5. Oase in den Bergen
Nach dem Frühstück -- viel früher als uns lieb war -- ging es mit der Fähre nach Santo Antão. Unsere Gastgeberin hatte uns lieberweise das Frühstück vor die Zimmertür gestellt. Es bestand wie immer ausgewogen aus Obst, Brötchen, Käse, Joghurt, frischem O-Saft und einem Gebäckstück. Wir schnappten uns das Obst und die Brötchen, und eilten nach draußen, denn der Fahrer war pünktlich.
Santo Antão ist die bekannt als die Wanderinsel der Kap Verden. Wir wurden direkt von der Fähre abgeholt und zum Wandern geschickt. Unser Gepäck wurde in der Zwischenzeit in die Unterkunft gefahren. Ich fragte, ob ich Gepäck sein dürfte, aber mein Mann lachte mich nur aus.
Schon auf dieser ersten Strecke musste man die innere Bergziege aktivieren; die Wege waren steil, steinig und kaum befestigt. Für wen ist sowas bitte Urlaub? Vielleicht hätte ich meine Reisewünsche doch etwas spezifischer beschreiben sollen. Die Sonne brannte, und die erste Blase sagte hallo.
Der Guide erklärte die Pflanzenwelt um uns herum. Dieses Kraut, sagte er, helfe gegen Zahnschmerzen. Lange, staubig-grün-weiße Spinnenbeine krallten sich an den Felsen fest. Das Zeug? Ja, man musst es aufbrechen und die Milch am schmerzenden Zahn auftragen; danach fällt er aus. Was? Nein, danke, dann doch lieber zum Zahnarzt gehen.
Nach einer gefühlten Unendlichkeit erreichten wir ein Dorf und unser Auto. Von hier aus waren es noch mal 10 Minuten bis zu einer herrlichen Oase inmitten der Berggipfel. Alles blühte farbenprächtig, und ein blauer Pool glitzerte im Sonnenschein.
Früher war hier ein Bauernhof, der von einem Schweizer gekauft wurde. Aus der lokalen Betonfabrik wurden Bungalows in mordendem Stil erbaut, die innen angenehm kühl waren und die Hitze des Tages abhielten.
Endlich weg aus der Stadt, freute ich mich, an einem ruhigen Fleck im Nirgendwo, wo uns nachts die Hunde nicht wachhalten würden. Pünktlich um 3:30 morgens wurden wir von einem Hahn geweckt.
Soweit möglich, ist der Betreiber der Unterkunft Selbstversorger. Er hält Hühner, Rinder, Hasen, Schweine; baut Obst und Gemüse an, und stellt sogar Joghurt und Marmelade selbst her. Man kann im Prinzip dem Joghurt beim Entstehen zuschauen: Die Milch wird im Garten in Bechern unter Glas aufgestellt. Und dann wird gewartet.
Abends wurde ein regelrechtes Sternemenü serviert, sogar die Bananen wurden zur Show am Tisch flambiert. Wir haben selten so gut gegessen wie dort.
Der Besitzer tat alles, damit sich die Gäste wohlfühlten; er ermunterte uns, die anderen Gäste kennenlernen. Abendessen wurde grundsätzlich gemeinsam eingenommen. Dazu gab es den besten Wein der Insel.
Und wer immer noch nicht genug hatte, konnte die gut gefüllte Bar durchprobieren. Das klassische hochprozentige Getränk der Kap Verden ist Grog. Von den Namen darf man sich nicht täuschen lassen, daran ist nichts verdünnt. Ponche ist eine andere Variante davon, und man sollte es auch nicht mit Punsch verwechseln.
6. Weiter wandern... Immer weiter...
Nur ein Ruhetag, dann ging es schon wieder weiter zur nächsten Unterkunft. Natürlich zu Fuß, während unser Gepäck im Taxi chauffiert wurde.
Unterwegs fanden wir ein Café auf dem Wanderweg, mitten im Nirgendwo. Also es war eine Decke auf einem Felsen und ein Sonnenschutz darüber, aber es hatte sogar einen Namen: Chez Nadia. Sie verkauften Tee aus Avocado-Blättern, Kokos-Donuts und winzige frische Mangos.
Unsere Unterkunft an diesem Tag besaß einen Teich, der mit Fischchen gefüllt war, die tote Haut von den Füßen knabbern. Bei meinen waren sie kurz skeptisch, bevor sie sich darauf stürzten.
Alle Hütten waren nach Obst benannt und standen versteckt unter Bananenstauten; der Blick ins Tal war atemberaubend. Ich legte mich in eine der zahlreichen Hängematten und landete sofort unsanft auf dem Boden. Abgesehen davon wurde der Rest des Tages gemütliche. Viel konnte man nicht machen. Wo Internet verfügbar war, war es möglich -- mit viel Geduld -- Webseiten zu laden. Um dies zu betonen, war das WLAN-Passwort PLEASE.NO.VIDEOS. Nicht dass es eine Möglichkeit gewesen wäre, Videos zu laden, denn das Hotel-WLAN auf den Kap Verden ist in der Regel die geteilte Internetverbindung vom Handy des Besitzers.
Nach einem Ruhetag holte uns ein sehr relaxter Rasta-Typ zum Wandern ab. Diesmal ging es an der Küste entlang. Meine Füße rauchten. Ich bat darum, sie im Wasser abkühlen zu dürfen. Während wir rasteten, verschwand der Guide für ein paar Minuten und kehrte in einen charakteristischen Geruch gehüllt zurück. Wie sind eigentlich die Drogengesetze hier auf den Kap Verden? Er winkte ab. Legal ist es nicht, aber wenn man erwischt wird, handelt man mit dem Polizisten eine Geldstrafe aus. Darauf würde ich mich persönlich nicht verlassen.
7. Weihnachten im Zelt
Wir waren schon sehr gespannt auf die nächste Unterkunft; laut Reiseplan war es eine Selbstversorger-Oase ähnlich unserer ersten Unterkunft auf dieser Insel, aber mit Wohnzelten.
Ein Wohnzelt, stellte sich heraus, war ein einfaches Zelt mit einer Matratze darin. Die Badezimmer waren Holzhütten mit Waschbecken im Freien und kaum Wasser. Wir hatten unser eigenes Fyre-Festival. Es gab Licht im Zelt, aber keine Steckdosen; im Liegen reichte das WLAN bis hoch zu uns, immerhin da.
Meine Idee für diesen Urlaub war, zu Weihnachten unter Palmen am Strand zu sitzen mit einem Cocktail in der Hand. Die Realität war, dass wir auf Felsen in der Brandung sitzen konnten mit einer Weinflasche in der Hand. Zumindest hatten wir den "Strand" für uns.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen