14.06.
An diesem Morgen verschliefen wir. Es war Montag, aber heute hatte Julia Zeit für uns: Sie wollte uns die die Festung Kronstadt zeigen. Die wurde tatsächlich so deutsch geschrieben, selbst auf Russisch Кронштадт denn die russischen Zaren waren glühende Deutschlandfans und holten sich teilWeiße sogar ihre Frauen aus den deutschen Adelshäusern.
Zunächst nahmen wir den Zug bis Oranienbaum, denn von dort fuhr eine Fähre zur Insel Kotlin, auf der sich die Festung befand. Als Tourist ohne russische Sprachkenntnisse den Fährhafen zu suchen, ist nicht zu empfehlen, denn wir mussten erst eine ganze Weiße durch eine heruntergekommene, dorfähnliche Siedlung laufen bis wir ans Wasser kamen, und von dort aus immer noch ein Stück den Hafen entlang bis wir an der Fähre kamen.
Julia kaufte uns die Tickets und wir gingen zwischen parkenden und fahrenden Autos an Bord. Es überraschte mich, dass doch so viele Leute auf die Insel wollten, die Fähre war halb gefüllt an diesem trüben und kühlen Montag.
Auf der Insel kam noch der kalte und Seewind dazu, der einen bis in die Knochen fuhr.
Die Fähre fuhr alle drei Stunden zurück. Julia zeigte ihre ausgedruckte Inselkarte einem freundlichen Mann und fragte nach dem Weg. Er begleitete uns sogar noch ein Stück und erklärte die Sehenswürdigkeiten auf dem Weg: Den Kanal, die Hochwassermarke, die Boje dann wurde es ihm wahrscheinlich auch langweilig und er verabschiedete sich. Als er feststellte, dass ich auf Deutschland kam, war er ganz begeistert und probierte in seinem Schuldeutsch mit mir zu sprechen. Jeder meint, mir damit eine Freude zu machen. Ich lächelte höflich und nickte.
Wir waren an dem Wunschbaum der Insel angekommen: Ein hoher Baum aus Metall, an dem drei große metallene Eulen angebracht waren. Sie hingen nicht umsonst wie Körbchen daran, denn ihr Sinn war, Geld aufzufangen, das die Leute von unten hineinzuwerfen versuchten um einen freien Wunsch zu erhalten. In eine der Eulen war "Gesundheit" eingraviert, in die nächste "Liebe" und in die dritte "Erfolg". Liebe und Erfolg gelangen mir zu treffen, aber in die Gesundheit wollte selbst nach 10 Minuten keine Münze hineinfallen. Drei kleine Jungs taten es uns gleich und warfen ihr Geld nach oben. Wahrscheinlich wohnten sie hier und hatten keine andere Beschäftigung. Zumindest blieb man so fit, wenn man dem wieder heruntergefallenen Geld hinterher hechtete oder wenn einem der Wurf gelang, musste man anschließend einige Runden um den Baum rennen und ihm anschließend den Wunsch in das metallene Ohr flüstern.
Auf unserem Weißeren Spaziergang um die Insel sahen wir die schönste Kirche verhangen, das übliche ewige Feuer, ein paar Kanonen und einen ganzen Haufen Statuen. Aber auch Künstler hatten sich auf der Insel ausgetobt ob es nun Landschaftsgraffiti an einer besonders hässlichen Wand mit Stacheldraht war, oder ein durchgeknallter Müllsammler, der Autoreifen zu Tierfiguren schnitt oder bunten Müll an eine Wand klebte, sodass von der Ferne betrachtet ein Portrait entstand. Er hatte ebenfalls ein geflügeltes trojanisches Pferd gebaut und einen Roboter in einen Käfig gesperrt.
Die Insel besaß auch einen Badestrand, nur weit und breit keine Urlauber. Nur zwei wagemutige Jungs standen in Badehose am Ufer und betrachteten das aufgewühlte Ostseewasser. Einer hielt den Fuß hinein und überlegte es noch einmal.
Ab und an machten wir eine Rast; Julia hatte Unmengen von Proviant eingepackt und versorgte uns wie eine Mutter, schnitt uns das Gemüse und schmierte und das Brot. Trotzdem konnten wir nicht widerstehen, zurück am Fährhafen eine frisch gegrillte Wiener zu essen. Eigentlich hatten wir uns nur heißen Tee zum Aufwärmen kaufen wollen, aber sie rochen so verführerisch. Richtige deutsche Würste in Semmel und mit Ketchup bekam man in Russland eben nur in Sankt Petersburg.
