12.06.
Es war ein Picknick und Grillfest an der Peter-und-Paul-Festung geplant gewesen, aber das war wörtlich ins Wasser gefallen. Dafür hatte Tanja für uns Zeit gefunden meine liebe Freundin, die mich schon beim letzten Mal so informativ durch Sankt Petersburg begleitet hatte.
Mit Zsolt dauerte es immer ein bisschen länger. Bis er aufgestanden, sich hübsch gemacht und gefrühstückt hatte, war der halbe Vormittag vorbei. Um 10 erwartete uns Tanja an der Gorkovskaya-Metrostation, deshalb trieb ich den schnutenziehenden Zsolt zur Eile an, der sich Weißer in aller Ruhe sein Brot schmierte. Ich merkte schon, dass wir es mit dem direkten, aber langsamen Bus nicht rechtzeitig schaffen würden und schlug vor, stattdessen mit irgendeinem Bus bis zur nächsten Metro zu fahren. Zsolt war eher skeptisch, aber er überließ mir die Führung, da ich erstens Sankt Petersburg besser kannte als er, und zWeißens er ein Landei war.
An der Bushaltestelle zeigte ich ihm meinen Plan auf: Auf Pappen in den Fenstern der Busse und Marschrutkas die Kleinbusse waren die größten Haltestellen auf der Busroute angeschrieben, da es keine Übersichtspläne darüber an den Bushaltestellen gab. An einigen Haltestellen auf den Infopappen stand ein "M" voran, das bedeutete, dass es eine Metrostation war. Die nächste Metro war Prospekt Veteranov. Tatsächlich brauchte der Bus nur 20 Minuten bis dorthin, und wir mussten nicht mal auf einen warten, weil die meisten Busse an dieser Metrostation vorbeifuhren. Und mit der Metro war es eine Frage von wenigen Minuten ins Zentrum zu kommen.
Obwohl wir gerade pünktlich ankamen, wartete Tanja schon auf uns. Die Deutschlernenden nahmen die deutsche Pünktlichkeit noch viel ernster als die Deutschen selbst.
Ich war richtig froh über das Wiedersehen, Tanja auch, wir umarmten uns und gaben uns Küsschen. Sie wollte uns die Peter-und-Paul-Festung zeigen, wo sie am Montag ein Praktikum beginnen würde. Dementsprechend viel wusste sie über die Festung und begann schon auf dem Weg zu erzählen.
Zsolt verstand kein Deutsch, und für ihn hörte sich deutsch wie das Kratzen von Fingernägeln auf einer Tafel an, deshalb war er den ganzen Tag säuerlich. Ich hatte ihn jedoch vorgewarnt, dass ich auch alte Bekannte in Petersburg wiedertreffen wollte und dass wir nicht die ganze Zeit zusammen verbringen würden. Er hatte sich ebenfalls spezielle Bekannte in Petersburg über Internet suchen wollen, mit denen er abends auch in spezielle Bars gehen wollte, aber dann war er zu träge gewesen und hängte sich nun der Einfachheit halber an mich.
Zsolt sammelte Münzen, genau wie ich, und er war jedes Mal wieder erstaunt, wie viele ich einfach so auf dem Boden fand. So hatte ich ein Spiel draus gemacht, ihn auf Münzen aufmerksam zu machen, die auf dem Boden lagen, aber an der Festung lagen ganz besonders viele so viele, dass er sich schon selbst nicht mehr danach bücken wollte, aber das war gar nichts gegen die Geldhaufen im Inneren. Tanja erklärte, eine Münze an einen Ort zu werfen heißt, dass man dahin zurück kommt.
Gerade beim Münzenauflesen sah man ganz genau, wer von den Besuchern Russe war, und wer Ausländer, denn die Russen ließen die Münzen liegen, während besonders japanische Touristen fast die ganze Zeit gebückt liefen.
Als wir zur goldenen Turmspitze der Peter-und-Paul-Kathedrale aufblickten, erzählte uns Tanja eine höchstinteressante Geschichte: Woher die typisch-russische Geste kommt, sich mit Daumen und Zeigefinger seitlich an die Kehle zu schnipsen mit der Bedeutung: "Lass uns Wodka trinken"
In einem Sturm wurde die goldene Figur auf der Spitze schwer beschädigt, und einer, der nicht viel zu verlieren hatte, erklärte sich bereit, dort hochzuklettern und die Figur zu reparieren. Das gelang ihm und er wurde mit einem hübschen Sümmchen Rubel belohnt, und mit einem Becher vom Zaren, der ihn berechtigte, in Russlands Kneipen kostenlos trinken zu dürfen. Nun verlor der Mann im Suff immer wieder den Becher und musste sich einen neuen geben lassen. Irgendwann verlor der Zar jedoch die Geduld und brannte ihm das Zeichen direkt in den Hals ein. Nun musste er nur noch an seinen Hals deuten, wenn er durch die Kneipen zog und trinken wollte. Diese Geste hat sich dann irgendwann eingebürgert, aber kaum noch einer weiß heute noch, warum man diese Geste so macht.
Im Innenhof der Festung fand eine Militärparade statt, denn heute war der "Tag Russlands". Es war ein neuerer Feiertag, der noch nicht so recht akzeptiert war. Nach der Neuordnung der politischen Verhältnisse aufgekommen, hieß er zunächst "Unabhängigkeitstag", aber da fragte sich die meisten Russen: "Wovon denn unabhängig?". Dann wurde er in den "Tag Russlands" umbenannt und mit allerhand Patriotismus angefüllt. Aber so richtig mochte man den Tag auch noch nicht, deshalb wurde der "Feiertag der Stadt" mit ihm zusammengelegt, denn der wurde von den Bewohnern jeder Stadt gern gefeiert.
Einige Schaulustige standen um die Absperrungen, in denen die Parade stattfand, und auf den Bänken im Innenhof um über die Köpfe der anderen hinwegsehen zu können. Eine Gruppe Soldaten verband das Marschieren mit russischen Folkloretänzen, und die Zuschauer bewarfen sie mit Münzen. Der ganze Boden glänzte schon in Silber und die Soldaten, die gerade nicht mit Marschieren beschäftigt waren, lasen sie auf.
Das Innere der Kathedrale war prachtvoll. Sie war mittlerWeiße ein Museum, sodass Eintritt verlangt werden konnte. Mit unseren russischen StudentenausWeißen wären wir jedoch billiger hinein gekommen, wenn heute nicht der Tag Russlands gewesen wäre deshalb kamen wir sogar kostenlos hinein. Wir erhielten eine Eintrittskarte, die für sämtliche Sehenswürdigkeiten galt. Erst als wir uns alles anschauen wollten, stellten wir fest, dass die meisten geschlossen waren. Nicht aus Gründen der Renovierung, sondern aus Prinzip. Ein Wachtmann schloss vor unserer Nase die Tür, obwohl es noch früh am Nachmittag war und meinte dazu schlicht, es sei jetzt eben geschlossen.
Dennoch gab es genug anderes Interessantes zu sehen. Es war schließlich die Festung, aus der heraus Sankt Petersburg überhaupt erst entstanden war. Hier lagen die Zaren begraben, und mittlerWeiße sogar die letzte Zarenfamilie, die in Jekaterinburg ermordet und begraben worden war, deren sterbliche Überreste aber vor nicht allzu langer Zeit nach Sankt Petersburg überführt worden waren um nun hier begraben zu werden.
Hier befand sich auch das Gefängnis der Stadt, in der erst die Adligen die Revolutionäre einsperrten, und nach der Revolution die Revolutionäre die Adligen.
