Donnerstag, 1. Juli 2010

Ich lebe noch! Teil 8. (19. Mai bis 24. Mai)

Von schlechtem Essen, betrunkenen Ungarn und dem "anderen" Izhevsk

19.05.
Wenn man so anfängt, gesprochenes Russisch zu verstehen, bemerkt man, dass die Russen ziemlich sprechfaul sind. So heißt es zum Beispiel statt "sdrastwujte" einfach "sdrasdje" für "Grüßen Sie sich", und sämtlichen Zehnerzahlen wird die Zehn geklaut - statt "schestdesjat" (sechzig) sagte man einfach "schesjat", und das funktioniert für alle Zahlen, die ihre Zehnerform mit "-desjat" bilden. Auch in der geschriebenen Umgangssprache hatte ich verschiedene Abkürzungen gesehen, zum Beispiel "otsch" statt "otschen‘" für "sehr", das in der Abkürzung nur noch aus zwei kyrillischen Buchstaben besteht.

Heute fand die Vorlesung zu einem Fach statt, von dem ich schon fast vergessen hatte, das ich es belegte, weil die letzte Vorlesung darin schon weit über einen Monat her war. Albert hatte wohl auch gemerkt, dass die Zeit langsam etwas knapp wurde und kürzte kurzerhand den geplanten Stoff. Erwartungsgemäß beschwerte sich niemand. Die Hälfte der Studenten verbrachte eh die meiste Zeit mit dem Surfen im Internet, schaltete nach der Stunde die Computer nicht aus und verschwand in einer Staubwolke. Wie immer half ich Albert beim Ausschalten, und er fragte, ob ich schon gegessen hätte. Er hatte nicht viel Zeit, wollte aber in das kleine Café auf dem Weg zur Uni gehen. Das hatte allerdings geschlossen, und die Frau im Bäckerladen nebenan meinte, das sei wegen einer Feierlichkeit. Wir beschlossen, stattdessen in die Uni-Cafeteria zu gehen. Das war heute eine schlechte Entscheidung, denn alles, was es gab, war graue, matschige Fleischbrocken mit zerkochtem Buchweizen, der sich auf der Zunge anfühlte, wie sich mit großer Wahrscheinlichkeit eine lebende Nacktschnecke im Mund anfühlt.


Schon vorahnend, dass es nicht besonders gut schmecken würde, hatte ich mir eine Quarktasche dazu gekauft, aber selbst die war ungenießbar, weshalb ich das Essen beiseite legte und einen Zettel hervorkramte. Ich hatte letzten Samstag beim Albern mit Albert zur Prüfung viel herumgesponnen, und unter anderem waren wir darauf gekommen, seine Handschrift zu analysieren. Die Schriftprobe hatte ich durch einen automatischen Analysator im Internet gejagt und ließ ihn nun das Resultat wissen. Er hörte überaus interessiert zu, denn wenn er sich mit etwas gerne beschäftigte, dann war es mit ihm selbst. Das allerdings sagte das Analyseresultat nicht. Anderes, wie dass er gern im Mittelpunkt stand, eigensinnig war und Durchsetzungsvermögen hatte, stand drin und traf zu - neben etwa 20 anderen Eigenschaften. Ich hatte die Analyse auch für mich gemacht und ein ganz ähnliches Resultat bekommen, mit nur einigen wenigen Unterschieden - dass ich eben nicht gern im Mittelpunkt stand und unabhängig von der Wertung meiner Mitmenschen sei. Entweder waren uns sehr ähnlich, oder der Generator spuckt so allgemeine Ergebnisse aus, dass es immer stimmen musste.

Am Nachmittag war ich mit Olga verabredet. Sie fürchtete immer noch, dass ich verhungern würde und hatte mir eine Tüte mit Pfannkuchen und eine große Packung mit selbstgemachtem Rote-Beete-Salat mitgebracht. Dazu kaufte ich uns Eiscreme aus dem Laden im Untergeschoss meines Wohnheims - Marke "Sowjetunion". Das Eis bestand leider nicht aus rotem Kirsch- oder Erdbeereis, sondern simpler Vanille, die etwas zu stark gesalzen war - falls man Eis überhaupt Salz beimischt. Es war nur bedingt genießbar. Vor dem Salat hatte ich etwas Angst, denn ich hatte wahrscheinlich schon beim internationalen Abend etwas Derartiges probiert, und Rote Beete sind nun mal keine gute Kombination mit Fisch und Mayonnaise. Aber das kann man keinem Russen erzählen.



Endlich, am Abend, bekam ich das erste genießbare Essen des Tages: Gergö hatte mich auf selbstgemachten Palatschinken eingeladen. Palatschinken stellte sich als die ungarische Variante von Pfannkuchen heraus, und die Einladung als Vorwand zum Trinken. Auch Zsolt saß schon mit einer Flasche Wodka in der Küche, was mich wunderte, denn die beiden konnten sich eigentlich nicht riechen. Doch der Alkohol brachte Menschen zusammen. Den Leser wird es vielleicht verwundern zu lesen, dass ich - wieder - auf das Trinken verzichtete. Ich wollte den nächsten Morgen lieber mit Lernen verbringen als mit einem Kater. Außerdem konnte man beim Trinken mit den Ungarn nur verlieren.
Gergö wirkte wie immer, als hätte er schon fünf gerade sein lassen und führte vor, wie er die Pfannkuchen in die Luft werfend wenden konnte. Das Resultat sieht man auf dem zweiten Bild.



Dass es original-ungarischer Palatschinken war, bezweifelte ich noch, als Gergö als Füllung diese angedickte russische Milch vorschlug. Zsolt hatte sich genug Mut angetrunken um schon mal die Dose mit dem russischen Dosenöffner zu massakrieren.
Solange Gergö noch stehen konnte, wollte er auch die restliche Hefe verbrauchen, aus der er vor einigen Tagen, oder vielleicht auch Wochen, Langos gemacht hatte und lieh sich wieder meinen großen Topf aus. Ich war die einzige im Besitz eines Topfs, der noch sowohl Henkel als auch Deckel hatte. Um dass es so bliebe, hatte ich den Topf nicht zum öffentlichen Gut im Wohnheim gemacht, zumal ihn sich eh jemand innerhalb kürzester Zeit angeeignet hätte.
Gergö und Zsolt tranken im Minutentakt und hatten schon die Flasche fast geleert, obwohl Zsolt sich fein zurückhaltend immer nur das Glas halb vollschenkte, während er Gergös Glas bis zum Rand, und manchmal auch über den Rand füllte. Nun begann Gergö echten Palatschinken zuzubereiten, indem er dicke Käsescheiben in den Pfannkuchen einbuk und sie anschließend halbierte. So hatte ich mir das schon eher vorgestellt, obwohl ich immer noch die Bezeichnung "Schinken" irritierend fand.



