechende Kartenmaterial wird in sämtlichen mobilen Geräten gespeichert (die teilweise extra für dieses Vorhaben besorgt worden, zum Beispiel mein brandneues Smartphone E-Ten Glofiish mit GPS, WLAN und Schnickschnack, der jedem Technikliebhaber der Herz höher schlagen lässt^^), und es wird dafür gesorgt, dass die Routenplanung auch ohne Verbindung zum Mobilfunknetz oder zum Internet funktioniert. So sind wir unabhängig von der Netzverfügbarkeit. Wir wäre auch gern unabhängig von Strom, aber Wireless Strom muss erst für den Hausgebrauch weiterentwickelt werden.
Wer per Anhalter reist, muss sich auf jede Menge Wartezeiten und Frust einstellen, aber das wird doppelt und dreifach belohnt, wenn man endlich unterwegs ist: Erstens, es ist kostenlos. Ein schlagendes Argument, wie ich finde. Zweitens lernt man die Bewohner des Landes schon vor der Ankunft kennen (ob das gut oder schlecht ist muss jeder selbst entscheiden), erhält Informationen über das Land und eventuell schon über die Zielstadt, oder man unerhält sich einfach nett. Oft entstehen daraus Freundschaften oder nützliche Bekanntschaften, die einem zum Beispiel ein Praktikumsangebot machen. Gelegentlich werden einem auch mal 10 Euro oder ein belegtes Brötchen in die Hand gedrückt.
Wer Couchsurfing im Sommer zu nutzen gedenkt, braucht starke Nerven und Ausdauer. Besonders Schweden ist eine harte Nuss, Stockholm fast unmöglich. Aber wir haben es geschafft: Nach wochenlangem Anschreiben von potientiellen Gastgebern haben wir jetzt - eine Stunde vor Mitternacht - für alle Orte jemanden gefunden, der bereit ist, uns für lau aufzunehmen. Stockholm ist es nicht ganz geworden, dafür aber Nacka, ein Vorort.
Um die Übersicht nicht zu verlieren, haben wir uns eine Webseite zusammengebastelt, auf der wir speichern, wo wir schon angefragt haben, und wie diese Leute reagiert haben. Den Link mache ich nicht öffentlich, weil mir sonst jeder in die Datenbank schreiben könnte ^^
So, es ist Zeit zum Schlafengehen; ich melde mich von unterwegs!