Auch in Museen kann man sich amüsieren, so fand Tanja es überaus komisch, im Gefängnis die Aufschrift für Besucher zu sehen: "Kein Ausgang", und Zsolt wollte unbedingt auf einem der spartanischen Metallbetten fotografiert werden. Es war sehr dunkel, und wenn ein Gefangener besonders aufmüpfig war, kam er in eine spezielle Zelle, in die gar kein Licht fiel. Tanja erzählte, er gäbe einen Gefängnisgarten, in dem die Gefangenen ein wenig an die frische Luft gehen durften, aber dorthin ist praktisch nie jemand gegangen, weil es so schrecklich deprimierend war, wieder in das kalte, dunkle Gemäuer zurück zu müssen. Wachsfiguren verdeutlichten die Geschichte.
Ich war ganz froh, wieder draußen zu sein. Am Ausgang scharrten sich dutzende von Touristen um die sitzende Statue von Zar Peter dem Ersten. Er war auch für die heutige Zeit ein Riese gewesen, hatte jedoch einen verhältnismäßig kleinen Kopf, meinte Tanja, was man normalerWeiße nicht so abgebildet hatte, deshalb hatte diese Darstellung für eine hitzige Diskussion unter den Petersburgern gesorgt. Trotz seiner Gestalt war er ein ziemlicher Frauenheld gewesen und soll über hundert uneheliche Kinder gezeugt haben. Seine Fruchtbarkeit soll sich sogar noch in dieser Statue niederschlagen, weshalb jede Frau, die sich auf seinen Schoß setzt, angeblich bald darauf schwanger wird.
Wir spazierten mit Tanja Weißer durch die Stadt. Ich hatte mittlerWeiße regelrechte Entzugserscheinungen vom Gitarrenspielen und sah mich vergebens nach einem Musikgeschäft um. Hätte ich jetzt eine preiswerte gefunden, ich hätte sie gekauft.
Stattdessen kehrten wir in ein kleines Café ein und gönnten uns alle ein Stück Kuchen. Ich hätte lieber etwas Herzhaftes gegessen, aber die Erfahrung zeigte, dass man es sich in der Petersburger Innenstadt als armer Student nicht leisten konnte. Dann war es auch schon Zeit, sich mit den anderen Couchsurfern zu treffen: Es ging in das Restaurationsarchiv der Eremitage.
Am Treffpunkt sammelte sich nur eine kleine Gruppe zusammen, die sich unter Leitung von Sergey aufmachte das zu sehen, was selten ein Tourist sah. Kein Wunder, das Archiv befand sich in einem abgelegenen Industrieviertel, das nur aus Plattenbauten zu bestehen schien. Weit und breit keine Menschenseele Ich vermutete schon, dass sie uns hierher gelockt hatten um uns nun unsere Organe zu entnehmen, aber da kamen wir schon an ein Gebäude mit einer Glaspyramide über dem Eingangsbereich.
In einem schlichten Empfangsbereich mit Bänken vor der Garderobe warteten wir, ob doch noch ein paar Weißere Besucher kamen, denn sonst wäre die Führung recht teuer geworden, und ohne Führung durfte man nicht hinein. Ich hatte Tanja jene Origamifigur geschenkt, die ich bei unserem letzten Treffen nicht ganz hatte fertigstellen können, und nun wollte sie unbedingt wissen, wie man die selbst falten konnte. Sie hatte den Dreh schon ganz gut raus, als beschlossen wurde, dass wir nun doch mit den paar Leuten, die wir waren, hineingingen.
Die Archivangestellte öffnete schwere Türen vor uns und achtete streng darauf, dass wir alle zusammenblieben und nicht etwa einer in einem luftdichten Raum eingesperrt blieb bis die nächste Gruppe irgendwann einmal vorbeikam.
Man bekam hier schöne Einblicke, wie die Sammlerstücke aussahen, bevor sie restauriert und ausgestellt wurden, aber das war auch schon alles Interessante. Wir liefen stundenlang von Raum zu Raum, während die Angestellte monoton über die Ausstellungsstücke referierte und ich mit Tanja um die Wette faltete. Zsolt langweilte sich auch, geriet aber in Verzückung, als wir in das Lager mit den kostbaren alten Möbeln kamen. Er hatte selbst Antiquariaten-Händler werden wollen, aber sein Vater hatte es nicht zugelassen, und so hatte Zsolt schließlich Wirtschaft studiert. Genau wie Gergö erfüllte er das Klischee, dass man Wirtschaft studiert, wenn man nicht weiß, was man studieren soll.
Mit der Zeit wurde mir in dem Archiv so langweilig, dass ich begann, Alberts wissenschaftliche Arbeiten zu lesen. Ich atmete regelrecht auf, als wir nach dem großen Kutschen-Lagerraum am Ende angelangt waren. Tanja obwohl kunstinteressiert hatte den Ausflug auch für einen Schuss in den Ofen gehalten und verabschiedete sich nun von uns; sie musste sich auf ihren Praktikumsbeginn morgen vorbereiten. Auch der Rest der Couchsurfergruppe löste sich am Ausgang auf. Es hätte zwar noch eine Party am Abend gegeben, aber erst in einigen Stunden, und man würde sich eventuell wiedertreffen, versprach man sich halbherzig.
Tanja bestand darauf, uns noch bis zur Moskovskij Vokzal-Metrostation im Zentrum zu bringen, von dort aus wollten Zsolt und ich einen Stadtspaziergang machen. Praktisch hieß das, er wollte Schuhe und Klamotten kaufen gehen, obwohl er genau wusste, dass er es sich nicht leisten konnte. Er hatte ein Stipendium von weniger als zweihundert Euro für drei Monate erhalten, und würde den Rest erst bekommen, wenn er zurück nach Ungarn kam und seinen Bericht über das Studium und seine Forschungsergebnisse abgegeben hatte. DummerWeiße hatte er weder ein Forschungsthema, noch Vorlesungen an der Uni, noch nennenswert Russischunterricht. Er überlegte sich, etwas zur Geschichte der Kraftfahrzeugproduktion in Izhevsk zu schreiben bald.
Nun, trotzdem ging er in einen schicken Kleidungsladen mit internationalem Namen und sah sich verzückt um nur um nach den Preisen zu schauen, behauptete er. Ich ließ mich auf einem Hocker nieder und las Weißer an Alberts Forschungsberichten. So müssen sich die Männer fühlen, wenn sie von ihren Frauen zum Shoppen mitgenommen werden.
Irgendwann hatte sich Zsolt genug ausgetobt und wir beschlossen, einen Happen essen zu gehen, weshalb wir so weit wie möglich die Innenstadt verließen. Auf dem Weg fand sich tatsächlich ein typisch-russisches Café, in dem man auch am späten Nachmittag noch Mittagessen bekam. Und das sogar recht gut: Kartoffelbrei und Schnitzel, russische Pizza, die eher wie ein Tortenförmchen aussah, und gedünstetes Grünes, das als Gemüse verkauft wurde. Dafür waren die Preise human.
Wir kehrten auch bald darauf zu Julia zurück, die schon wieder fürstlich für uns aufgetischt hatte, sodass die kleine Glasplatte des Tisches unter der Last beinahe brach. Mit einer Flasche Wein setzten wir uns vor den Fernseher, unterhielten uns über google translate, aßen wie vom kalten Buffet und zeigten uns gegenseitig Videoclips bei youtube.