Es war wieder mal einer dieser seltsamen Tage... während ich also dasaß, aß und beobachtete, wie die beiden Jungs immer betrunkener wurden, sollte sich ein weiteres Puzzlestück in eigentlich gelöst geglaubte Rätsel des seltsamen Fischgeruchs einfügen. Der Ägypter mit der lustigen Frisur, Ali, kam zu uns in die Küche und hielt ein seltsames Gefäß mit einer Metallzange in der Hand. Er schaltete den Ofen an und holte mit der Zange einige Stücken Kohle aus dem Gefäß und legte sie auf die blanke Herdplatte. Nach kurzer Zeit begann sich Rauch zu entwickeln, und als die Kohle langsam grau wurde und von innen zu glühen anfing, wendete Ali die Brocken wie Steaks, die dabei jedoch auseinander brachen und von der Kochplatte krümelten. Daher kam also die ganze Schweinerei; ich hatte mir schon ernsthaft gefragt, wie man allein mit dem Kochen von Lebensmittel den Ofen so verdrecken konnte. Als ich das erste Mal meine neue Pfanne ausprobiert hatte, hatte sich die Unterseite sofort schwarz verfärbt und war regelrecht klebrig worden und roch verbrannt. Auch jetzt verbreitete sie wieder ihren charakteristischen Geruch nach verbranntem Fisch. Ich fragte, welche Kohle sie denn dafür verwendeten, da meinte Ali, das sei normale Heizkohle. Langsam kroch ein immer dichter werdender Nebel durchs Zimmer und ich fühle mich mit einem Mal benommen und leicht schwindelig... Moment mal; ich war zwar nie gut in Chemie, aber entstand dabei nicht Kohlenmonoxid? Oder Dioxid? Auf jeden Fall kann es nichts Gesundes gewesen sein, und mit diesem Gedanken in meinem leichten Kopf rettete ich mich auf die Fensterbank und riss das Fenster weit auf, während wir alle hustend und keuchend stöhnten. Der Rauch wollte und wollte sich jedoch nicht verziehen; hätten wir einen Kanarienvogel im Zimmer gehabt, wär der uns wahrscheinlich von der Stange gekippt.




Als wir auch das überlebt hatten und Ali glücklich seine Wasserpfeife rauchen gegangen war, brachte mir Gergö weitere ungarische Schimpfworte bei und meinte, wenn ich sie könne, würde mich jeder für eine Ungarin halten. Es klang wie Os bos na bä und eigentlich schon gar nicht mehr wie eine Sprache. Gergö erklärte mir den grammatikalischen Hintergrund, aber das war mir dann doch zu fortgeschritten.
Die zweite Flasche Wodka war schon zur Hälfte geleert als Gergö aufstand um Wasser zu lassen und nicht mehr wiederkam.

Das Schöne daran, wenn man anderen Leuten beim Trinken Gesellschaft leistet, aber selbst nüchtern bleibt, ist, dass man einmal bewusst in diese Leute hineinhorchen kann, und mit etwas Fingerspitzengefühl bekommt man das ein oder andere Geheimnis aus ihnen heraus.
Hätte ich vorher geahnt, welche Lawine ich damit lostrat, hätte ich wohl nicht nachgebohrt. Doch einmal angefangen, ließ sich Zsolt nicht mehr stoppen und plauderte ein Geheimnis nach dem anderen aus. In den kommenden Tagen würde er das noch viel detaillierter tun, nur ahnte ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht...
Noch ein, zwei Gläser trank er noch, dann beendeten wir den Abend. Es dämmerte schon.
Am Ende blieb nur Chaos in der Küche zurück.

20.05.
Heute hatte ich richtig nett ausschlafen, dann im Nachthemd mein Cisco-Arbeitspaket für den Tag erledigt und mich erst am späten Nachmittag angezogen. Beim Beine-Vertreten traf ich auf Zsolt, der keineswegs verkatert aussah, während Gergö sicher noch irgendwo lag. Wir plauderten kurz, er erinnerte sich an alles und wollte gern darüber reden, also trafen wir uns ein paar Minuten später in der Küche auf einen Tee. Er hatte die gleiche Macke wie ich, nur Mineralwasser zum Teekochen zu verwenden und fragte extra nach, ob ich nicht etwa Leitungswasser genommen hatte. So plauderten wir. Irgendwann kamen wir darauf, dass wir beide auf einem bestimmten Niveau Russisch angekommen waren, aber uns immer noch nicht so recht verständen konnten, und dass wir wohl mehr Übung brauchten. Ich holte meine Lernmaterialen und Zsolt seine. Wir gingen den Bestand durch... damit konnte man arbeiten. Großspurig verabredeten wir uns, ab morgen jeden Tag zwei Stunden miteinander Russisch zu lernen.

21.05.
Zum Mittag traf ich Olga; sie kam einmal wieder von irgendetwas Offiziellem und trug ihr Kostüm dafür. Man hörte sie schon von Weitem mit ihren Stöckelschuhen klackern.
Viel Zeit hatte sie wieder nicht, aber wir wollten schon gemeinsam essen gehen. Sie meinte, es gäbe einen Ort in der Nähe, an dem sie im ersten Semester immer gegessen hätte. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass sie mich in die Kantine des Bürogebäudes führte, das mir mein Zimmer mit den blauen Buchstaben "KOMOS" ausleuchtete. Offenbar war es ganz normal für Studenten, in eine Firmenkantine zu gehen.

Das Essen sah dennoch nicht wesentlich besser aus als in der Universitätskantine: Die Salate waren eingetrocknet, das Fleisch grau, die Beilagen traurig. Allein die Okroschka-Suppe sah gut aus, und ich hatte sie noch davon in guter Erinnerung, als Olga sie selbst zubereitet hatte. Doch genau das war das Problem: Ich würde sicher enttäuscht davon sein, wenn sie nicht so gut schmeckte wie die von Olga, und dann keine Okroschka mehr mögen. Bevor ich zu Ende überlegen konnte, musste ich mich entscheiden, weil ich an der Reihe war, und nahm die Suppe. Es war enttäuschend. Sie schmeckte sauer wie vergammelte Milch, und Olga erklärte, dass man diese Suppe aus Kwas hergestellt hat, statt aus saurer Sahne. Das nahm ich so hin und schob die Suppe von mir. Olga wollte sie auch nicht essen. Schon der zweite kulinarische Auswärtsmisserfolg in Folge. Wahrscheinlich musste ich doch kochen lernen.



Anschließend wollte ich endlich einmal testen, ob es überhaupt möglich war, fremde Personen ins Wohnheim mitzunehmen, oder ob nur offiziell gesagt wurde, dass es möglich war, aber praktisch nicht zu erreichen?
So schleifte ich Olga ins Auslandsamt, wo ich auf Marina traf. Ich hatte Glück, denn sie hatte es noch nie zuvor gemacht und willigte ein, es sofort zu erledigen, denn für alles gab es ein erstes Mal. Sie erkundigte sich bei ihrer Kollegin, wie die Vorschriften dazu waren und begann, ein Dokument an Alizas Computer umzuschreiben, stellte mir Fragen zu meiner Uni und tippte weiter. Anschießend druckte sie es aus, sah es mit ihrer Kollegin durch und begann es wieder umzuschreiben. Nach bestimmt einer Viertelstunde war sie mit dem Resultat zufrieden und druckte es dreimal aus. Dann machte sie Kopien von Olgas Pass und Studentenausweis. Natürlich auch in dreifacher Ausfertigung. Das wurde aneinandergeheftet. Ein Exemplar blieb bei ihr, eins sollten wir beim Pförtner abgeben, das dritte bei meiner Etagen-Omi. Das war ja einfach. Nun wollten wir es auch gleich ausprobieren, und wir hatten Glück, es war nach 12 Uhr, denn erst ab dann begann die Besuchszeit. Und 10 Uhr abends wurden die Gäste dann nach draußen gekehrt. So lang blieb Olga nicht, aber sie willigte ein, Zsolt und mich eine halbe Stunde lang im Russischlernen zu unterstützen. Gesagt, getan. Sie begann Zsolt auf Russisch auszuquetschen bis er nur noch verzweifelt schaute. Ich glaube, so funktioniert das Russischlernen auf unserem Niveau einfach nicht. Was wir brauchen, sind vor allem die nächsten 2000 Vokabeln, aus denen man ein anständiges Gespräch überhaupt erst aufbauen konnte. Dafür mussten wir uns allein, oder auch zu zweit hinsetzen und unsere Lehrbücher durchgehen. Zwei Stunden pro Tag. Soweit zumindest der Plan.
Ich begleitete Olga zur Bushaltestelle und ging gedankenverloren zurück. So viel zu lernen, so wenig Zeit.

