3. Spitztour - Fortsetzung
Auf einem der Vulkangipfel stand eine Hölzhütte mit EU-Plakette. Der Guide erklärte, es sei eine Teestube, die von EU-Mitteln finanziert wurde. Niemand war zu Hause. Rings herum wurden Kräuter angebaut und es gab eine einfache, aber geniale Luft-Entwässerungsanlage: Grober Stoff hing an Holzrahmen im Wind, und darunter war eine improvisierte Zisterne in den Boden eingelassen. Das Wasser aus dem Morgennebel lief dorthinein ab und und verdampfte nicht in der Mittagssonne.
Die Wasserversorgung in Mindelo lief über große, schwarze Speicher auf den Hausdächern, die regelmäßig aufgrfüllt wurden. In kleineren Dörfern wie Salamansa liefen die Frauen mit Kanistern auf dem Kopf zu einer zentralen Wasserstelle. Der Guide erklärte, es würde hier 40k kosten, ein Haus zu bauen. Offenbar sind relativ viele Europäer auf die Kapverden ausgewandert und haben sich Luxusvillen ins Nirgendwo gesetzt.
Unser Guide brachte uns, nach eigener Aussage, ins beste Restaurant der Gegend. Vermutlich auch das einzige. Wir blickten auf schroffe Felsen und schäumendes Meer, und auf tanzende Einheimische auf einen betonierten Steg, der eher zum Anlegen der Boote gedacht war als zum Baden.
Der Sand war fast überall vulkanisch und tief schwarz, nur an wenigen Stellen wurde gelber Sand aus den Wüsten des Festlands angeweht; das nenn ich mal 'ne Wanderdüne.
Wir aßen die Spezialität der Insel: Esmoregal (Bernsteinmakrele), und als Beilage alles, was aus dem Boden ausgegraben werden kann: Yam-Wurzeln, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Karotten, andere undefinierbare Wurzeln. Und zum Nachtisch eine weitere Spezialität: Camoca-Eis aus geröstetem Maismehl. Eigentlich wurde Camoca als preisgünstiger Brei Schulkindern mitgegeben, aber der leicht herbe Geschmack mischte sich gut mit dem Vanilleeis, sodass es eine beliebte Eissorte wurde, die wir fast überall auf den Inseln fanden.
Zwischendurch hielten wir an einem Bauernhof; der Guide lud uns ein, uns alles genau anzuschauen, nirgendwo gab es Zäune. Die Ziegen schauten uns genauso neugierig an wie wir sie. Papayas hingen prall an den Bäumchen wie Brüste einer Fruchtbarkeitsgöttin.
Ein Bergkamm wurde von Windturbinen gesäumt; eine offensichtlich perfekte Art, auf diesen Inseln Strom zu erzeugen, neben Solarzellen, aber letztere wird von herumfliegendem Sand beschädigt.
Der Guide setzte uns nach der Tour vor einem Amt ab, wo wir unsere SIM-Karten aktivieren sollten. Wir zogen eine Nummer und waren freudig überrascht, dass die Mitarbeiterin perfekt Englisch sprach und uns ohne Weiteres die Karte aktivierte und 5 Gigabyte Datenvolumen für umgerechnet 10 Euro verkaufte. 500 Megabyte hätten auch gereicht, weil wir an meisten Orten noch nicht mal 3G oder ein Telefonsignal hatten. Gerade in Afrika ist das mobile Telefonnetz ungeheuer wichtig, weil in den wenigsten Gebieten Kabel verlegt werden. Ein (altes) Mobiltelefon hat mittlerweile jeder (oder zumindest jede Familie); darüber können viele Dinge abgewickelt werden, sogar diverse Geldtransfers ohne ein Bankkonto besitzen zu müssen.
4. Markttag
In der Markthalle wurde noch ganz klassisch bar bezahlt. Wir gingen dort hinein, um Touristen zu fotografieren, die Einheimische bei ihrer Arbeit fotografieren. Die Verkäufer hielten bereitwillig ihre Monsterfische in die Kamera -- ich hatte keine Ahnung, dass Thunfisch die Größe von einem Kind haben kann! Ich weiß nicht, was ich gedacht habe, aber im Supermarkt hat er die Größe von der Konservendose.
Hunde liefen zwischen dem Fisch umher, der in großen Schalen am Boden lag. Man wird hier generelll nicht angesprochen und zum Kaufen animiert; wahrscheinlich sind die Restaurants deren Hauptkunden. Was würde ein Tourist auch mit 50kg rohem Thunfisch anfangen?
Interessanterweise lästern die Einheimischen über die Einwanderer aus Senegal auf den Märkten, die aufdringlich den Touristen Souvenirs und Kleidung aufschwatzen. Die Masche ist, dass sie dir etwas Billiges wie ein Armband schenken und ein Gespräch anfangen, damit du ihnen aus Sympathie etwas abkaufst. Wenn sie erfahren, dass du aus Deutschland bist, haben sie alle einen Bruder in Hannover. Alle. Und ja, der Trick hat auch bei uns funktioniert und wir sind nun stolzer Besitzer eines überteuerten, geschnitzten Schildkröten-Brieföffners. Die Klamotten sind übrigens aus der Altkleidersammlung. Wer also ausversehen ein geliebtes Kleidungsstück wegwirft, muss nur nach Afrika fliegen, um es dort auf den Märkten wiederzufinden. Eine Wind- und Regenjacke fanden wir aber nicht. Brauchten wir auch nicht. In drei Wochen auf vier verschiedenen Inseln war es immer trocken und nie kühler als 25 Grad tagsüber.
Bettelnden Kinder soll man übriges lieber nichts geben; die Lebenshaltungskosten sind sehr hoch für Einheimische, aber wenn man spenden möchte, soll man das Geld und die Sachspenden lieber an Schulen geben, wo es gerecht verteilt wird.
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