Irgendwann kamen wir auf die blöde Idee, Karaoke zu singen. Zsolt war sofort Feuer und Flamme und sang ein ungarisches Nationallied nach dem anderen, sehr schief und sehr eifrig. Wenn das Lied fertig durchgesungen war, schaute er uns mit Rehaugen an und bat, dass er das nächste Lied noch singen dürfte, das er schon in der Vorschau sah. Die einzige Möglichkeit, ihn davon abzuhalten war, Julia zu bitten, doch mal ein russisches Lied zu singen. Das tat sie auch mit Begeisterung, aber irgendwann hörten wir dann doch auf, allein schon um zu vermeiden, dass sich die Nachbarn beschweren kamen.
13.06.
An diesem Morgen hatten wir uns eigentlich vorgenommen, in die eigentliche Eremitage zu gehen eine der bedeutendsten und größten Kunstsammlungen der Welt. Beim letzten Mal in Petersburg war ich auch schon dort gewesen, hatte aber bestimmt nicht alles gesehen, denn es war ein riesiger Gebäudekomplex, mehr wie ein Labyrinth als ein Museum. Aber Zsolt trödelte an diesem Morgen wieder erstaunlich lange herum, sodass bei unserer Ankunft an der Eremitage die Schlange von Besuchswilligen schon bis weit in den Hof hinein stand. Es war keine gute Idee, an einem verregneten Sonntag im Sommer in die Eremitage gehen zu wollen. Zsolt hatte auch keine Lust stundenlang zu warten und redete sich ein, die Bilder im Internet sowieso anschauen zu können.
So war zumindest mein Vormittag gerettet, denn ich hatte Varya, meiner letzten Gastgeberin, versprochen, sie nach der Eremitage zu besuchen.
Ich meinte zu Zsolt, er könne sich in der Zwischenzeit ein anderes Museum ansehen, wie das russische Museum in der Innenstadt oder gleich die Innenstadt. Doch er blieb an mir kleben. Er konnte einem schon ziemlich auf die Nerven fallen.
Auf der Vasilij-Insel, wo Varya wohnte, wurde ich ihn endlich los, als ich einen schönen großen Buchladen für ihn fand. Ein bisschen fühlte ich mich schon als würde ich einen Hund aussetzen, aber ich hatte auch mal ein Anrecht auf meine Ruhe. Ich sagte ihm, ich würde mich melden
Kurz vor Varyas Haus unternahm ich einen kleinen Abstecher in den Supermarkt, bei dem es deutsche Pfannkuchen gab, und dann noch zum Brothändler, der das leckere deutsche "Kernbrot" verkaufte, das jeder in Varyas Wohngemeinschaft so gern aß kein Wunder, es waren drei deutsche Studenten.
Ich bekam die letzten zwei Brote und ging stolz mit meiner Beute zu Varya.
Am Fenster rief Varyas kleiner Sohn Ilya schon: Es ist Manja!
Hier bei Varya fühlte ich mich endlich wieder wie unter Freunden, ein Stück Zuhause, wenn man so will. Bei ihr wurde ich begrüßt wie ein alter Freund, nahm an dem kleinen Küchentisch Platz als wäre ich nie weg gewesen und begann das Gespräch als hätten wir es nur kurz unterbrochen. Ilya wirbelte um uns herum wie er es immer tat, nur eins hatte sich verändert: Eine neue Dusche wurde ins Bad eingebaut, weshalb Bauteile im sowieso schon engen Flur standen und ein Arbeiter immer wieder in der Wohnung auftauchte und dann eine Weiße im Bad werkelte bis er merkte, dass er anderes Werkzeug oder andere Teile brauchte. Ab und zu krachte es, ansonsten war Varyas Wohnung ungewöhnlich ruhig; die drei Studenten waren nicht zu Hause, die aktuelle Couchsurferin auch nicht und auch sonst hing keine Freundin von Irgendjemanden mit in der Küche herum. So konnten wir uns ungestört unseren Frauengesprächen widmen, und ich spürte wieder die Seelenverwandtschaft zwischen uns. Und ich wusste nun ganz genau, wie man sich fühlt, wenn man eigentlich gar nichts unternehmen will sondern im Hier und Jetzt glücklich ist mit einer Tasse Tee. Im Nu wurde aus der geplanten Stunde ein ganzer Nachmittag. Halb eins war ich gekommen und nun war es schon fast um fünf. Ich hatte mit Julia nur locker ausgemacht, dass wir uns am Abend für einen Spaziergang treffen würden und versuchte es nun so weit wie möglich herauszuschieben. Ich wusste nicht, ob Zsolt es allein bis zu Julia nach Hause schaffen würde und ob er überhaupt ihre Handynummer hatte, aber er würde sich schon melden, wenn es Probleme gäbe, schob ich den Gedanken davon.
Ein anderer Gedanke kam dafür umso aufdringlicher: Wir hatten zu viel Tee getrunken und mussten langsam aber sicher aufs Klo. Die Arbeit im Bad schien jedoch kein Ende zu nehmen. Varya fragte immer wieder, wie lang es noch dauern würde: Zuerst war es eine halbe Stunde; nach der halben Stunde 20 Minuten, und nach 20 Minuten wieder eine halbe Stunde.
Irgendwann hielten wir es nicht mehr aus und gingen bei den Nachbarn klingeln. Die hatten einen böse bellenden Hund, den sie in einem Zimmer einsperrten, bevor sie öffneten. Varya stellte sich als Nachbarin von der Etage drüber vor und wir wurden hineingelassen. Es war interessant für mich, dass sich selbst in Russland die Nachbarn nicht unbedingt kennen.
Nun konnten wir auch wieder mit dem Teetrinken beginnen. Essen gab es auch reichlich dazu: Bei Ankunft wurde mir gleich der Gemüsereis vom Mittag auf den Teller gestapelt, später hatte Ilya Lust etwas zu essen und Varya kochte Nudeln mit Käse für ihn, aber sie kochte gleich so viel, dass sie mir auch noch etwas davon auftischen konnte.
Anschließend holte sie Eis aus dem Kühlschrank, und natürlich kamen noch die Pfannkuchen und das Brot dazu, das am schnellsten gegessen wurde; wie erwartet freuten sich die Deutschen am meisten darüber. Langsam füllte sich die Wohnung wieder: Alte Bekannte, neue Bekannte. Ihre aktuelle Couchsurferin kam aus Polen, aber normalerWeiße sammelte Varya Deutsche, zumindest erhielt man diesen Eindruck, wenn man sich die Gäste ansah, mit denen sie sich normalerWeiße und gerne umgab.
Sie wollte auch selbst ihr Deutsch verbessern und sich dann an einer renommierten Filmakademie bewerben. Dafür arbeitete sie seit einiger Zeit an einem Animationsfilm zum Thema "selbstgewählte Einsamkeit". Als es in der Küche zu voll wurde, zogen wir uns in ihr Zimmer zurück und sie zeigte mir ihre Arbeit, während Ilya zwischen uns herumkrabbelte er hielt uns offenbar für eine Mischung aus Berg und Höhle. Er war sehr aufgeweckt; ich glaube, er hätte keine Probleme in Deutschland.
Ich fand Varyas Arbeiten sehr beeindruckend, auch weil ich wusste, wie viel Arbeit dahinter steckte. Sie hatte bereits eine Webseite dazu gestaltet um ihr Werk auszustellen: http://tovaria.narod.ru/
Ich erzählte Varya, dass ich jetzt begonnen hatte Gitarre zu spielen und auf der Suche nach einer billigen war, das veranlasste Varya sofort das Internet zu durchforsten nach Second-Hand-Angeboten in Sankt Petersburg und schrieb auch direkt zwei Händler an. Sie meinte, wenn es nicht klappte, müsste ich selbst nach "b/u" suchen, das sei die gebräuchlichste Abkürzung für Second Hand im Russischen.