22.05.
An diesem Samstag begann die Vorlesungsreihe zum Thema "mobile Systeme" von vorn, nachdem wir die dafür geplante Vorlesungszeit für den Antennen-Stoff und die Faulheit der Masse der Ägypter geopfert hatten. Meinen Aufzeichnungen nach zu urteilen, hatten wir exakt die gleiche Vorlesung schon am Beginn des Semesters gehabt, aber ich verstand immer noch kein Wort. Professor Puschin schien nur Abkürzungen aneinander zu reihen, zog an der Tafel Pfeile vom einen zum anderen, und die Ägypter nickten. Ich gab den Kampf nach einer halben Stunde auf und begann Origami zu falten. Mir fehlten dafür einfach die Grundlagen, die hier vorausgesetzt wurden. Das Sinnvollste war wohl, diese Begriffe in Wikipedia nachzuschlagen.
Ich gab Professor Puschin gegenüber auch zu, dass ich keine Ahnung hatte und winkte ab, als er ansetzte, noch mal die Stunde zu wiederholen. Das würde ich schon selbst hinbekommen. Ich wischte demonstrativ die Tafel ab, und so gingen wir ein paar Minuten später wieder gemeinsam nach Hause. Es waren auch immer die gleichen Gespräche, die wir führten, hatte ich das Gefühl. Mittlerweile wusste ich so viel über zweisprachige Erziehung von Kindern, als hätte ich ein Buch darüber gelesen, und könnte jetzt vielleicht sogar eins darüber schreiben.
Und wie immer blieben wir noch kurz vor dem Supermarkt stehen, in den ich immer am Samstag nach der Vorlesung ging, und Professor Puschin verabschiedete sich mit einem Dank für die Gelegenheit, Deutsch zu sprechen.

Im Supermarkt sah ich mich heute ganz bewusst nach einem typisch-russischen Snack um, der mir in letzter Zeit öfters begegnet ist; meistens in Verbindung mit Bier: Zäher, salziger Käse, der wohl auch geräuchert und in Spaghettiform gepresst wurde. Das erste Mal hatte ich es in Usbekistan probiert. Dort war uns der Snack unter dem Namen "Fischstäbchen" präsentiert worden, und uns war schon nach dem ersten Bissen klar geworden, dass es höchstens Fischöl enthielt, aber das fiel in Usbekistan niemandem auf, weil Fisch eine eher ungewöhnliche Speise in solch einem Wüstenland war.
Nun hatte ich es bei Stasya auf dem Hausdach noch einmal probiert. Eigentlich mochte ich den Geschmack immer noch nicht recht, und gesund war das Zeug sicher auch nicht, aber irgendwie machte es innerhalb kürzester Zeit abhängig, besonders in Form eines Zopfes, weil man da mit seinem Essen spielen konnte.


Als ich zurück im Wohnheim war, ging ich Zsolt suchen um mit ihm die zwei Stunden Russischstudium durchzuziehen, aber ich traf ihn nur recht blass in der Küche an. Er meinte, er hätte gestern zu viel getrunken und könnte gerade im Moment, also heute, überhaupt nicht lernen.
Mir sollte es Recht sein, dann ich war auf ein Konzert eingeladen worden. Aber diesmal war es keins dieser coolen Konzerte, die hier praktisch jedes Wochenende stattfanden, sondern ein Musikschulkonzert. Dima und Nastya nahmen dort Gesangsunterricht, und jeder der einmal in einer Musikschule war, wird wissen, dass diese Konzerte relativ regelmäßig stattfanden um die Musikschüler zum Üben zu motivieren. Schon zu meinen eigenen Konzerten bin ich nie gern gegangen, aber nun dachte ich mir: Vielleicht ist es in Russland ja anders.
Dima hatte mich eingeladen, und Nastya wollte Olga dabei haben, und so traf ich mich vorher mit Olga, die aus irgendeinem Grund wusste, wo sich diese Schule befand.
Es war tatsächlich ein Schulgebäude, samt selbstgestalteten Wandaushängen und ausgestellten Basteleien.
Nastya hatte sich schon umgezogen, sie trug eine weiße Bluse und darüber eine schwarze Weste; Dima trug Jeans. Nein, er würde heute nicht mitsingen, meinte er. Zwingen konnten sie niemanden. Es war offensichtlich, dass er den Unterricht nur für Nastya mitbelegte.

Die Bühne war mit bunten Vorhängen und Luftballons geschmückt, und auch sonst hatte man sich ein wenig mehr ausgedacht als nur das einfache Aufführen von Stücken, die man in letzter Zeit gelernt hatte. Alles stand unter einem Thema, das - wie konnte es anders sein - immer noch der Sieg Russlands im zweiten Weltkrieg war. Dazu trugen einige Musikschüler Gedichte vor, und auch ein kleiner Sketch wurde mit eingebaut. Sonst wäre die dreistündige Vorstellung sicher langweilig geworden... Ich gebe es ja schon zu: Die dreistündige Vorstellung war langweilig. Schon nach der ersten Stunde begann ich Origami zu basteln. Zur erhöhten Schwierigkeit steckte ich Geldstücke in den Aurelio-Stern - um das geräuschlose Zusammenfalten zu erschweren.
Dann endlich kam Nastya dran. Sie sang im Chor und wirkte gar nicht froh dort auf der Bühne, eher ernst und konzentriert, während andere das Dauergrinsen gut trainiert hatten. Am talentiertesten war wohl eine Frau, die ich erst überhaupt nicht wahrnahm, weil sie gut zwei Köpfe kleiner war als der Rest, dafür jedoch einen guten Resonanzkörper hatte. Sie wäre wohl als Solistin glücklicher, dachte ich mir, und tatsächlich sah ich sie einige Wochen später auf einem kleinen Rock-Konzert für Nachwuchsmusiker in Izhevsk.

Nasyas Gruppe sang ein paar Lieder im Chor, dann kam bereits eine andere Gruppe dran. Jede Gruppe hatte eine ganze Reihe von Gitarrenspielern in ihrer Mitte. Zwar stand ein Klavier neben der Bühne, aber das benutzte niemand. Russland ist eben doch das Land der Gitarre. Als die Scorpions "Wind of Change" sangen, hätten sie gar nicht die singen müssen: "Let your balalaika sing / What my guitar wants to say", weil die Völkerverständigung schon auf Gitarren-Level geklappt hatte.