Wir waren früh genug zurück gekommen, dass noch Zeit hatte, den Petersburger Ikea zu finden, denn ich hatte Sina versprochen, dass ich ihr schwedische Schokolade von dort mitbringen würde. In Izhevsk gab es keinen Ikea wir hatten ja noch nicht mal einen McDonalds.
Der Weg zum Ikea war ein kleines Abendteuer. Julia beschrieb mir zwar den Weg, und dass ich von der Metrostation Prospekt Bolschewikow einen kostenlosen Bus zum Ikea nehmen konnte. Den sah ich weit und breit jedoch nicht und stieg schließlich mit einem Bein in einen Bus, auf dem zumindest das Wort "kostenlos" stand, aber das war er nicht, wurde mir sogar halb auf Englisch von einer alten Frau erklärt, als sie bemerkte, dass mein Russisch eher holprig war. Ich sollte eine Metrostation Weißerfahren und dort wäre der Bus, und er sei sogar gelb, und Ikea stehe darauf. So fuhr ich also zur Ulitsa Dybenko. Der gesuchte Bus hielt dann auch direkt vor mir und viele Leute stiegen aus. Aber der Fahrer ließ mich nicht einsteigen, sondern wies mich darauf hin, dass er gleich an der anderen Straßenseite halten würde; das sei der offizielle Einstieg. Auf der anderen Straßenseite fand ich ihn dann auch, aber er meinte, er würde hier nur parken und Pause haben; der offizielle Einstieg sei noch mal 200 Meter von hier. Ich bedankte mich schon leicht frustriert und fand schließlich die Haltestelle. Allerdings erst, als der Bus schon an mir vorbeigefahren war. Doch der nächste Bus kam bald. Es war sehr viel Andrang, und jeder Bus war brechend voll, sodass sogar die Stehplätze hart umkämpft waren.
Doch ich schaffte es zum Ikea, kaufte drei Sorten Schokolade und für mich gleich zwei schwedische Würstchen, die den deutschen recht ähnlich sahen, denn heute war ich wieder auf den Geschmack gekommen. Hier fühlte ich mich wieder lebendig, der Ikea Food Shop war herrlich europäisch! Viele der Speisen kannte ich selbst noch aus Schweden und bekam richtig Heimweh nein, das ist das falsche Wort. Nennen wir es Europaweh. Noch schöner war, von den Verkäufern in fließendem Englisch angesprochen zu werden, als sie bei meiner Bestellung "2 xot doga i coke?" merkten, dass ich wohl keine Russin war. Sofort fragte die junge Frau: "Wo kommst du her?" So plauderten wir kurz soweit es die Kundenlage zuließ. Am Ende dankte ich ihr für das Gespräch, denn das hatte meinen kleinen Europaurlaub noch echter gemacht. Nun wusste ich, wohin ich gehen musste, wenn mich Russland einmal mehr überwältigte in den nächsten Ikea, die europäische Oase.
Es ist kaum verwunderlich, dass ich nicht sofort wieder gehen wollte, also schlenderte ich noch ein wenig durch die Ikea und fand Dosenöffner. Nach nur wenigen Monaten hatte ich also den lang gesuchten europäischen Dosenöffner gefunden und kaufte ihn trotzdem nicht, weil ich festgestellt hatte, dass ich höchstens einmal im Monat überhaupt eine Dose öffnete.
Als nächstes schob ich schwungvoll einen Einkaufswagen durch die riesigen Hallen eines Gypermarktes der große Bruder eines Supermarktes, und wurde dann erst durch eine SMS von Zsolt aufmerksam, dass es Zeit war, zurückzukehren, denn wir wollten noch die Weißen Nächte draußen miterleben. Ich gab ihm bescheid, dass ich unterwegs sei, aber dass sie mit dem Einkaufen nicht auf mich warten sollten, dann packte ich noch ein paar Snacks in meinen Korb, stand ewig an der Kasse an und hastete zum überfüllten Bus. Es war nun schon nach 22 Uhr.
Die Metro hingegen war fast leer, weil diese Linie hier begann. Mir gegenüber saß ein junger Mann, der offenbar gerade von seiner Datscha kam und einen riesigen Strauß Flieder dabei hatte. Er reichte mir einen Zweig und ich bedankte mich verlegen. Beim Aussteigen verloren wir uns aus den Augen, aber der betörende Duft des Flieders blieb noch lange hängen und hob meine Laune Weißer an.
Im Bus von Prospekt Veteranov saß ich neben einem jungen Mann, der die englischsprachige Zeitung Petersburg Times las. Weil mir gerade danach war, sprach ich ihn an; er war aus Kasachstan, ein Student, und versuchte im Moment sein Englisch zu verbessern. Aber bald stieg er wie alle anderen aus, und es blieb nur noch ich übrig. An der Endhaltestelle kam mir schon Zsolt entgegen; es war spät geworden, wir mussten uns beeilen um den letzten Bus zu erwischen. Er und Julia hatten schon alles dabei, nun musste nur noch der letzte Bus kommen.