Nun, bis 18:30 konnte ich mich noch bei Varya zurückziehen, dann wurde ich wirklich erwartet.
Schweren Herzens verabschiedete ich mich von allen und versprach wiederzukommen, wenn ich die Möglichkeit hatte. Nur die deutschen Studenten würde ich wohl nicht wiedersehen, sie gingen nach dem Semester Sankt Petersburg zurück an ihre deutsche Universität. Aber vielleicht klappte es noch in meiner kurzen Zeit hier, dass wir abends zusammen weggingen? Die Handynummern hatten wir schon beim letzten Mal ausgetauscht. Noch ein paar letzte Umarmungen, dann war ich wieder auf dem Weg.
Zsolt hatte Julia offenbar wiedergefunden, und nun warteten sie auf mich an der Moskovskij Metro. Das interpretierte ich als die Metrostation am Moskovskij-Bahnhof. Damit lag ich knapp daneben, aber das wurde mir erst bewusst, als sie auch nach 20 Minuten nicht zum Vereinbarten Treffpunkt kamen. Ich sah mir das Liniennetz der Metro noch mal genau an und fand tatsächlich etwas außerhalb eine Metrostation namens Moskovskaya. Nachdem das Missverständnis aufgeklärt war, machte ich mich auf den Weg dorthin. Ich fand die beiden schließlich bei McDonalds, wo sie gerade fertig zu Abend gegessen hatten. Nun wollte uns Julia etwas ganz Tolles zeigen: Den Leninplatz.
Leninstatuen stehen zwar überall in der Stadt, aber diese stand vor einem Gebäude, das der Öffentlichkeit nicht zugänglich war, und inmitten einer Springbrunnenanlage.
Der Regen wurde schwächer, als wir davor standen, dafür trieb der Wind das Wasser der Fontänen zu uns. Wir schossen einige Fotos und zogen dann Weißer zum Finnischen Bahnhof, wo uns Lenin schon wieder von seinem hohen Sockel aus anschaute. Auch hier befanden sich wieder Springbrunnenanlagen, und der Himmel zog blau auf. Gegen Abend wurde es immer wieder recht schön in Petersburg.
Zsolt wollte unbedingt den Kreuzer Aurora sehen, also spazierten wir am Neva-Ufer entlang bis wir ihn fanden. Das war ein langes Stück Weg, da vor allem niemand von uns so genau wusste, wo das Schiff vor Anker lag. Einige Angler standen am Ufer. Ich fragte mich, ob sie den Fisch selber aßen oder verkauften. Das Wasser der Neva war so verunreinigt, dass sogar das Baden verboten war, deswegen würde ich auf Fisch in einem Petersburger Restaurant lieber verzichten.
Als wir den Kreuzer fanden, bestand Zsolt darauf, dass ich ihn fotografierte, aber er war mit keinem der Fotos zufrieden und probierte immer wieder neue Posen aus. Langsam ging mir Zsolt ganz gewaltig auf die Nerven. Ich wusste, dass er nicht schwimmen konnte es war die ideale Gelegenheit, ihn unauffällig loszuwerden, fantasierte ich. Dann ging er auch noch freiwillig die Treppen hinunter an die von Wasser leicht überspülte Plattform unterhalb der Brücke. Ich holte meine Kamera und meinte, jetzt würde ich ein schönes Foto von ihm machen, er solle nur noch einen Schritt zurücktreten, und noch einen aber da sprang er schon zurück zum Ufer, als ihm eine Welle über die Schuhe rollte. Schade
Die Aurora selbst konnten wir nicht besichtigen, dafür aber besichtigten wir ausgiebig die Souvenirstände davor. Zsolt wollte sich eine Matrosenuniform kaufen, aber schon mit dem Matrosenhut sah er mehr als bescheuert aus. Sonst gab es die gleichen Souvenirs wie überall in Sankt Petersburg: Kühlschrankmagnete mit Sehenswürdigkeiten der Stadt darauf, bedruckte Teetassen und Flachmänner.
Gegen 23 Uhr stand die Sonne schon tief über dem Horizont, aber untergehen wollte sie nicht. Die Häuser entlang des Neva-Ufers waren in ein atmosphärisches gelbes Licht getaucht. Viele Spaziergänger wanderten eine für den Straßenverkehr wegen Bauarbeiten gesperrte Brücke entlang. Schon wieder herrschte eine rechte Endzeitstimmung die Ruhe, das Licht und bleigraue Wasser.
Wir überlegten uns, dass wir eine Nacht draußen verbringen sollten um das Öffnen der Brücken in der Dämmerung zu beobachten es war eines der Wahrzeichen der Stadt, denn die Brücken öffneten sich nur von etwa ein Uhr morgens bis fünf Uhr morgens. Wenn auf den Fotos also der Hintergrund hell war, wusste man, dass es während der Weißen Nächte aufgenommen worden war.
Jedoch war es heute schon zu spät, denn wir waren überhaupt nicht mit Vorräten eingedeckt und hatten auch keine Sitzkissen dabei um die Nacht gemütlich herumzubringen.
Julia meinte, ihr sei es Recht, und morgen wollten wir es angehen.
Nun aber mussten wir zurück zur Metro um noch einen letzten Bus von Prospekt Veteranov zu bekommen. Die Stadt begann jetzt erst richtig zu erwachen, an jeder Ecke stand ein Straßenmusiker, und die Instrumente wurden immer exotischer. Ich hatte Sina versprochen, sie alle zu fotografieren, weil sie selbst wohl keine Möglichkeit haben würde, dieses Jahr als Straßenmusiker in Sankt Petersburg ihr Geld zu verdienen.
Trotz später Stunde stand die Miliz noch Wache, aber sie bewegten sich kaum, nicht mal, wenn ein junger Bursche, der nicht für die Metro zahlen wollte, einfach über das Drehkreuz sprang und dabei einen kurzen Alarm auslöste. Wegen den 50 Cent lohnt sich der Aufwand nicht, dachten sie sich wahrscheinlich.
Zurück zu Hause bei Julia begann sie wieder Berge von Essen aufzutischen. Sie hatte am Nachmittag russische Quarkkeulchen mit undefinierbarem Gemüse eingebackenen zubereitet und setzte sie uns nun vor. Jeder nahm höflich ein Stück und aß es ebenso höflich auf, hatte aber plötzlich danach keinen Hunger mehr. Außerdem hatte ich ein Kernbrot mitgebracht, dazu typisch-deutsche Salami mit großen Fettgrieben, und Pfannkuchen waren auch noch da. Da lebt schön, man wie Gott in Frankreich, in Russland
Es war ein Picknick und Grillfest an der Peter-und-Paul-Festung geplant gewesen, aber das war wörtlich ins Wasser gefallen. Dafür hatte Tanja für uns Zeit gefunden meine liebe Freundin, die mich schon beim letzten Mal so informativ durch Sankt Petersburg begleitet hatte.
Mit Zsolt dauerte es immer ein bisschen länger. Bis er aufgestanden, sich hübsch gemacht und gefrühstückt hatte, war der halbe Vormittag vorbei. Um 10 erwartete uns Tanja an der Gorkovskaya-Metrostation, deshalb trieb ich den schnutenziehenden Zsolt zur Eile an, der sich Weißer in aller Ruhe sein Brot schmierte. Ich merkte schon, dass wir es mit dem direkten, aber langsamen Bus nicht rechtzeitig schaffen würden und schlug vor, stattdessen mit irgendeinem Bus bis zur nächsten Metro zu fahren. Zsolt war eher skeptisch, aber er überließ mir die Führung, da ich erstens Sankt Petersburg besser kannte als er, und zWeißens er ein Landei war.