An diesem Abend waren wir alle zu Stasya aufs Dach eingeladen worden, aber je länger der Abend in dem Konzertzimmer wurde, desto mehr Wind zog auf und umso ungemütlicher sah es draußen aus. Langsam begann ich mich wirklich ein wenig zu langweilen und unruhig zu werden. Dima hatte sich aus Langeweile den dicken Pickel auf der Nase aufgekratzt und saß nun mit einem Heftpflaster quer über die Nase und sah aus wie ein Boxer.
Als das Konzert endlich vorbei war, wollten Dima und Nastya noch mit den anderen Schülern bleiben und Tee trinken. Wir verabredeten uns für den späteren Abend bei Stasya.
Olga war noch in einem feinen Kostüm und meinte, sich erst zu Hause umziehen zu wollen, da sie so unmöglich aufs Dach gehen konnte. Aber rennen konnte sie darin - in Minirock und Stöckelschuhen; als nämlich unser Bus an uns vorbei fuhr um 50 Meter entfernt an der Bushaltestelle zu halten, griff sie meine Hand und zog mich mit. Ich sah Olga vor meinem inneren Auge schon stolpern und fallen, aber sie rannte bald sicherer in den Stöckelschuhen auf dem unebenen Gehweg voller Steinen entlang als ich in meinen flachen Tretern. Das übte jede Russin wahrscheinlich schon von klein auf.

Bei Olga war wieder nur die seltsame Großmutter zu Hause; ihre Eltern lebten wahrscheinlich den ganzen Sommer in der Datsche auf dem Land. Olga bereitete Tee zu und wollte beginnen, Abendessen zuzubereiten. Ich fragte sie, ob sie nicht irgendwas gesagt hatte, dass sie sich nur umziehen wollte. Das kam wohl ein wenig zu unhöflich rüber, denn sie stellte den Topf wieder zur Seite und begann Brote zu schmieren, von denen sie mir natürlich auch anbot.
Schon 20 Minuten später kamen wir aus dem Haus, und zum Glück war es nicht weit zu Stasya, nur ein paar verwirrende Häuserecken waren zu umschiffen, dann standen wir vor dem Haus 397 in der Karl-Marx-Straße.
Sie waren schon längst nicht mehr auf dem Dach, sondern hatten sich in Stasyas Wohnung mit ihren Gitarren versammelt. Wieder traf ich auf mir unbekannte Freunde von Stasya, die ich später am Abend in vkontakte hinzufügte und mit ihnen chattete, bevor ich nie wieder von ihnen hörte.

Der Abend selbst begann erst gemütlich zu werden, als Olga schon nach Hause wollte... zum Lernen. Typisch Botanik - für Streber gab es immer etwas zu lernen, selbst wenn es Wochenende war und keine Prüfung in unmittelbarer Bedrohung anstand. Für mich hieß das, ebenfalls gehen zu müssen, denn sie war als mein Gast mitgekommen und eine seltsame Höflichkeit verlangte in Russland, dass ich sie nach Hause begleitete, selbst wenn sie nur um die Ecke wohnte. Bedauernd verabschiedete ich mich von Stasya und Sina, die gerade so fantastisch in Duo auf der Gitarre gespielt hatten. Dieses Lied hatten sie letztes Jahr für ihre Reise nach Sankt Petersburg einstudiert, als sie sich gemeinsam einige Zeit als Straßenmusikanten dort um die Runden gebracht hatten. Sie sprachen davon, es diesen Sommer wieder tun zu wollen - eine Wohnung für die ganze engere Clique zu mieten, denn das sei für einen Monat billiger als ein Jugendherbergszimmer für eine Woche.

Ich brachte also noch Olga bis zu Tür und überlegte, einfach wieder zur Party zu gehen, wenn ich sie sicher nach Hause gebracht hatte, aber sie machte mir einen Strich durch die Rechnung und bestand darauf, mich zum Bus zu bringen.
Russland hatte im Hockey gewonnen, offensichtlich. Singende, betrunkene Russen zogen die Straßen entlang, ihre Mädels in den Armen, die genauso fröhlich waren. Autos fuhren hupend vorbei, und aus ihren Fenstern flatterten Russlandfahnen. Nur der Bus kam ewig nicht, und als er kam, war es der letzte für heute und so voll, dass sich der Fahrkartenverkäufer kaum durch die Menge bewegen konnte.

Der Abend war noch jung, aber niemand war im Computerraum. Manchmal waren die Computersüchtigen alle gemeinsam verschwunden, aber ich hatte noch nicht herausfinden können, wohin. Aber ich vermutete, dass Alkohol eine Rolle spielte. Als es laut klopfte, fuhr ich erschrocken zusammen. Das Geräusch kam vom Balkon. Hatte mich jemand schon eine ganze Weile beobachtet und wollte jetzt fragen, ob er auch mal anfassen durfte? Nein, es waren nur zwei Ägypter, die mit ihren Freunden auf der Etage unter uns zusammengesessen hatten und die Etagen-Omi nicht wecken wollten, die ihnen die Eingangstür zu unserem Flur hätte aufsperren müssen - so nahmen sie also den Weg über die Feuerleiter zwischen den Balkonen. Sie bedankten sich froh und gingen schlafen, was ich jedoch noch lange nicht tat. Ich lebte wieder vollkommen nach deutscher Zeit und ging frühestens um zwei Uhr morgens ins Bett - 12 Uhr deutscher Zeit. Doch auch andere konnten nicht schlafen...

23.05.
An diesem Sonntagmorgen schnappte ich mir die Gitarre aus dem Computerraum und brachte sie in mein Zimmer zum Üben; ich spielte längst nicht so regelmäßig wie ich gerne wollte oder sollte, aber wenn ich die Gitarre dann mal in den Händen hatte, spielte ich so lang bis die Finger bluteten und ich Tränen in den Augen hatte. Aber auch das wurde mir gestern gesagt: Wenn ich irgendwas in Russland lernen sollte, dann ist es Russisch und die Gitarre zu spielen. Recht hat Stasya damit.


Für den restlichen Sonntag hatte ich etwas Lernen geplant, und dann am Abend vielleicht ein Treffen mit Sina... als gegen Mittag mein Handy zum wiederholten Male seit zwei Tagen mit der gleichen Nummer klingelte. Ich entschied, dass es vielleicht doch etwas Wichtiges war und ging ran. Normalerweise meldeten sich bei den mir unbekannten Nummern immer nur irgendwelche Fremden auf Russisch, weshalb ich nun normalerweise nicht mehr bei unbekannten Nummern ans Telefon ging.
Doch diesmal war es tatsächlich für mich. Ich hatte vor einiger Zeit meine Handynummer an einen Couchsurfer gegeben, der in Izhevsk wohnte und meinte, wir sollten uns irgendwann einmal treffen. Normalerweise verlief so etwas im Sand, aber nicht mit Andrey Babuschkin, der mich noch für den heutigen Nachmittag zum Grillen einlud. Er beschrieb mir den Weg mit der Straßenbahn und meinte, ich würde etwa eine Stunde bis zu seinem Haus brauchen. Sie selbst seien noch unterwegs, würden mich dann aber in einer unserthalben Stunde erwarten. "Sie" waren er und seine Frau Tatiana. Ich sah mir das Foto noch mal genauer an. Es war ein Ehepaar im mittleren Alter. Couchsurfing führte wirklich jeden mit jedem zusammen. Wahrscheinlich würden wir nichts gemeinsam haben, außer dass wir in der gleichen Internetgemeinschaft aktiv waren. Vielleicht würde es dennoch ein schöner Nachmittag werden, dachte ich mir und überlegte, was ich als Gastgeschenk mitbringen konnte - etwas, das im nächstgelegenen Laden im Untergeschoss des Wohnheims zu finden war, sonst würde ich mich verspäten. Schokolade. Wein? Oder...? Warum nicht einfach Origami mitbringen? Es ist das ideale Gastgeschenk: Hübsch, mit Liebe gemacht... Ich ging in mein Zimmer und suchte eine schöne Sphäre aus dem Regal.
Ich kann nicht sagen, wie während dieses kurzen Gedankengangs eine halbe Stunde vergangen war, aber ich war schon recht spät dran, denn der Weg zur Straßenbahn kostete mich gut 10 Minuten. Und natürlich kamen erst einmal alle anderen Straßenbahnlinien bevor eine Bahn der Linie 1 hielt, das war schon wieder 10 Minuten später. Während ich wartete, kramte ich in meinem Rucksack nach einem Faden und einer Schere - natürlich hatte ich beides dabei, denn ich trug immer einen ganzen Haushalt mir mit auf dem Rücken herum. Wie ein Schnecke. So schnitt ich noch schnell den Aufhänger zurecht und stieg in die Bahn ein.