Eine ganze Reihe von Bussen fuhr an uns vorbei oder bog vorher ab, aber sie fuhren alle nicht ins Zentrum oder zu einer Metrostation. Eine Straßenbahn schrammte die Schienen entlang; eines ihrer Räder schlug Funken. Manchmal machten mir die nicht vorhandenen Sicherheitsstandards in Russland Angst.
Plötzlich hellte sich Julias Gesicht auf: Das war unser Bus.
Doch er fuhr nicht ganz bis ins Zentrum, wir waren sogar noch ein ganzes Stück davon entfernt, als der Fahrer meinte, das sei die Endhaltestelle. Zum Laufen war es zu weit, doch zurück kamen wir jetzt auch nicht mehr. Ich schlug vor, per Anhalter zu fahren, denn das klappte in Russland in den Innenstädten leichter als in Deutschland, da es immer ein paar Fahrer gab, die sich als Aushilfstaxifahrer etwas Geld hinzuverdienen wollten.
Julia stimmte zu, aber erst mussten wir an einen günstigeren Ort laufen.
Schließlich standen wir an einer leeren breiten Straße, auf der im Minutentakt Autos vorbeifuhren. Doch schon nach wenigen Minuten hielt ein Auto an von der Gegenseite. Für 300 Rubel würden sie uns ins Zentrum bringen. Das waren etwa 8 Euro und damit noch unter der Hälfte von dem, was man für ein echtes Taxi in Petersburg blechen müsste.
Sie fuhren eine ganze Weiße durch die Stadt, und ich glaube auch im Kreis, aber sie setzten uns direkt vor der Eremitage ab. Rein zeitlich gesehen hätten die Brücken schon längst hochgezogen sein müssen, aber als wir ankamen, hatten wir noch genug Zeit, uns in den erwartungsvollen Menschenmassen ein schönes Plätzchen zu suchen, an dem wir das Hochziehen der Brücke beobachten konnte. Die Eremitage hinter uns war hell erleuchtet, genau wie die anderen historischen Gebäude am gegenüberliegenden Neva-Ufer und die Brücken, die uns mit der Vasilij-Insel verbanden.
Ich hatte Insa, Varyas Mitbewohnerin per SMS gefragt, ob heute Nacht etwas gefeiert wurde, aber sie meinte, heute würden sie einen ruhigen Abend auf ihrer Insel machen. Nachdem die Brücken hochgezogen waren, kamen sie sowieso nicht mehr von der Insel herunter, und wenn sie in der Stadt feiern waren nicht mehr hinauf. Erst am frühen Morgen werden die Brücken wieder hinuntergelassen und die Metro öffnet erst um 5:45 wieder ihre Pforten.
Plötzlich war es so weit: Mitten auf der Brücke hob sich ein Stück Straße an. Von der Seite konnte man es sogar noch besser sehen. Die Leute standen und staunten, Straßenmusiker spielten und Akrobaten spuckten Feuer. Es war ein regelrechtes Volksfest. Die Leute tranken, fotografierten und staunten noch ein bisschen mehr.
Von der Schlossbrücke aus spazierten wir noch ein gutes Stück Weißer bis wir ein schönes Plätzchen für unser nächtliches Picknick gefunden hatten: Einen verlassenen Anlegesteg, der leicht schaukelnd auf dem Wasser schwamm. Von hieraus konnte man den gesamten Uferbereich auf beiden Seiten überblicken: Die golden leuchtenden Türme der Peter-und-Paul-Festung, die Eremitage und die unterbrochenen Bögen von gleich drei Brücken. Es war schon sehr dunkel, weil der Himmel bewölkt gewesen war, aber schon nach einer Stunde dämmerte es schon wieder.
Die Menschenmassen begannen sich aufzulösen, es zog eine kühle Prise auf. Wir hatten zum Warmbleiben heiße Schokolade und Cognac dabei, der jedoch so berzig schmeckte, dass wir damit den Geschmack der Schokolade nicht verderben wollten.
Ich hatte Kaviar gekauft, aber der bestand nur aus Gelee und schmeckte nach dem Metall der Dose, in der er verkauft wurde. Das ließen wir dann auch sein. Stattdessen hatten wir Lawaschbrot, die restlichen Quarkkeulchen, Bouletten und Gemüse. Julia hatte sich sehr viel Mühe für uns gemacht.