An der Bushaltestelle zeigte ich ihm meinen Plan auf: Auf Pappen in den Fenstern der Busse und Marschrutkas die Kleinbusse waren die größten Haltestellen auf der Busroute angeschrieben, da es keine Übersichtspläne darüber an den Bushaltestellen gab. An einigen Haltestellen auf den Infopappen stand ein "M" voran, das bedeutete, dass es eine Metrostation war. Die nächste Metro war Prospekt Veteranov. Tatsächlich brauchte der Bus nur 20 Minuten bis dorthin, und wir mussten nicht mal auf einen warten, weil die meisten Busse an dieser Metrostation vorbeifuhren. Und mit der Metro war es eine Frage von wenigen Minuten ins Zentrum zu kommen.
Obwohl wir gerade pünktlich ankamen, wartete Tanja schon auf uns. Die Deutschlernenden nahmen die deutsche Pünktlichkeit noch viel ernster als die Deutschen selbst.
Ich war richtig froh über das Wiedersehen, Tanja auch, wir umarmten uns und gaben uns Küsschen. Sie wollte uns die Peter-und-Paul-Festung zeigen, wo sie am Montag ein Praktikum beginnen würde. Dementsprechend viel wusste sie über die Festung und begann schon auf dem Weg zu erzählen.
Zsolt verstand kein Deutsch, und für ihn hörte sich deutsch wie das Kratzen von Fingernägeln auf einer Tafel an, deshalb war er den ganzen Tag säuerlich. Ich hatte ihn jedoch vorgewarnt, dass ich auch alte Bekannte in Petersburg wiedertreffen wollte und dass wir nicht die ganze Zeit zusammen verbringen würden. Er hatte sich ebenfalls spezielle Bekannte in Petersburg über Internet suchen wollen, mit denen er abends auch in spezielle Bars gehen wollte, aber dann war er zu träge gewesen und hängte sich nun der Einfachheit halber an mich.
Zsolt sammelte Münzen, genau wie ich, und er war jedes Mal wieder erstaunt, wie viele ich einfach so auf dem Boden fand. So hatte ich ein Spiel draus gemacht, ihn auf Münzen aufmerksam zu machen, die auf dem Boden lagen, aber an der Festung lagen ganz besonders viele so viele, dass er sich schon selbst nicht mehr danach bücken wollte, aber das war gar nichts gegen die Geldhaufen im Inneren. Tanja erklärte, eine Münze an einen Ort zu werfen heißt, dass man dahin zurück kommt.
Gerade beim Münzenauflesen sah man ganz genau, wer von den Besuchern Russe war, und wer Ausländer, denn die Russen ließen die Münzen liegen, während besonders japanische Touristen fast die ganze Zeit gebückt liefen.
Als wir zur goldenen Turmspitze der Peter-und-Paul-Kathedrale aufblickten, erzählte uns Tanja eine höchstinteressante Geschichte: Woher die typisch-russische Geste kommt, sich mit Daumen und Zeigefinger seitlich an die Kehle zu schnipsen mit der Bedeutung: "Lass uns Wodka trinken"
In einem Sturm wurde die goldene Figur auf der Spitze schwer beschädigt, und einer, der nicht viel zu verlieren hatte, erklärte sich bereit, dort hochzuklettern und die Figur zu reparieren. Das gelang ihm und er wurde mit einem hübschen Sümmchen Rubel belohnt, und mit einem Becher vom Zaren, der ihn berechtigte, in Russlands Kneipen kostenlos trinken zu dürfen. Nun verlor der Mann im Suff immer wieder den Becher und musste sich einen neuen geben lassen. Irgendwann verlor der Zar jedoch die Geduld und brannte ihm das Zeichen direkt in den Hals ein. Nun musste er nur noch an seinen Hals deuten, wenn er durch die Kneipen zog und trinken wollte. Diese Geste hat sich dann irgendwann eingebürgert, aber kaum noch einer weiß heute noch, warum man diese Geste so macht.
Im Innenhof der Festung fand eine Militärparade statt, denn heute war der "Tag Russlands". Es war ein neuerer Feiertag, der noch nicht so recht akzeptiert war. Nach der Neuordnung der politischen Verhältnisse aufgekommen, hieß er zunächst "Unabhängigkeitstag", aber da fragte sich die meisten Russen: "Wovon denn unabhängig?". Dann wurde er in den "Tag Russlands" umbenannt und mit allerhand Patriotismus angefüllt. Aber so richtig mochte man den Tag auch noch nicht, deshalb wurde der "Feiertag der Stadt" mit ihm zusammengelegt, denn der wurde von den Bewohnern jeder Stadt gern gefeiert.
Einige Schaulustige standen um die Absperrungen, in denen die Parade stattfand, und auf den Bänken im Innenhof um über die Köpfe der anderen hinwegsehen zu können. Eine Gruppe Soldaten verband das Marschieren mit russischen Folkloretänzen, und die Zuschauer bewarfen sie mit Münzen. Der ganze Boden glänzte schon in Silber und die Soldaten, die gerade nicht mit Marschieren beschäftigt waren, lasen sie auf.
Das Innere der Kathedrale war prachtvoll. Sie war mittlerWeiße ein Museum, sodass Eintritt verlangt werden konnte. Mit unseren russischen StudentenausWeißen wären wir jedoch billiger hinein gekommen, wenn heute nicht der Tag Russlands gewesen wäre deshalb kamen wir sogar kostenlos hinein. Wir erhielten eine Eintrittskarte, die für sämtliche Sehenswürdigkeiten galt. Erst als wir uns alles anschauen wollten, stellten wir fest, dass die meisten geschlossen waren. Nicht aus Gründen der Renovierung, sondern aus Prinzip. Ein Wachtmann schloss vor unserer Nase die Tür, obwohl es noch früh am Nachmittag war und meinte dazu schlicht, es sei jetzt eben geschlossen.
Dennoch gab es genug anderes Interessantes zu sehen. Es war schließlich die Festung, aus der heraus Sankt Petersburg überhaupt erst entstanden war. Hier lagen die Zaren begraben, und mittlerWeiße sogar die letzte Zarenfamilie, die in Jekaterinburg ermordet und begraben worden war, deren sterbliche Überreste aber vor nicht allzu langer Zeit nach Sankt Petersburg überführt worden waren um nun hier begraben zu werden.
Hier befand sich auch das Gefängnis der Stadt, in der erst die Adligen die Revolutionäre einsperrten, und nach der Revolution die Revolutionäre die Adligen.
Auch in Museen kann man sich amüsieren, so fand Tanja es überaus komisch, im Gefängnis die Aufschrift für Besucher zu sehen: "Kein Ausgang", und Zsolt wollte unbedingt auf einem der spartanischen Metallbetten fotografiert werden. Es war sehr dunkel, und wenn ein Gefangener besonders aufmüpfig war, kam er in eine spezielle Zelle, in die gar kein Licht fiel. Tanja erzählte, er gäbe einen Gefängnisgarten, in dem die Gefangenen ein wenig an die frische Luft gehen durften, aber dorthin ist praktisch nie jemand gegangen, weil es so schrecklich deprimierend war, wieder in das kalte, dunkle Gemäuer zurück zu müssen. Wachsfiguren verdeutlichten die Geschichte.