Die Fahrt schien kein Ende zu nehmen, aber: Ich hatte eine Stadtkarte dabei. Diese hatte ich mir am 9. Mai gekauft, konnte mich aber nicht mehr daran erinnern, wann oder warum. Die Karte half in der Groborientierung, war aber nutzlos, wenn man wirklich ein Haus finden wollte, und das obwohl sie im A4-Format war und gut 30 Seiten hatte. So etwas können nur Russen produzieren.

Ich fuhr durch das Stadtzentrum hindurch und erkannte schließlich den Weg zum Bahnhof wieder, der weit außerhalb der Stadt lag, aber bis zu Andrey war es noch weiter. Es wurde immer grüner und statt der sowjetischen Plattenbauten reihten sich nun kleine und windschiefe udmurtische Holzhäuser aneinander, die alle einen mehr oder weniger großen Garten besaßen. Das einzige, was noch schiefer als die Häuser war, waren die Gartenzäune ringsherum. Straßen gab es hier keine mehr; es waren bestenfalls Wiesen mit staubigen Reifenabdrücken.
In der Straßenbahn saßen hauptsächlich Omis mit pink-gemusterten Kopftüchern und die Haltestellennamen wurden immer seltsamer und unaussprechlicher, wenn man von der Gagarin-Straße einmal absieht, die ich sogar auf der Stadtkarte fand. Ich sollte an der Haltestelle Kirpitschnaja aussteigen, die erst angesagt wurde, als die Bahn schon davor anhielt und die Türen offen standen. Mit einem Sprint kam ich noch nach draußen und stand nun einsam und allein mitten in der Pampa. Wahrscheinlich war das das Ende der Welt. Irgendwo hinter einem der Büsche befand sich bestimmt ein schwarzer Abgrund, und wenn man weiterging, fiel man von der Erde hinunter in das Weltall. War das wirklich noch Izhevsk?

Ich wollte mich gerade bei Andrey melden, als mir ein kräftiger Mann zuwinkte. Das musste wohl Andrey sein. Erkannt hatte ich ihn nicht, aber er war der einzige Mensch weit und breit, also ging ich zu ihm hin. Er begrüßte mich überschwänglich. Es kamen nicht oft Couchsurfing-Gäste vorbei; praktisch war da nur Liam, der Engländer, mit dem ich auch schon Telefonnummern ausgetauscht hatte... ich entschuldigte mich, dass ich 20 Minuten zu spät war, das wäre mir in Deutschland nie passiert.

Wir überquerten die Schienen und einen Feldweg, der hier die Funktion einer Straße hatte, dann öffnete er ein großes, schweres Metalltor. Dahinter befand sich ein massives neugebautes Haus mit großem Garten samt Fischteich und Gewächshaus. Und natürlich einem Grill. Sofort nach meiner Ankunft begann Andrey das Fleisch in die Glut zu schieben. Ich überreichte Tatiana den Origami-Ball, den sie sogleich an der Küchenlampe aufhängte.
Wir gingen nach draußen und machten es uns auf der Holztreppe in der heißen Sommersonne gemütlich. Es stellte sich heraus, dass sie abenteuerlustige Leute waren, weit gereist und sehr neugierig auf mich - was mich denn eigentlich und überhaupt nach Izhevsk verschlagen hatte, wie ich es hier fand und welche Pläne ich noch hatte. Zwischenzeitlich kam ihre Tochter heim, die auch Informatik studierte, aber nicht mit mir auf Englisch sprechen wollte; später kam der Sohn hinzu, der gestern mit seiner Band in Kazan gespielt hatte, und ebenfalls mit mir kein Englisch sprechen wollte.

Bald war das Fleisch durch und wir gingen ins Haus. Die Kinder deckten fix den Tisch; Tatiana hatte alles schon vorbereitet und so kamen wir ohne Verzögerung zum Essen. Es war fantastisch, wieder etwas Gegrilltes zu essen. Andrey hatte ebenfalls Kartoffeln in die Glut gelegt, die er jetzt an alle verteilte. Sie sahen schön durchgebraten aus und wurden mit Schale gegessen. Dazu gab es noch einen leckeren Salat, und ich fühlte mich wie im Paradies. Nur eine Kleinigkeit störte das Abendessen: Mir wurde ein großes Bierglas voll mit selbstgemachem Kwas vor die Nase gestellte. In Erinnerung an den hervorragenden Geschmack in Sankt Petersburg hatte ich das Glas Kwas gerne angenommen. Doch es schmeckte überhaupt nicht nach dem Getränk, das ich kannte. Es enthielt keinerlei Zucker und schmeckte einfach nur sauer und nach abgestandenem Bier. Mit guter Mine zu bösem Spiel schaffte ich es dennoch, den Liter zu trinken. Tatiana zeigte mir sogar, wie man den Kwas selbst herstellen konnte: Es gab entsprechendes Pulver im Supermarkt, man fügt einfach Wasser und Geschmack hinzu, wie zum Beispiel durch Zucker, und dann lässt man es einige Tage stehen. Das könnte wahrscheinlich sogar ich hinbekommen.

Die Stunden vergingen schnell im Plaudern und ich stellte mit Erschrecken fest, dass ich eigentlich schon vor einer Stunde lose mit Sina verabredet gewesen war. Ich schrieb ihr eine SMS unterm Tisch und sie mir zurück, und schließlich verabredeten wir uns dazu, uns in der nächsten Stunde zu treffen. Sie war bei einem Freund im Krankenhaus und hatte zwar daran gedacht, dass wir uns treffen wollten, aber hatte es auch nicht so genau mit der Zeit genommen.
Wahrscheinlich war es etwas unhöflich, jetzt schon zu gehen, direkt vom Esstisch, aber bei dieser erlebten Gastfreudschaft hätte ich wahrscheinlich noch übernachten müssen, wenn ich alle Regeln der Höflichkeit beachtet hätte. Die Kinder waren schon wieder irgendwo anders - in diesem großen Haus oder draußen. Es war eine schöne Umgebung zum Aufwachsen, ganz anders als in der Innenstadt, in der die Wohnungen schmal und die Nachbarn hinter dünnen Wänden waren.

Andrey und Tatiana begleiteten mich bis zur Straßenbahn. Normalerweise fuhren nicht so viele Bahnen an ihrem Haus vorbei, erzählten sie mir, aber die Straßenbahntrasse zum Bahnhof würde gerade gebaut, und deshalb wurden sie umgeleitet. Sonst sei es hier noch viel ruhiger. Ich erkundigte mich, wie man überhaupt noch mit den Öffentlichen zum Bahnhof komme. Sie sahen sich überlegend an... von meinem Stadtteil "Metallurg"... ja, wahrscheinlich Bus 36. Mich beeindruckte, dass sie so etwas wissen konnten, zumal ich noch nirgendwo einen Übersichtsplan mit Buslinien gesehen hatte. Dankend, grüßend, winkend stieg ich in die Straßenbahn, die sich rumpelnd auf den unebenen Schienen in Bewegung setzte. Und wieder ging die Fahrt vorbei an den kleinen udmurtischen Holzhäusern mit den hübschen Fensterverzierungen, die immer in weiß, oder leuchtendem grün oder blau angestrichen waren und weit sichtbar bäuerlichen Charme verbreiteten.