Bis halb vier Uhr morgens hielten wir es auf dem Bootssteg aus; ab und zu legte ein spätes Boot mit Touristen an, die sich über uns amüsierten; ab und an regnete es auch, aber es war ein sehr gemütliches Beieinander. Doch als am Morgen die Wolkendecke aufbrach, fanden wir es an der Zeit, einen Spaziergang zu unternehmen.
Es war schon wieder recht hell geworden und die Beleuchtung sämtlicher öffentlicher Gebäude erlosch Punkt vier. Kaum jemand war zu dieser Zeit unterwegs, nur ein paar Betrunkene warfen sich Schimpfworte an den Kopf. Ein trübes Licht lag über den Straßen, aber schon gegen fünf Uhr war es schon wieder taghell. Zu diesem Zeitpunkt saßen wir schon erschöpft und müde auf einer Bank vor der Metro Gostinij Dvor. Ich hielt uns wach, indem ich auf meinem Smartphone Lieder von Zemfira abspielte. Julia kannte die meisten und sang mit. Nur Zsolt wirkte etwas verstimmt.
Als es auf sechs Uhr zuging, sammelten sich immer mehr Nachtschwärmer vor der Metrostation und wirkten allesamt wie Zombies, die in ein Haus mit besonders vielen leckeren Menschen eindringen wollten, aber das Grunzen und Stöhnen war etwas leise.
Wortlos wurden uns die Jetons verkauft; die Angestellten wirkten selbst noch wie Zombies zu so früher Stunde. An viel erinnere ich mich danach nicht mehr, nur dass wir bei Julia angekommen sofort ins Bett fielen. Den Wecker musste ich wohl noch gestellt haben, sodass wir unseren Zug nicht verpassen würden. Denn es war mittlerWeiße schon der Tag der Abreise.
15.06.
Um 15 Uhr fuhr unser Zug, wir beschlossen also gegen 13 Uhr das Haus zu verlassen, obwohl das viel zu früh war, selbst für meine Verhältnisse. Julia würden wir nicht mehr antreffen, weil sie nach nur drei Stunden Schlaf auf Arbeit gegangen war und danach sicher gleich im Bett verschwinden würde. Gewusst hatten wir vorher nicht, dass sie an diesem Tag arbeiten musste, und ich glaubte sogar in Erinnerung zu haben, dass sie meinte, frei zu haben. Es war wieder ein typischer Fall von Misskommunikation kombiniert mit russischer Höflichkeit.
Nun, mit dem heutigen Tag war nicht mehr viel anzufangen; wir standen gegen 12 Uhr auf, packten, gingen noch mal ins Bad, hinterließen Julia eine Dankesbotschaft und verabschiedeten uns von Roma, der sich die meiste Zeit in sein Zimmer zurückgezogen hatte um auf der Gitarre zu üben. Dazu sah er sich Videos bei Youtube an, in denen Hobbygitarristen anderen Hobbygitarristen ihre Tricks und Kniffe zeigten. Für uns unterbrach er kurz sein Spiel und verschloss die Tür hinter uns, weil russische Türen eben so funktionierten, dass man sie entweder von innen verriegeln oder von außen mit einem Schlüssel zusperren musste.
Ich übernahm wieder die Führung und brachte uns zurück zum Bahnhof, las die Anzeigetafeln und brachte uns zum entsprechenden Gleis. Ich merke nun, dass ich bereit war für Moskau eine Stadt, der ich Respekt entgegenbrachte, wenn nicht gar mit einem etwas mulmigen Gefühl an sie dachte. Doch ich hatte Sankt Petersburg nun zweimal gesehen aber immer noch etwas übrig gelassen für eine Rückkehr, zum Beispiel den Turmaufstieg in der Isaakskathedrale. Nun war es Zeit für etwas Neues: Meine nächste Stadt würde Moskau sein. Aber das lag noch in den Sternen, wenn man davon absah, dass wir durchfahren würden auf dem Weg nach Izhevsk.
Ich bin ganz froh, wieder nach Izhevsk zurück zu kommen; es war wie eine Heimkehr.
16.06.
Die Reise verlief diesmal ereignislos, sah man einmal von den schnarchenden Glatzen ab, die sich mitten in der Nacht in den Betten uns gegenüber niederließen. Gesehen hatte ich sie in der Nacht nicht, aber als ich von ihrem Schnarchen erwachte, überlegte ich eine ganze Weiße, etwas dagegen zu unternehmen. Zum Glück tat ich nichts, denn wie ich am Morgen feststellte, schien mit den beiden nicht gut Kischenessen zu sein. Sie passten perfekt ins Klischee des deutschen Nazis: Grobschlächtig, schlecht gelaunt und ganz allgemein nicht die Hellsten. Doch zum Glück fuhren sie nicht weit und wir hatten sie schon gegen Mittag wieder los.