Ich war ganz froh, wieder draußen zu sein. Am Ausgang scharrten sich dutzende von Touristen um die sitzende Statue von Zar Peter dem Ersten. Er war auch für die heutige Zeit ein Riese gewesen, hatte jedoch einen verhältnismäßig kleinen Kopf, meinte Tanja, was man normalerWeiße nicht so abgebildet hatte, deshalb hatte diese Darstellung für eine hitzige Diskussion unter den Petersburgern gesorgt. Trotz seiner Gestalt war er ein ziemlicher Frauenheld gewesen und soll über hundert uneheliche Kinder gezeugt haben. Seine Fruchtbarkeit soll sich sogar noch in dieser Statue niederschlagen, weshalb jede Frau, die sich auf seinen Schoß setzt, angeblich bald darauf schwanger wird.
Wir spazierten mit Tanja Weißer durch die Stadt. Ich hatte mittlerWeiße regelrechte Entzugserscheinungen vom Gitarrenspielen und sah mich vergebens nach einem Musikgeschäft um. Hätte ich jetzt eine preiswerte gefunden, ich hätte sie gekauft.
Stattdessen kehrten wir in ein kleines Café ein und gönnten uns alle ein Stück Kuchen. Ich hätte lieber etwas Herzhaftes gegessen, aber die Erfahrung zeigte, dass man es sich in der Petersburger Innenstadt als armer Student nicht leisten konnte. Dann war es auch schon Zeit, sich mit den anderen Couchsurfern zu treffen: Es ging in das Restaurationsarchiv der Eremitage.
Am Treffpunkt sammelte sich nur eine kleine Gruppe zusammen, die sich unter Leitung von Sergey aufmachte das zu sehen, was selten ein Tourist sah. Kein Wunder, das Archiv befand sich in einem abgelegenen Industrieviertel, das nur aus Plattenbauten zu bestehen schien. Weit und breit keine Menschenseele Ich vermutete schon, dass sie uns hierher gelockt hatten um uns nun unsere Organe zu entnehmen, aber da kamen wir schon an ein Gebäude mit einer Glaspyramide über dem Eingangsbereich.
In einem schlichten Empfangsbereich mit Bänken vor der Garderobe warteten wir, ob doch noch ein paar Weißere Besucher kamen, denn sonst wäre die Führung recht teuer geworden, und ohne Führung durfte man nicht hinein. Ich hatte Tanja jene Origamifigur geschenkt, die ich bei unserem letzten Treffen nicht ganz hatte fertigstellen können, und nun wollte sie unbedingt wissen, wie man die selbst falten konnte. Sie hatte den Dreh schon ganz gut raus, als beschlossen wurde, dass wir nun doch mit den paar Leuten, die wir waren, hineingingen.
Die Archivangestellte öffnete schwere Türen vor uns und achtete streng darauf, dass wir alle zusammenblieben und nicht etwa einer in einem luftdichten Raum eingesperrt blieb bis die nächste Gruppe irgendwann einmal vorbeikam.
Man bekam hier schöne Einblicke, wie die Sammlerstücke aussahen, bevor sie restauriert und ausgestellt wurden, aber das war auch schon alles Interessante. Wir liefen stundenlang von Raum zu Raum, während die Angestellte monoton über die Ausstellungsstücke referierte und ich mit Tanja um die Wette faltete. Zsolt langweilte sich auch, geriet aber in Verzückung, als wir in das Lager mit den kostbaren alten Möbeln kamen. Er hatte selbst Antiquariaten-Händler werden wollen, aber sein Vater hatte es nicht zugelassen, und so hatte Zsolt schließlich Wirtschaft studiert. Genau wie Gergö erfüllte er das Klischee, dass man Wirtschaft studiert, wenn man nicht weiß, was man studieren soll.
Mit der Zeit wurde mir in dem Archiv so langweilig, dass ich begann, Alberts wissenschaftliche Arbeiten zu lesen. Ich atmete regelrecht auf, als wir nach dem großen Kutschen-Lagerraum am Ende angelangt waren. Tanja obwohl kunstinteressiert hatte den Ausflug auch für einen Schuss in den Ofen gehalten und verabschiedete sich nun von uns; sie musste sich auf ihren Praktikumsbeginn morgen vorbereiten. Auch der Rest der Couchsurfergruppe löste sich am Ausgang auf. Es hätte zwar noch eine Party am Abend gegeben, aber erst in einigen Stunden, und man würde sich eventuell wiedertreffen, versprach man sich halbherzig.
Tanja bestand darauf, uns noch bis zur Moskovskij Vokzal-Metrostation im Zentrum zu bringen, von dort aus wollten Zsolt und ich einen Stadtspaziergang machen. Praktisch hieß das, er wollte Schuhe und Klamotten kaufen gehen, obwohl er genau wusste, dass er es sich nicht leisten konnte. Er hatte ein Stipendium von weniger als zweihundert Euro für drei Monate erhalten, und würde den Rest erst bekommen, wenn er zurück nach Ungarn kam und seinen Bericht über das Studium und seine Forschungsergebnisse abgegeben hatte. DummerWeiße hatte er weder ein Forschungsthema, noch Vorlesungen an der Uni, noch nennenswert Russischunterricht. Er überlegte sich, etwas zur Geschichte der Kraftfahrzeugproduktion in Izhevsk zu schreiben bald.
Nun, trotzdem ging er in einen schicken Kleidungsladen mit internationalem Namen und sah sich verzückt um nur um nach den Preisen zu schauen, behauptete er. Ich ließ mich auf einem Hocker nieder und las Weißer an Alberts Forschungsberichten. So müssen sich die Männer fühlen, wenn sie von ihren Frauen zum Shoppen mitgenommen werden.
Irgendwann hatte sich Zsolt genug ausgetobt und wir beschlossen, einen Happen essen zu gehen, weshalb wir so weit wie möglich die Innenstadt verließen. Auf dem Weg fand sich tatsächlich ein typisch-russisches Café, in dem man auch am späten Nachmittag noch Mittagessen bekam. Und das sogar recht gut: Kartoffelbrei und Schnitzel, russische Pizza, die eher wie ein Tortenförmchen aussah, und gedünstetes Grünes, das als Gemüse verkauft wurde. Dafür waren die Preise human.
Wir kehrten auch bald darauf zu Julia zurück, die schon wieder fürstlich für uns aufgetischt hatte, sodass die kleine Glasplatte des Tisches unter der Last beinahe brach. Mit einer Flasche Wein setzten wir uns vor den Fernseher, unterhielten uns über google translate, aßen wie vom kalten Buffet und zeigten uns gegenseitig Videoclips bei youtube.
Irgendwann kamen wir auf die blöde Idee, Karaoke zu singen. Zsolt war sofort Feuer und Flamme und sang ein ungarisches Nationallied nach dem anderen, sehr schief und sehr eifrig. Wenn das Lied fertig durchgesungen war, schaute er uns mit Rehaugen an und bat, dass er das nächste Lied noch singen dürfte, das er schon in der Vorschau sah. Die einzige Möglichkeit, ihn davon abzuhalten war, Julia zu bitten, doch mal ein russisches Lied zu singen. Das tat sie auch mit Begeisterung, aber irgendwann hörten wir dann doch auf, allein schon um zu vermeiden, dass sich die Nachbarn beschweren kamen.
13.06.