Ich stieg am Hauptplatz aus, aber Sina ließ auf sich warten. Ich ließ mich am Springbrunnen vor dem Theater nieder und hörte auf die Musik, die jeden Tag die gleiche war. Der Mond hing groß und rund am Himmel über dem Theater, und das am frühen Abend. Es war ein herrlicher Sommerbeginn, und es blieb abends schon sehr lange hell.


Sina kam schließlich; sie hatte etwas länger gebraucht um mich zu finden, da sie sich weigerte eine Brille zu tragen und so Schlängellinien um die Leute auf dem Platz laufen musste um mich zu finden. Ihrem Freund im Krankenhaus ging es den Umständen entsprechend gut, und sie hatten die Wächterin des Krankenhausflurs in den Wahnsinn getrieben bis sie Sina schließlich rausgeschmissen hatte. Sie meinte, das nächste Mal durchs Fenster klettern zu wollen. Sie war schon ein seltsames Mädchen; sie verzauberte jeden mit ihren großen unschuldigen Reh-Augen, um deren Wirkung sie sich sehr bewusst war, und fragte sich dann, weshalb ihr die Kerle wie ein Rudel Hunde hinterher liefen. Wobei "sich fragen" nicht ganz richtig ist; ich glaube, sie nahm es innerlich lachend als Kompliment auf. Ich konnte nie ganz einschätzen, was sie dachte; und selbst als ich sie mit der Zeit besser kennenlernte, blieben immer wieder Fragezeichen zurück.

Wir gingen die Straße hinunter Richtung der großen gelben Newskij-Kathedrale, die einen Knotenpunkt für den öffentlichen Nahverkehr bildete, aber auch ein Zentrum des Nachtlebens darstellte. Sina führte uns in ein Café, das vor allem durch sein Zebra-Afrika-Design auffiel.
Ich war noch recht voll vom Grillen bei Andrey und Tatiana, aber eine kleine Süßigkeit passte schon noch in den Magen. Das dachte Sina auch und wir bestellten uns Eisspezialitäten aus der langen Liste der Dessert-Karte. Dazu natürlich eine Kanne Tee, denn wir waren in Russland. Mich wunderte schon, dass sie kein Brot dazu bestellte. Allerdings ließ sie sich von der Kellnerin einen Kugelschreiber geben und begann damit auf einer Serviette zu malen... einen Baum... einige Kritzeleien... ein paar Worte... sie sagte, das würde sie immer in Restaurants machen. Das war für mich das Stichwort, mein Origamipapier auszupacken. Und während wir uns kreativ betätigten, sprachen wir tiefsinnig. Es war eine der seltsamsten Verabredungen, die ich je hatte. Es war bereits 23 Uhr, aber wir wollten beide nicht, dass der Abend schon so schnell endete und gingen zu ihr nach Hause um weiter Tee zu trinken und zu philosophieren.



Sina hatte eine wahnsinnige Katze. Sie war sehr scheu und aggressiv zugleich. Einmal habe sie das Bein einer Freundin völlig zerkratzt, weil in ihrer Hosentasche ein Handy mit Vibrationsalarm geklingelt hatte, erzählte mir Sina auf dem Weg nach Hause. Wir stoppten in einem Supermarkt um für ein nächtliches Picknick einzukaufen. Was konnte ich der Katze mitbringen um mich bei ihr beliebt zu machen? Fisch? Aber nein, einen ganzen gefrorenen wollte ich ihr dann doch nicht mitbringen. Sina schlug vor, ich sollte ihr einfach das Abendessen für heute in den Fressnapf schütten.

Bei Sina angekommen, verhielt ich mich ruhig und wartete darauf, dass das Katzenbiest fertig wurde mich zu beschnuppern, doch dann schob Sina sie einfach zur Seite Richtung Küche, was sie beleidigt zur Kenntnis nahm. Wie abgemacht fütterte ich die Katze nun mit etwas Trockenfutter und stellte fest, dass sie eigentlich gar nicht so schlimm war. Nur streicheln ließ sie sich nicht, und das Handy hatte ich vorsichtshalber ausgeschaltet.


Sina besaß eine recht große Wohnung, die sie allein bewohnte, mit einem Zimmer allein für ihre Musikinstrumente, und so stellte es kein Problem für sie dar, dass ich über Nacht blieb. Nur die Katze war damit nicht ganz einverstanden und sprang die ganze Nacht auf mir herum. Manchmal rollte sie sich auch auf mir zum Schlafen zusammen und ich konnte mich nicht von der Stelle bewegen, weil dieses Tier doch ein ziemliches Gewicht hatte und außerdem von meiner Bewegung aufgewacht wäre und wieder auf mit herumgesprungen wäre. So blieb ich die meiste Zeit in dieser Nacht wach und schlief nur kurz vor dem Klingeln meines Weckers um 11 Uhr morgens ein.
Wie gerädert stand ich auf. Sina wurde auch nur langsam wach, machte uns aber einen Tee und brachte mich eine halbe Stunde später zur Bushaltestelle. Sie selbst wollte den Tag nutzen um an ihrer Diplomarbeit zu schreiben, die sie schon eine ganze Weile vor sich herschob - deshalb ging sie mit ihrem Notebook zu einem Freund, der kein Internet besaß.
Irgendjemand hatte es lustig gefunden, die Briefkästen in ihrem Haus in die Luft zu sprengen. Dabei war er sehr gründlich vorgegangen. Eine schöne Wohngegend, und gar nicht so weit entfernt von meinem Wohnheim.


24.05.
Trotzdem hatte ich keine Zeit, am Wohnheim auszusteigen, als mein Bus daran vorbei fuhr, denn ich war schon recht spät dran für eine Vorlesung. Es musste heute auch ohne Notizblock und Notebook gehen.
Auf die Minute pünktlich, was mich selbst überraschte, kam ich in Gebäude 5 an und stellte noch ein bisschen mehr überrascht fest, dass Albert schon da war und gerade eine Art Rede hielt. Ich spähte zur offenen Tür hinein. Eine ganze Delegation hatte sich dort versammelt, Männer und Frauen in gehobener Kleidung. Ich wollte schon umkehren, weil ich annahm, dass der Unterricht heute ausfiel, doch in dem Moment änderte sich die Stimmung im Raum und alle Zeichen standen auf Aufbruch.
Die gehobenen Leute gingen nach draußen und an mir vorbei ohne mir viel Beachtung zu schenken, nur ein Mann sah mir ins Gesicht, und es dauerte einige Sekunden bis mein Hirn die Information verarbeitet hatte und meldete: Das war der Rektor. Er sagte guten Tag, und ich nur erstaunt, wie alt er von Nahem aussah und konnte gleich gar nichts erwidern. Langsam ratternd kam mein Hirn in Bewegung und schob ein "Guten Tag" hinter her, als Professor Yakimowitsch schon an mir vorbeigegangen war. Den Namen gab mein Hirn erst weitere 10 Sekunden später aus. Ich hatte das Gefühl, dass es heute im Sparmodus lief.