Genau nach Plan kamen wir am späten Abend in Izhevsk an und mussten nun ein Taxi nehmen um noch rechtzeitig zum Wohnheim zu kommen, bevor sie uns vielleicht nicht mehr hineinließen.
Ich hatte keine rechte Lust mehr und meinte zu Zsolt, er sollte uns einen Taxifahrer ansprechen. Zsolt zierte sich, wollte sich einen schönen Taxifahrer aussuchen, aber dann sprachen sie uns schon an, und da Zsolt nicht reagierte, begann ich das Gespräch. Gleich der erste wollte uns übers Ohr hauen 500 Rubel wollte er für die Fahrt, dabei kannte ich genau den Preis und schrieb den auch auf einen kleinen Zettel, den ich für solche Zwecke dabei hatte. Gerade wenn man sich in der Sprache unsicher war, hatte es sich als günstig herausgestellt, den Fahrpreis schwarz auf weiß zu haben, bevor man in ein Taxi einstieg. Der Fahrer ließ scheinbar mit sich handeln und schrieb 300 Rubel auf den Zettel. Ich setzte ein 150 darunter der maximale Preis, den man für diese Strecke zahlte. Der Mann schüttelte den Kopf und wir gingen Weißer. Ich hoffte, dass sie nicht alle in einer Art Taximafia zusammenarbeiteten und wollte gerade den nächsten ansprechen, als mich der erste Fahrer noch mal zurück rief: Er selbst würde nicht für 150 fahren, aber sein Kollege wohl. So wahrte er sich sein Gesicht und wir bekamen unsere Fahrt zu einem vernünftigen Preis.
Am Wohnheim angekommen wunderten wir uns erst einmal, wie viel sich in einer Woche hatte verändern können. Der Haupteingang war abgesperrt, ein Schild hing daran, auf dem etwas stand, das keiner von uns lesen konnte. Wir klopften zögerlich an, merkten aber bald, dass sich hier niemand melden würde. Schließlich gingen wir um das Haus herum und fanden einen Hinterausgang, der sonst verschlossen war. Hier öffnete man uns. Offenbar wurde das Wohnheim renoviert, und man begann von außen.
Mein Handy erinnerte mich vibrierend an so vieles, das ich noch erledigen sollte aber das hatte Zeit für morgen.
An diesem Morgen verschliefen wir. Es war Montag, aber heute hatte Julia Zeit für uns: Sie wollte uns die die Festung Kronstadt zeigen. Die wurde tatsächlich so deutsch geschrieben, selbst auf Russisch Кронштадт denn die russischen Zaren waren glühende Deutschlandfans und holten sich teilWeiße sogar ihre Frauen aus den deutschen Adelshäusern.
Zunächst nahmen wir den Zug bis Oranienbaum, denn von dort fuhr eine Fähre zur Insel Kotlin, auf der sich die Festung befand. Als Tourist ohne russische Sprachkenntnisse den Fährhafen zu suchen, ist nicht zu empfehlen, denn wir mussten erst eine ganze Weiße durch eine heruntergekommene, dorfähnliche Siedlung laufen bis wir ans Wasser kamen, und von dort aus immer noch ein Stück den Hafen entlang bis wir an der Fähre kamen.
Julia kaufte uns die Tickets und wir gingen zwischen parkenden und fahrenden Autos an Bord. Es überraschte mich, dass doch so viele Leute auf die Insel wollten, die Fähre war halb gefüllt an diesem trüben und kühlen Montag.
Auf der Insel kam noch der kalte und Seewind dazu, der einen bis in die Knochen fuhr.
Die Fähre fuhr alle drei Stunden zurück. Julia zeigte ihre ausgedruckte Inselkarte einem freundlichen Mann und fragte nach dem Weg. Er begleitete uns sogar noch ein Stück und erklärte die Sehenswürdigkeiten auf dem Weg: Den Kanal, die Hochwassermarke, die Boje dann wurde es ihm wahrscheinlich auch langweilig und er verabschiedete sich. Als er feststellte, dass ich auf Deutschland kam, war er ganz begeistert und probierte in seinem Schuldeutsch mit mir zu sprechen. Jeder meint, mir damit eine Freude zu machen. Ich lächelte höflich und nickte.