An diesem Morgen hatten wir uns eigentlich vorgenommen, in die eigentliche Eremitage zu gehen eine der bedeutendsten und größten Kunstsammlungen der Welt. Beim letzten Mal in Petersburg war ich auch schon dort gewesen, hatte aber bestimmt nicht alles gesehen, denn es war ein riesiger Gebäudekomplex, mehr wie ein Labyrinth als ein Museum. Aber Zsolt trödelte an diesem Morgen wieder erstaunlich lange herum, sodass bei unserer Ankunft an der Eremitage die Schlange von Besuchswilligen schon bis weit in den Hof hinein stand. Es war keine gute Idee, an einem verregneten Sonntag im Sommer in die Eremitage gehen zu wollen. Zsolt hatte auch keine Lust stundenlang zu warten und redete sich ein, die Bilder im Internet sowieso anschauen zu können.
So war zumindest mein Vormittag gerettet, denn ich hatte Varya, meiner letzten Gastgeberin, versprochen, sie nach der Eremitage zu besuchen.
Ich meinte zu Zsolt, er könne sich in der Zwischenzeit ein anderes Museum ansehen, wie das russische Museum in der Innenstadt oder gleich die Innenstadt. Doch er blieb an mir kleben. Er konnte einem schon ziemlich auf die Nerven fallen.
Auf der Vasilij-Insel, wo Varya wohnte, wurde ich ihn endlich los, als ich einen schönen großen Buchladen für ihn fand. Ein bisschen fühlte ich mich schon als würde ich einen Hund aussetzen, aber ich hatte auch mal ein Anrecht auf meine Ruhe. Ich sagte ihm, ich würde mich melden
Kurz vor Varyas Haus unternahm ich einen kleinen Abstecher in den Supermarkt, bei dem es deutsche Pfannkuchen gab, und dann noch zum Brothändler, der das leckere deutsche "Kernbrot" verkaufte, das jeder in Varyas Wohngemeinschaft so gern aß kein Wunder, es waren drei deutsche Studenten.
Ich bekam die letzten zwei Brote und ging stolz mit meiner Beute zu Varya.
Am Fenster rief Varyas kleiner Sohn Ilya schon: Es ist Manja!
Hier bei Varya fühlte ich mich endlich wieder wie unter Freunden, ein Stück Zuhause, wenn man so will. Bei ihr wurde ich begrüßt wie ein alter Freund, nahm an dem kleinen Küchentisch Platz als wäre ich nie weg gewesen und begann das Gespräch als hätten wir es nur kurz unterbrochen. Ilya wirbelte um uns herum wie er es immer tat, nur eins hatte sich verändert: Eine neue Dusche wurde ins Bad eingebaut, weshalb Bauteile im sowieso schon engen Flur standen und ein Arbeiter immer wieder in der Wohnung auftauchte und dann eine Weiße im Bad werkelte bis er merkte, dass er anderes Werkzeug oder andere Teile brauchte. Ab und zu krachte es, ansonsten war Varyas Wohnung ungewöhnlich ruhig; die drei Studenten waren nicht zu Hause, die aktuelle Couchsurferin auch nicht und auch sonst hing keine Freundin von Irgendjemanden mit in der Küche herum. So konnten wir uns ungestört unseren Frauengesprächen widmen, und ich spürte wieder die Seelenverwandtschaft zwischen uns. Und ich wusste nun ganz genau, wie man sich fühlt, wenn man eigentlich gar nichts unternehmen will sondern im Hier und Jetzt glücklich ist mit einer Tasse Tee. Im Nu wurde aus der geplanten Stunde ein ganzer Nachmittag. Halb eins war ich gekommen und nun war es schon fast um fünf. Ich hatte mit Julia nur locker ausgemacht, dass wir uns am Abend für einen Spaziergang treffen würden und versuchte es nun so weit wie möglich herauszuschieben. Ich wusste nicht, ob Zsolt es allein bis zu Julia nach Hause schaffen würde und ob er überhaupt ihre Handynummer hatte, aber er würde sich schon melden, wenn es Probleme gäbe, schob ich den Gedanken davon.
Ein anderer Gedanke kam dafür umso aufdringlicher: Wir hatten zu viel Tee getrunken und mussten langsam aber sicher aufs Klo. Die Arbeit im Bad schien jedoch kein Ende zu nehmen. Varya fragte immer wieder, wie lang es noch dauern würde: Zuerst war es eine halbe Stunde; nach der halben Stunde 20 Minuten, und nach 20 Minuten wieder eine halbe Stunde.
Irgendwann hielten wir es nicht mehr aus und gingen bei den Nachbarn klingeln. Die hatten einen böse bellenden Hund, den sie in einem Zimmer einsperrten, bevor sie öffneten. Varya stellte sich als Nachbarin von der Etage drüber vor und wir wurden hineingelassen. Es war interessant für mich, dass sich selbst in Russland die Nachbarn nicht unbedingt kennen.
Nun konnten wir auch wieder mit dem Teetrinken beginnen. Essen gab es auch reichlich dazu: Bei Ankunft wurde mir gleich der Gemüsereis vom Mittag auf den Teller gestapelt, später hatte Ilya Lust etwas zu essen und Varya kochte Nudeln mit Käse für ihn, aber sie kochte gleich so viel, dass sie mir auch noch etwas davon auftischen konnte.
Anschließend holte sie Eis aus dem Kühlschrank, und natürlich kamen noch die Pfannkuchen und das Brot dazu, das am schnellsten gegessen wurde; wie erwartet freuten sich die Deutschen am meisten darüber. Langsam füllte sich die Wohnung wieder: Alte Bekannte, neue Bekannte. Ihre aktuelle Couchsurferin kam aus Polen, aber normalerWeiße sammelte Varya Deutsche, zumindest erhielt man diesen Eindruck, wenn man sich die Gäste ansah, mit denen sie sich normalerWeiße und gerne umgab.
Sie wollte auch selbst ihr Deutsch verbessern und sich dann an einer renommierten Filmakademie bewerben. Dafür arbeitete sie seit einiger Zeit an einem Animationsfilm zum Thema "selbstgewählte Einsamkeit". Als es in der Küche zu voll wurde, zogen wir uns in ihr Zimmer zurück und sie zeigte mir ihre Arbeit, während Ilya zwischen uns herumkrabbelte er hielt uns offenbar für eine Mischung aus Berg und Höhle. Er war sehr aufgeweckt; ich glaube, er hätte keine Probleme in Deutschland.
Ich fand Varyas Arbeiten sehr beeindruckend, auch weil ich wusste, wie viel Arbeit dahinter steckte. Sie hatte bereits eine Webseite dazu gestaltet um ihr Werk auszustellen: http://tovaria.narod.ru/
Ich erzählte Varya, dass ich jetzt begonnen hatte Gitarre zu spielen und auf der Suche nach einer billigen war, das veranlasste Varya sofort das Internet zu durchforsten nach Second-Hand-Angeboten in Sankt Petersburg und schrieb auch direkt zwei Händler an. Sie meinte, wenn es nicht klappte, müsste ich selbst nach "b/u" suchen, das sei die gebräuchlichste Abkürzung für Second Hand im Russischen.
Nun, bis 18:30 konnte ich mich noch bei Varya zurückziehen, dann wurde ich wirklich erwartet.
Schweren Herzens verabschiedete ich mich von allen und versprach wiederzukommen, wenn ich die Möglichkeit hatte. Nur die deutschen Studenten würde ich wohl nicht wiedersehen, sie gingen nach dem Semester Sankt Petersburg zurück an ihre deutsche Universität. Aber vielleicht klappte es noch in meiner kurzen Zeit hier, dass wir abends zusammen weggingen? Die Handynummern hatten wir schon beim letzten Mal ausgetauscht. Noch ein paar letzte Umarmungen, dann war ich wieder auf dem Weg.