Als ich Albert auf die Delegation ansprach, meinte er, dass er sie schon seit 11 Uhr erwartet hatte, aber vielbeschäftigte Leute kamen nie pünktlich.
Seufzend setzte mich ich. Ich hatte die Entscheidung wieder vor mir hergeschoben, ob ich für meine Masterarbeit bleibe sollte oder nicht, und mit Albert kam natürlich wieder dieses Thema auf den Tisch. Ich hatte eine Pro-Kontra-Liste erstellt, die mir bei der Entscheidung helfen sollte. Im Moment war der Pro-Teil länger, aber die Liste veränderte sich ständig, wenn ich diese oder jene Information dazu erhielt, von der ich vorher nicht gewusst hatte, dass es ein Problem darstellen konnte oder mir ganz neue Möglichkeiten bot. Irgendwann wollte ich einfach nicht mehr darüber nachdenken. Ich lenkte das Thema auf Alberts eigene Arbeit und Olgas Bachelorarbeit, von der ich immer noch nicht genau verstanden hatte, was eigentlich ihre Aufgabe war. Albert erklärte, dass sie Netzwerksimulatoren mit realen Netzwerken verglich. Das hatte sie mir nie so gesagt... ob sie selbst wusste, was ihre Aufgabe war? Ich beschloss, ihr soweit möglich damit zu helfen, wenn sie wollte, und ich es konnte. Sie hatte über das Thema gestöhnt und gesagt, dass ihr die Programme Schwierigkeiten machten. Es war auch nicht genug Zeit dafür, so tief in das Thema einzugehen wie es vielleicht nötig wäre; die Studenten hatten maximal einen Monat für ihre Abschlussarbeit. Das deutete ich vor Albert an, und er gab zu, dass es sehr anspruchsvoll sei. Doch er erwartete viel von seiner besten Studentin, die er praktisch zu seiner Nachfolgerin ausbildete. Es gab zwar eine ganze Handvoll Streber in der Gruppe, aber nur ihr wollte er Forschungsarbeit geben, wenn er selbst das Forschungsstipendium gewann.
Ich glaube, auch auf mich hielt er große Stücke; Olga hatte einmal gesagt, wie stolz er sei, dass ich bei ihm studierte. Wahrscheinlich bin ich Dekor - eine Studentin aus Deutschland, damit konnte man sich schmücken. Denn ich bin keinesfalls eine gute Studentin. Mittelmaß, wenn überhaupt. Das habe ich ihm auch gesagt, aber Albert scheint in der Lage zu sein, bestimmte Informationen auszublenden und betitelte mich als die beste Studentin der Gruppe. Das war ein Punkt auf der Kontra-Liste für meine Masterarbeit: Mit solch hohen Erwartungen war die Enttäuschung vorprogrammiert. Aber vielleicht war das gerade die Herausforderung, die ich brauchte?

Wenn nicht unmittelbar eine Prüfung oder ein Termin anstand, fiel es mir schwer, Studienarbeit zu verrichten. Ich wunderte mich über mich selbst, dass ich es bis auf Sonntag geschafft hatte, im Zeitplan zu bleiben, den ich mir selbst zum Durcharbeiten des Cisco-Materials gesetzt hatte. Dennoch begann nun wieder der Stress, denn zusätzlich zu dem üblichen Material musste ich noch die praktischen Aufgaben für die Prüfung am 7. Juni lösen. Und dann standen weitere Prüfungen in den nächsten zwei Wochen an, denn die Ägypter mussten alle Prüfungen bis zum 14. Juni bestehen, da ein Teil der Gruppe danach abreisen würde. Nur wann genau die Prüfungen stattfanden, das hatte Albert noch nicht festgelegt und würde es wahrscheinlich erst relativ spontan entscheiden. Als ich ihn nach den Terminen fragte, hatte ich den Eindruck, ihn aus einem tiefen Schlaf geholt zu haben. Wie, wir mussten nun schon Prüfungen schreiben? Ich sah meine Möglichkeit kommen, selbst Einfluss zu nehmen, denn ich hatte bereits Pläne für den 9. bis 16. Juni, falls ich die Prüfungen so legen konnte, dass ich in der Zeit frei war: In Sankt Petersburg war es die Zeit der berühmten Weißen Nächte gekommen, und in Couchsurfing hatte man eine ganze Reihe von Events organisiert, die in dieser Zeit stattfinden sollten.
Ich meinte also zu Albert, es wäre schön, wenn meine letzte Prüfung die Cisco-Prüfung am 7. Juni wäre, die ja schon laut Vorlesungsplan so feststand. Das Problem sei nur die Prüfung im Fach Telekommunikation. Er nickte lächelnd und sagte, ich solle unbedingt nach Sankt Petersburg fahren, und wir würden die Prüfung auf den 3. oder 4. Juni legen; das gäbe den Ägyptern eine gute anderthalb Woche zum Lernen, und die Cisco-Prüfung für Modul 2, das ich schon abgeschlossen hatte, würde er eine Woche später ansetzen, wenn ich schon in Sankt Petersburg wäre.
Ich hatte es kaum für möglich gehalten, dass es so einfach wäre, die Prüfungstermine mit meinen Plänen abzustimmen und dankte Albert fröhlich. Nun würde ich bald einen weiteren Punkt von der Liste der Dinge, die ich im Leben tun wollte abhaken können. Diese Liste ist bereits recht alt, doch es scheint, als würden sich immer wieder Punkte darauf erfüllen. Die zweite Liste, Dinge, die ich im Leben schon getan habe wurde hingegen immer länger, und würde noch wesentlich länger werden, wenn ich sie um all die seltsamen Dinge ergänzen würde, die ich in Russland erlebt hatte. Diese Liste führte ich, um mich in schlechten Zeiten daran zu erinnern, wie schön das Leben sein konnte. Auch dieses Tagebuch wird einmal diese Funktion erfüllen, denn es ist wahr: Jetzt ist die beste Zeit meines Lebens. Und studieren zu gehen war die beste Entscheidung meines Lebens. Es eröffnete mir völlig neue Welten und brachte mich weiter als ich es je für möglich gehalten hatte.

Zurück im Wohnheim begann ich wieder Cisco durchzuarbeiten, doch auch andere Studenten hatten nun begonnen zu lernen, denn als ich den Computerraum betrat, waren sämtliche Arbeitsplätze belegt und kein Internetkabel mehr verfügbar. Kurzentschlossen klopfte ich an die Tür zur einer der Wohneinheiten der Ägypter, da ich im Vorübergehen im Korridor einmal einen WLAN-Router gesehen hatte und wollte darum bitten, dass sie mir das Passwort dafür gaben, sodass ich drahtloses Internet nutzen konnte. Nachdem ich versprochen hatte, niemandem sonst das Passwort zu verraten, sagte Mohammed es mir an. Eine Hand wusch die andere, sagte ich mir und beschloss, ihnen nach dem Ablegen der heutigen Kapitelprüfung meine Lösung für die praktische Prüfung am Ende von Modul 2 vorbeizubringen.

Obwohl ich im Nachbarzimmer war, stellte sich die drahtlose Verbindung als ziemlich schwach und instabil heraus, doch für meine Zwecke reichte es aus. Ich erhielt wieder um die 95% und klopfte wieder an die Tür. Es dauerte immer eine Weile bis jemand öffnete, und wenn jemand öffnete, dann ging es nur mit vorherigem lauten Diskutieren und halbnackt. Ich glaube, sie liefen die ganze Zeit völlig nackt in ihren Zimmern umher und diskutierten darüber, wer sich diesmal eine Hose überziehen sollte.
Ich meinte also, wenn sie die Aufgabenstellungen und Prüfungslösungen haben wollten, dann sollten sie mir einen USB-Stick geben. Das Kopieren dauerte nur zwei Minuten, aber selbst in dieser kurzen Zeit entbrannte wieder dieselbe Diskussion, wer diesmal die Tür öffnen sollte. Vielleicht wäre es gar keine schlechte Idee, eine Durchreiche einzubauen.

