Mittwoch, 15. November 2023

Über Land von Chile nach Peru

Von Arica, Chile, aus fährt ein Bus nach Tacna, Peru. Am internationalen Bustermimal wird man von Busfahrern angesprochen, ob man nach Peru möchte, und wenn man dies bestätigt, nimmt einem der Fahrer den Reisepass ab und läuft damit davon. So sitzt man im Bus, ohne Reisepass, eine einsame Landstraße entlangbrausend... Es klingt wie der Anfang eines True Crime Podcasts. Aber da sich keiner der Einheimischen daran gestört hat, nahm ich es auch hin und erhielt den Pass an der Grenze zurück. Abfahrtspläne gibt es übrigens keine, es wird abgefahren, wenn der Bus voll ist, und die Fahrt kostet umgerechnet 4 Euro. Wer vorhat, nach Chile zurückzukehren, sollte jetzt schon dieses Formular ausfüllen zum Deklarieren, dass man keine Tier- und Pflanzenprodukte zurückbringt (das gilt auch für Kunstwerke aus Holz!): https://djsimple.sag.gob.cl/etapas/ejecutar/15941779
Mobiles Internet in Peru ist schwierig, da man nur mit einem peruanischen Pass eine SIM-Karte registrieren kann. Das Internet ist hinter der Grenze auch sofort weg. 
In Tacna im Busterminal gibt es eine ganze Reihe von Einzeltischen, an denen Frauen mit Taschenrechnern sitzen. Das sind die Wechselstuben. Man kann von Tisch zu Tisch gehen, um sich nach dem besten Wechselkurs zu erkundigen, aber sobald man irgendwo in Peru als Deutscher den Mund öffnet, bekommt man sowieso den Touristenpreis. Meine Freundin trug mir auf, nur zu lächeln und zu nicken, während sie die Preise aushandelte. Das Taxi bekam sie für den einheimischen Preis für 8 Sol, etwa zwei Euro, durch die halbe Stadt. Die nächste Schwierigkeit war, das AirBnb zu finden. Unsere Gastgeberin hatte lieberweise schon vorher Anweisungen für den Taxifahrer gesendet, und ich hatte Google Maps für die Stadt heruntergeladen, aber das brachte uns nur in die ungefähre Umgebung. Beschilderung? Spärlich. Hausnummern? Ein Magic Eye Suchspiel. Manche waren nur mit Kreide kaum sichtbar auf die Wand notiert. Also zählten wir Häuser. Und fragten in einem Kiosk nach. Und zählten dann gemeinsam die Häuser mit dem Verkäufer. Doch die Unterkunft entpuppte sich als verstecktes Juwel, groß, sehr modern eingerichtet und sauber. Die Besitzerin begrüßte und mit den Üblichen Umarmungen und Küssen, und gab uns viele Hinweise und Tipps für unseren Besuch. Beispielsweise kann man beliebig auf der Straße hinterm Haus Busse anhalten, die Fahrt kostet pauschal 1 Sol, etwa 25 Cent. Die Inflation in Südamerika ist stark. Als wir den Bus erreichten, betrug der Ticketpreis schon 1,5 Sol ;)
Tacna ist eine sehr lebendige Stadt. Zebrastreifen sind eher dekorativ und sollten nicht als Sicherheitsfeature gewertet werden. Am besten rennt man im Windschatten eines Einheimischen über die Straße. Der zentrale Markt ist einen Besuch wert, dort gibt es nicht nur leckeres frisches Obst und Gemüse (die größten Avocados, die ich je gesehen habe!), sondern auch winzige Restaurants, und sogar einen katholischen Schrein. Außerhalb des Marktes gibt es eigentlich nur Apotheken, Optiker und Zahnarztpraxen. Das liegt daran, dass aus dem benachbarten Chile ein reger Gesundheitstourismus besteht, da das Preisniveau in Chile höher ist.