Wir waren an dem Wunschbaum der Insel angekommen: Ein hoher Baum aus Metall, an dem drei große metallene Eulen angebracht waren. Sie hingen nicht umsonst wie Körbchen daran, denn ihr Sinn war, Geld aufzufangen, das die Leute von unten hineinzuwerfen versuchten um einen freien Wunsch zu erhalten. In eine der Eulen war "Gesundheit" eingraviert, in die nächste "Liebe" und in die dritte "Erfolg". Liebe und Erfolg gelangen mir zu treffen, aber in die Gesundheit wollte selbst nach 10 Minuten keine Münze hineinfallen. Drei kleine Jungs taten es uns gleich und warfen ihr Geld nach oben. Wahrscheinlich wohnten sie hier und hatten keine andere Beschäftigung. Zumindest blieb man so fit, wenn man dem wieder heruntergefallenen Geld hinterher hechtete oder wenn einem der Wurf gelang, musste man anschließend einige Runden um den Baum rennen und ihm anschließend den Wunsch in das metallene Ohr flüstern.
Auf unserem Weißeren Spaziergang um die Insel sahen wir die schönste Kirche verhangen, das übliche ewige Feuer, ein paar Kanonen und einen ganzen Haufen Statuen. Aber auch Künstler hatten sich auf der Insel ausgetobt ob es nun Landschaftsgraffiti an einer besonders hässlichen Wand mit Stacheldraht war, oder ein durchgeknallter Müllsammler, der Autoreifen zu Tierfiguren schnitt oder bunten Müll an eine Wand klebte, sodass von der Ferne betrachtet ein Portrait entstand. Er hatte ebenfalls ein geflügeltes trojanisches Pferd gebaut und einen Roboter in einen Käfig gesperrt.
Die Insel besaß auch einen Badestrand, nur weit und breit keine Urlauber. Nur zwei wagemutige Jungs standen in Badehose am Ufer und betrachteten das aufgewühlte Ostseewasser. Einer hielt den Fuß hinein und überlegte es noch einmal.
Ab und an machten wir eine Rast; Julia hatte Unmengen von Proviant eingepackt und versorgte uns wie eine Mutter, schnitt uns das Gemüse und schmierte und das Brot. Trotzdem konnten wir nicht widerstehen, zurück am Fährhafen eine frisch gegrillte Wiener zu essen. Eigentlich hatten wir uns nur heißen Tee zum Aufwärmen kaufen wollen, aber sie rochen so verführerisch. Richtige deutsche Würste in Semmel und mit Ketchup bekam man in Russland eben nur in Sankt Petersburg.
Wir waren früh genug zurück gekommen, dass noch Zeit hatte, den Petersburger Ikea zu finden, denn ich hatte Sina versprochen, dass ich ihr schwedische Schokolade von dort mitbringen würde. In Izhevsk gab es keinen Ikea wir hatten ja noch nicht mal einen McDonalds.
Der Weg zum Ikea war ein kleines Abendteuer. Julia beschrieb mir zwar den Weg, und dass ich von der Metrostation Prospekt Bolschewikow einen kostenlosen Bus zum Ikea nehmen konnte. Den sah ich weit und breit jedoch nicht und stieg schließlich mit einem Bein in einen Bus, auf dem zumindest das Wort "kostenlos" stand, aber das war er nicht, wurde mir sogar halb auf Englisch von einer alten Frau erklärt, als sie bemerkte, dass mein Russisch eher holprig war. Ich sollte eine Metrostation Weißerfahren und dort wäre der Bus, und er sei sogar gelb, und Ikea stehe darauf. So fuhr ich also zur Ulitsa Dybenko. Der gesuchte Bus hielt dann auch direkt vor mir und viele Leute stiegen aus. Aber der Fahrer ließ mich nicht einsteigen, sondern wies mich darauf hin, dass er gleich an der anderen Straßenseite halten würde; das sei der offizielle Einstieg. Auf der anderen Straßenseite fand ich ihn dann auch, aber er meinte, er würde hier nur parken und Pause haben; der offizielle Einstieg sei noch mal 200 Meter von hier. Ich bedankte mich schon leicht frustriert und fand schließlich die Haltestelle. Allerdings erst, als der Bus schon an mir vorbeigefahren war. Doch der nächste Bus kam bald. Es war sehr viel Andrang, und jeder Bus war brechend voll, sodass sogar die Stehplätze hart umkämpft waren.
Doch ich schaffte es zum Ikea, kaufte drei Sorten Schokolade und für mich gleich zwei schwedische Würstchen, die den deutschen recht ähnlich sahen, denn heute war ich wieder auf den Geschmack gekommen. Hier fühlte ich mich wieder lebendig, der Ikea Food Shop war herrlich europäisch! Viele der Speisen kannte ich selbst noch aus Schweden und bekam richtig Heimweh nein, das ist das falsche Wort. Nennen wir es Europaweh. Noch schöner war, von den Verkäufern in fließendem Englisch angesprochen zu werden, als sie bei meiner Bestellung "2 xot doga i coke?" merkten, dass ich wohl keine Russin war. Sofort fragte die junge Frau: "Wo kommst du her?" So plauderten wir kurz soweit es die Kundenlage zuließ. Am Ende dankte ich ihr für das Gespräch, denn das hatte meinen kleinen Europaurlaub noch echter gemacht. Nun wusste ich, wohin ich gehen musste, wenn mich Russland einmal mehr überwältigte in den nächsten Ikea, die europäische Oase.