Eigentlich wollte ich nun mit einem Origami-Ball weitermachen, den ich am Sonntag begonnen und im Computerraum liegen gelassen hatte, aber sogar das angefangene Kunstwerk wurde hier geklaut... alles, was nicht nietundnagelfest und weggeschlossen war, verschwand. Ich hatte es für einen der Ägypter begonnen, der mich darum gebeten hatte, ihm ein ganz besonderes Origami zu machen, und hatte bei der Gelegenheit zugegeben, bereits zwei Stück aus der Universität mitgenommen zu haben. Zuerst wusste ich gar nicht, was er meinte, denn die Figuren hatten gestern immer noch auf dem Fensterbrett herumgelegen, aber später wurde mir klar, dass er die Figuren meinte, die ich bei Professor Puschin in der Vorlesung auf die Schnelle zusammengesteckt hatte. Natürlich hatte ich deren Verschwinden bemerkt, aber eher den Wachtmann Vladimir vermutet, der mir letztens erzählt hatte, dass er einen dieser Sterne repariert hatte, der offenbar zerfallen war. Aber wer Verwendung für einige Einzelteile hatte, konnte ich mir nicht erklären. Murik bot eine ganz nüchterne Erklärung an: Wahrscheinlich habe die Putzfrau die Teile weggeworfen, sie sei dumm. Eine ganz objektive Meinung war es nicht, denn er mochte sie nicht besonders, da sie ihn jeden Morgen mit dem Staubsauger aufweckte.

2 Kommentare:

  1. • Öhm, und da soll man als Ausländer ein Wort verstehen, wenn die alles so abkürzen… Da fällt man da ja richtig auf, wenn man volles Russisch sprechen würde - wie gelernt.
    • Mhh lekker Buchweizen, ist das net auch ein bisschen trocken und bäh ^^
    • Voda - Connection people ;)
    • Du könntest den Topf verleihen, ein Pfand von 10€ un ne leigebühr von 10 Rubel...
    • Also ich hätte gedacht, Palatschinken hätte was mit nem Schwein zu tun
    • Öhm, die Kohle hatte er für eine Wasserpfeife genutzt oder nüsch? Nimmt man da net spezielle Kohle, die auch leichter entzündlich ist… Vielleicht solltest du dir nen Kanarienvogel ins Zimmer stellen, oder zumindest nen funktionierenden Rauchmelder…
    • "Ich geh mal eben Wasser lassen", ist eine Alternative zu "Ich geh mal eben Zigaretten holen"?! ^^
    • Wer hat das Küchenchaos dann wieder beseitigt?
    • Wie oft habt ihr euch eigentlich zum Russisch lernen getroffen, 2 mal, 3 mal..?
    • Du bekommst doch immer noch Essen von anderen, das kochen lernen wird net nötig sein ^^
    • Schon eine rechte Bürokratie… Wenn man da 5 Leute mit ins Wohnheim nimmt, hat man nen ganzen Stapel Blätter in der Hand…
    • Öhm, haste dir Tafel während des Unterrichts abgewischt?
    • Mit Essen spielt man nicht! ^^
    • Mhhh Dima macht Gitarrenuntricht für Nastya, ich machte Russichunterricht für dich… Immer die Wirkung der Frauen
    • Die brachen mal wieder nen großen Krieg, mit großem Erfolg, dass die mal ein anderes Thema bekommen…!?
    • "guten Resonanzkörper" - heißt das sie war kräftig gebaut?
    • Muss auch langsam mal zur Dame werden und in Stöckelschuhen mit engem Minirock rennen lernen ;)
    • Lernst du immer die Leute kennen, redest dann aber net mit denen und schreibst dann lieber übers Internet mit denen? ^^
    • Das mit dem gehen ist eine komische Sitte, können die net eigenständig entscheiden. Find ich blöd, wenn man gerade erst drüber ist im blau zu werden. Das mit dem Bus ist natürlich auch wieder mal cool. Hätte ja genauso gedacht wie du, aber dass du dann auf einmal ihr Gast wurdest, den sie zum Bus bringen muss… :D
    • "wollte jetzt fragen, ob er auch mal anfassen durfte?" Dich oder den Computer?
    • Find ich toll, ein Origami-Mitbring-Geschenk-Regal, für jeden Anlass ein Origami :)
    • Du hast aber viel Vertrauen in Menschen, wenn du in eine solche Pampa ganz alleine gehst, und dich auf allein herumstehende, winkende Männer freust…
    • Ist Kwas Bier oder etwas limoartiges?
    • Achja, wie sind die Straßenbahnen in Russland, wie in Usbekistan, wo man während der Fahrt ausspringen muss?
    • Haste auch ein Bild von Sinas Servietten-Malereien, malt sie gut?
    • Was macht Sina eigentlich, dass sie sich ne große Wohnung und so viele Instrumente leisten kann?
    • Hey, eine Helsinki-Katze ^^
    • Pünktliche Leute == uninteressante/ unwichtige Leute?! In Zukunft bin ich immer später ^^
    • Ich glaub du kannst dir gar nicht im geringsten Vorstellen, was du zu deiner "Was ich noch alles erleben will"-Liste noch hinzufügen könntest. Es gibt da so viele Dinge, die man nicht ahnt.

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  2. • Was glaubst du, wie toll die Einheimischen Russisch sprechen - jedes zweite Wort ist ein Fluch^^ Da hört man so schöne Konstruktionen wie: "zur Hölle, auf den Schwanz!"
    • Natürlich ist das bäh, aber eher schleimig.
    • Ja.
    • Das klappt doch nicht.
    • Siehste, wieder was gelernt.
    • Ja, oder er hat uns nur aus Spaß eingenebelt.
    • Ja, die betrunkene Alternative.
    • Na wer wohl - die Putzfrauen ^^
    • Kommt hin.
    • Spätestens im Winter schon.
    • Das will man sich nicht antun... da kann man eher ne eigene Wohnung mieten.
    • Nein, als die Ägypter schon weg waren.
    • Dann darf ich auch nicht mehr mit dir spielen?!
    • War nur nicht so erfolgreich bei beiden^^
    • Schreib sowas nicht.
    • Bei dir muss man wohl immer mit dem Holzhammer schreiben? Ich wollte es nett ausdrücken.
    • Wie, du willst zur Dame werden? Du bist seltsam.
    • Ja, da können sie nämlich plötzlich alle Englisch.
    • Man muss ja auch zusammen aufs Klo.
    • Was denkst du?^^
    • Genau, ich bring ein Buch dazu raus... irgendwann ;)
    • Das ist Couchsurfing - die Leute sind alle freundlich und merkwürdig.
    • Es ist Bier ohne Hopfen, mit nur verschwindend wenig Alkohol.
    • Nein?!
    • Nee, kein Foto davon... einen Baum hatte ich ne Zeitlang auf meiner Hand, aber kein Foto davon... malt anständig.
    • Sie hat einen reichen Onkel oder sowas...
    • Yeah)
    • Du bist aber nicht beschäftigt genug um es zu rechtfertigen, dass du zu spät kommst. "Musste noch meine Fußnägel schneiden" zählt nicht.
    • Nee, die Liste ist lang genug. Abarbeiten und abkratzen ist die Devise.

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