Zsolt hatte Julia offenbar wiedergefunden, und nun warteten sie auf mich an der Moskovskij Metro. Das interpretierte ich als die Metrostation am Moskovskij-Bahnhof. Damit lag ich knapp daneben, aber das wurde mir erst bewusst, als sie auch nach 20 Minuten nicht zum Vereinbarten Treffpunkt kamen. Ich sah mir das Liniennetz der Metro noch mal genau an und fand tatsächlich etwas außerhalb eine Metrostation namens Moskovskaya. Nachdem das Missverständnis aufgeklärt war, machte ich mich auf den Weg dorthin. Ich fand die beiden schließlich bei McDonalds, wo sie gerade fertig zu Abend gegessen hatten. Nun wollte uns Julia etwas ganz Tolles zeigen: Den Leninplatz.
Leninstatuen stehen zwar überall in der Stadt, aber diese stand vor einem Gebäude, das der Öffentlichkeit nicht zugänglich war, und inmitten einer Springbrunnenanlage.
Der Regen wurde schwächer, als wir davor standen, dafür trieb der Wind das Wasser der Fontänen zu uns. Wir schossen einige Fotos und zogen dann Weißer zum Finnischen Bahnhof, wo uns Lenin schon wieder von seinem hohen Sockel aus anschaute. Auch hier befanden sich wieder Springbrunnenanlagen, und der Himmel zog blau auf. Gegen Abend wurde es immer wieder recht schön in Petersburg.
Zsolt wollte unbedingt den Kreuzer Aurora sehen, also spazierten wir am Neva-Ufer entlang bis wir ihn fanden. Das war ein langes Stück Weg, da vor allem niemand von uns so genau wusste, wo das Schiff vor Anker lag. Einige Angler standen am Ufer. Ich fragte mich, ob sie den Fisch selber aßen oder verkauften. Das Wasser der Neva war so verunreinigt, dass sogar das Baden verboten war, deswegen würde ich auf Fisch in einem Petersburger Restaurant lieber verzichten.
Als wir den Kreuzer fanden, bestand Zsolt darauf, dass ich ihn fotografierte, aber er war mit keinem der Fotos zufrieden und probierte immer wieder neue Posen aus. Langsam ging mir Zsolt ganz gewaltig auf die Nerven. Ich wusste, dass er nicht schwimmen konnte es war die ideale Gelegenheit, ihn unauffällig loszuwerden, fantasierte ich. Dann ging er auch noch freiwillig die Treppen hinunter an die von Wasser leicht überspülte Plattform unterhalb der Brücke. Ich holte meine Kamera und meinte, jetzt würde ich ein schönes Foto von ihm machen, er solle nur noch einen Schritt zurücktreten, und noch einen aber da sprang er schon zurück zum Ufer, als ihm eine Welle über die Schuhe rollte. Schade
Die Aurora selbst konnten wir nicht besichtigen, dafür aber besichtigten wir ausgiebig die Souvenirstände davor. Zsolt wollte sich eine Matrosenuniform kaufen, aber schon mit dem Matrosenhut sah er mehr als bescheuert aus. Sonst gab es die gleichen Souvenirs wie überall in Sankt Petersburg: Kühlschrankmagnete mit Sehenswürdigkeiten der Stadt darauf, bedruckte Teetassen und Flachmänner.
Gegen 23 Uhr stand die Sonne schon tief über dem Horizont, aber untergehen wollte sie nicht. Die Häuser entlang des Neva-Ufers waren in ein atmosphärisches gelbes Licht getaucht. Viele Spaziergänger wanderten eine für den Straßenverkehr wegen Bauarbeiten gesperrte Brücke entlang. Schon wieder herrschte eine rechte Endzeitstimmung die Ruhe, das Licht und bleigraue Wasser.
Wir überlegten uns, dass wir eine Nacht draußen verbringen sollten um das Öffnen der Brücken in der Dämmerung zu beobachten es war eines der Wahrzeichen der Stadt, denn die Brücken öffneten sich nur von etwa ein Uhr morgens bis fünf Uhr morgens. Wenn auf den Fotos also der Hintergrund hell war, wusste man, dass es während der Weißen Nächte aufgenommen worden war.
Jedoch war es heute schon zu spät, denn wir waren überhaupt nicht mit Vorräten eingedeckt und hatten auch keine Sitzkissen dabei um die Nacht gemütlich herumzubringen.
Julia meinte, ihr sei es Recht, und morgen wollten wir es angehen.
Nun aber mussten wir zurück zur Metro um noch einen letzten Bus von Prospekt Veteranov zu bekommen. Die Stadt begann jetzt erst richtig zu erwachen, an jeder Ecke stand ein Straßenmusiker, und die Instrumente wurden immer exotischer. Ich hatte Sina versprochen, sie alle zu fotografieren, weil sie selbst wohl keine Möglichkeit haben würde, dieses Jahr als Straßenmusiker in Sankt Petersburg ihr Geld zu verdienen.
Trotz später Stunde stand die Miliz noch Wache, aber sie bewegten sich kaum, nicht mal, wenn ein junger Bursche, der nicht für die Metro zahlen wollte, einfach über das Drehkreuz sprang und dabei einen kurzen Alarm auslöste. Wegen den 50 Cent lohnt sich der Aufwand nicht, dachten sie sich wahrscheinlich.
Zurück zu Hause bei Julia begann sie wieder Berge von Essen aufzutischen. Sie hatte am Nachmittag russische Quarkkeulchen mit undefinierbarem Gemüse eingebackenen zubereitet und setzte sie uns nun vor. Jeder nahm höflich ein Stück und aß es ebenso höflich auf, hatte aber plötzlich danach keinen Hunger mehr. Außerdem hatte ich ein Kernbrot mitgebracht, dazu typisch-deutsche Salami mit großen Fettgrieben, und Pfannkuchen waren auch noch da. Da lebt schön, man wie Gott in Frankreich, in Russland










"Zsolt war eher skeptisch, aber er überließ mir die Führung, da ich erstens Sankt Petersburg besser kannte als er, und zWeißens er ein Landei war." <- Na das kam aber schon in "Weiße Nächte Teil 1" so vor :D
AntwortenLöschen Ich dachte schon das seien alles Glücksmünzen ^^
Aber ist es nicht sinnlos, einen Feiertag mit einem anderen Feiertag zusammenzulegen, zumal einer davon grundlos da ist
Und, haste dich auch auf den Schoß der Statue gesetzt?
Öhm, und hast du auch Karaoke gesungen oder hat Zsolt dass die ganze Zeit gemacht und Julia nur mal ein-zwei Lieder?
Du hältst Frauengespräche, seit wann das? ^^
Der arme Zsolt, einfach ausgesetzt und vergessen
Du bist ja komisch: "Nur die deutschen Studenten würde ich wohl nicht wiedersehen, sie gingen nach dem Semester Sankt Petersburg zurück an ihre deutsche Universität." Auch du kommst aus Dtl. und die Wege hier wären kürzer als in RU ;)
"Moskovskaya" das ist keine Metrostation, das ist eine Wodkamarke ^^
Dann lösch es doch raus :-p
AntwortenLöschenManche vielleicht)
Das ist Russland; dem Land kannst du nicht mit Logik begegnen, sonst zieht die arme Logik den Schwanz ein und rennt winzelnd davon.
Nah, zu viel Andrang)
Ich nicht, aber sonst war es so, wie du es beschrieben hast.
Hallo?! Ich bin eine Frau XD
Du hättest nicht so viel Mitleid mit ihm, wenn du ihn kennen würdest))) Ja, aber wer will schon Deutsche in Deutschland treffen? Ich mein, gibt es dafür irgendeinen Grund?
Der Säufer kennt sich aus))