Es ist kaum verwunderlich, dass ich nicht sofort wieder gehen wollte, also schlenderte ich noch ein wenig durch die Ikea und fand Dosenöffner. Nach nur wenigen Monaten hatte ich also den lang gesuchten europäischen Dosenöffner gefunden und kaufte ihn trotzdem nicht, weil ich festgestellt hatte, dass ich höchstens einmal im Monat überhaupt eine Dose öffnete.
Als nächstes schob ich schwungvoll einen Einkaufswagen durch die riesigen Hallen eines Gypermarktes der große Bruder eines Supermarktes, und wurde dann erst durch eine SMS von Zsolt aufmerksam, dass es Zeit war, zurückzukehren, denn wir wollten noch die Weißen Nächte draußen miterleben. Ich gab ihm bescheid, dass ich unterwegs sei, aber dass sie mit dem Einkaufen nicht auf mich warten sollten, dann packte ich noch ein paar Snacks in meinen Korb, stand ewig an der Kasse an und hastete zum überfüllten Bus. Es war nun schon nach 22 Uhr.
Die Metro hingegen war fast leer, weil diese Linie hier begann. Mir gegenüber saß ein junger Mann, der offenbar gerade von seiner Datscha kam und einen riesigen Strauß Flieder dabei hatte. Er reichte mir einen Zweig und ich bedankte mich verlegen. Beim Aussteigen verloren wir uns aus den Augen, aber der betörende Duft des Flieders blieb noch lange hängen und hob meine Laune Weißer an.
Im Bus von Prospekt Veteranov saß ich neben einem jungen Mann, der die englischsprachige Zeitung Petersburg Times las. Weil mir gerade danach war, sprach ich ihn an; er war aus Kasachstan, ein Student, und versuchte im Moment sein Englisch zu verbessern. Aber bald stieg er wie alle anderen aus, und es blieb nur noch ich übrig. An der Endhaltestelle kam mir schon Zsolt entgegen; es war spät geworden, wir mussten uns beeilen um den letzten Bus zu erwischen. Er und Julia hatten schon alles dabei, nun musste nur noch der letzte Bus kommen.
Eine ganze Reihe von Bussen fuhr an uns vorbei oder bog vorher ab, aber sie fuhren alle nicht ins Zentrum oder zu einer Metrostation. Eine Straßenbahn schrammte die Schienen entlang; eines ihrer Räder schlug Funken. Manchmal machten mir die nicht vorhandenen Sicherheitsstandards in Russland Angst.
Plötzlich hellte sich Julias Gesicht auf: Das war unser Bus.
Doch er fuhr nicht ganz bis ins Zentrum, wir waren sogar noch ein ganzes Stück davon entfernt, als der Fahrer meinte, das sei die Endhaltestelle. Zum Laufen war es zu weit, doch zurück kamen wir jetzt auch nicht mehr. Ich schlug vor, per Anhalter zu fahren, denn das klappte in Russland in den Innenstädten leichter als in Deutschland, da es immer ein paar Fahrer gab, die sich als Aushilfstaxifahrer etwas Geld hinzuverdienen wollten.
Julia stimmte zu, aber erst mussten wir an einen günstigeren Ort laufen.
Schließlich standen wir an einer leeren breiten Straße, auf der im Minutentakt Autos vorbeifuhren. Doch schon nach wenigen Minuten hielt ein Auto an von der Gegenseite. Für 300 Rubel würden sie uns ins Zentrum bringen. Das waren etwa 8 Euro und damit noch unter der Hälfte von dem, was man für ein echtes Taxi in Petersburg blechen müsste.
Sie fuhren eine ganze Weiße durch die Stadt, und ich glaube auch im Kreis, aber sie setzten uns direkt vor der Eremitage ab. Rein zeitlich gesehen hätten die Brücken schon längst hochgezogen sein müssen, aber als wir ankamen, hatten wir noch genug Zeit, uns in den erwartungsvollen Menschenmassen ein schönes Plätzchen zu suchen, an dem wir das Hochziehen der Brücke beobachten konnte. Die Eremitage hinter uns war hell erleuchtet, genau wie die anderen historischen Gebäude am gegenüberliegenden Neva-Ufer und die Brücken, die uns mit der Vasilij-Insel verbanden.
