Morgen früh fahre ich nach Russland und ich weiß noch immer nicht, was ich davon halten soll.
War der Gedanke in den Tagen und Wochen zuvor noch sehr weit weg gewesen, holt er mich nun ein und ich schwanke zwischen Euphorie und Panik. Ein halbes Jahr kann sehr lang werden. Es kann aber auch die beste Zeit meines Lebens sein.
Ich werde versuchen, zumindest einmal pro Woche über mein Auslandssemester in Izhevsk zu schreiben und bin gespannt, wie der Vorher/Nachher-Vergleich ausfallen wird.
Warum von allen Ländern in der Welt gerade Russland, werde ich oft gefragt, und ich kann es nicht erklären. Es ist eine seltsame Faszination, die dieses Land auf mich ausübt - die Ferne und Weite, die raue Wildheit, die Herzenswärme seiner Bewohner und ihre Improvisationskunst. Der Klang der Sprache. Wodka. Die langen und bitterkalten Winter. Manch einer würde behaupten, das wären eine Menge Gegenargumente, und er hat Recht. (18.12.2009)
Im Moment:
- Schockt mich schon der Wetterbericht. Diesen Montag waren im Tagesschnitt Minus 28 Grad. Und wie kann sich das bitte noch kälter anfühlen als es schon ist? Kann der Mensch überhaupt noch solche Temperaturunterschiede wahrnehmen?

Wowa - ein russischer Bekannter - läuft derweil in Deutschland mit offener Jacke herum. Er kannte ein treffendes russisches Sprichwort: "Was für Russen gut ist, ist für Deutsche tödlich"
- Habe ich keine Ahnung, wie ich die Vorlesungen auf Russisch überstehen soll. Schon die ausländischen Studenten an meiner Hochschule - die wirklich gut Deutsch sprachen - hatten Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen. Gut, vielleicht lag es an der allzu sächsischen Aussprache mancher Professoren...
Wenigstens konnte ich bereits einen der Dozenten flüchtig kennenlernen, als er in Zwickau zu Besuch war, und auch jetzt stehe ich mit ihm per E-Mail in Kontakt - auf Englisch. Er hatte mir auch angeboten, an seinen englischen Kursen teilzunehmen. Einen der Kurse hält er dieses Semester sowohl auf Englisch als auch auf Russisch. Das wäre mein Stein von Rosetta.
Wobei Informatik-Russisch genauso wie im Deutschen von englischen Begriffen durchsetzt ist. Renglisch praktisch. So gibt es dort Компьютер (Computer), Веб-Сервер (Web-Server) und Кластер (Cluster) als блейд (Blade)... mein Lieblingsbegriff ist aber immer noch Эзэрнет - Ethernet.
- Fürchte ich, dass schon die Reise tödlich sein wird. Erst mit dem Zug nach Dresden, ein Aeroflot-Flug nach Moskau, einmal quer durch die Metropole und dann noch 16 Stunden mit dem Nachtzug Richtung Kasan bis Agryz, weil der Zug nach Izhevsk an diesem Tag schon abgefahren ist, und Agryz offenbar die nächste Stadt mit Bahnhof ist. Das war nicht mein Plan, sondern der Plan der Austauschstudenten, die dieses Jahr aus Izhevsk nach Zwickau kamen. Offenbar hatten selbst sie Angst, einen Inlandsflug nach Izhevsk in einer dieser klapprigen sowjetischen Maschinen zu unternehen, die sich seit den 60er Jahren ohne Generalüberholung in der Luft hielten.
In Agryz ist geplant, dass ihre Familien sie abholen und mich mit nach Izhevsk nehmen. Darauf zähle ich, denn - so sehr meine Oma auch von der Weite der russischen Steppe schwärmt, so ungern würde ich dort ohne Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel bei Einbruch der Dunkelheit festsetzen.
- Wie soll nur all der Kram in den Koffer passen?!
Edit: Keine Ahnung wie, aber es hat funktioniert.
bin schon auf den ersten beitrag aus der alten heimat gespannt. :)
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