Ich hatte Insa, Varyas Mitbewohnerin per SMS gefragt, ob heute Nacht etwas gefeiert wurde, aber sie meinte, heute würden sie einen ruhigen Abend auf ihrer Insel machen. Nachdem die Brücken hochgezogen waren, kamen sie sowieso nicht mehr von der Insel herunter, und wenn sie in der Stadt feiern waren nicht mehr hinauf. Erst am frühen Morgen werden die Brücken wieder hinuntergelassen und die Metro öffnet erst um 5:45 wieder ihre Pforten.
Plötzlich war es so weit: Mitten auf der Brücke hob sich ein Stück Straße an. Von der Seite konnte man es sogar noch besser sehen. Die Leute standen und staunten, Straßenmusiker spielten und Akrobaten spuckten Feuer. Es war ein regelrechtes Volksfest. Die Leute tranken, fotografierten und staunten noch ein bisschen mehr.
Von der Schlossbrücke aus spazierten wir noch ein gutes Stück Weißer bis wir ein schönes Plätzchen für unser nächtliches Picknick gefunden hatten: Einen verlassenen Anlegesteg, der leicht schaukelnd auf dem Wasser schwamm. Von hieraus konnte man den gesamten Uferbereich auf beiden Seiten überblicken: Die golden leuchtenden Türme der Peter-und-Paul-Festung, die Eremitage und die unterbrochenen Bögen von gleich drei Brücken. Es war schon sehr dunkel, weil der Himmel bewölkt gewesen war, aber schon nach einer Stunde dämmerte es schon wieder.
Die Menschenmassen begannen sich aufzulösen, es zog eine kühle Prise auf. Wir hatten zum Warmbleiben heiße Schokolade und Cognac dabei, der jedoch so berzig schmeckte, dass wir damit den Geschmack der Schokolade nicht verderben wollten.
Ich hatte Kaviar gekauft, aber der bestand nur aus Gelee und schmeckte nach dem Metall der Dose, in der er verkauft wurde. Das ließen wir dann auch sein. Stattdessen hatten wir Lawaschbrot, die restlichen Quarkkeulchen, Bouletten und Gemüse. Julia hatte sich sehr viel Mühe für uns gemacht.
Bis halb vier Uhr morgens hielten wir es auf dem Bootssteg aus; ab und zu legte ein spätes Boot mit Touristen an, die sich über uns amüsierten; ab und an regnete es auch, aber es war ein sehr gemütliches Beieinander. Doch als am Morgen die Wolkendecke aufbrach, fanden wir es an der Zeit, einen Spaziergang zu unternehmen.
Es war schon wieder recht hell geworden und die Beleuchtung sämtlicher öffentlicher Gebäude erlosch Punkt vier. Kaum jemand war zu dieser Zeit unterwegs, nur ein paar Betrunkene warfen sich Schimpfworte an den Kopf. Ein trübes Licht lag über den Straßen, aber schon gegen fünf Uhr war es schon wieder taghell. Zu diesem Zeitpunkt saßen wir schon erschöpft und müde auf einer Bank vor der Metro Gostinij Dvor. Ich hielt uns wach, indem ich auf meinem Smartphone Lieder von Zemfira abspielte. Julia kannte die meisten und sang mit. Nur Zsolt wirkte etwas verstimmt.
Als es auf sechs Uhr zuging, sammelten sich immer mehr Nachtschwärmer vor der Metrostation und wirkten allesamt wie Zombies, die in ein Haus mit besonders vielen leckeren Menschen eindringen wollten, aber das Grunzen und Stöhnen war etwas leise.
Wortlos wurden uns die Jetons verkauft; die Angestellten wirkten selbst noch wie Zombies zu so früher Stunde. An viel erinnere ich mich danach nicht mehr, nur dass wir bei Julia angekommen sofort ins Bett fielen. Den Wecker musste ich wohl noch gestellt haben, sodass wir unseren Zug nicht verpassen würden. Denn es war mittlerWeiße schon der Tag der Abreise.
15.06.
Um 15 Uhr fuhr unser Zug, wir beschlossen also gegen 13 Uhr das Haus zu verlassen, obwohl das viel zu früh war, selbst für meine Verhältnisse. Julia würden wir nicht mehr antreffen, weil sie nach nur drei Stunden Schlaf auf Arbeit gegangen war und danach sicher gleich im Bett verschwinden würde. Gewusst hatten wir vorher nicht, dass sie an diesem Tag arbeiten musste, und ich glaubte sogar in Erinnerung zu haben, dass sie meinte, frei zu haben. Es war wieder ein typischer Fall von Misskommunikation kombiniert mit russischer Höflichkeit.
Nun, mit dem heutigen Tag war nicht mehr viel anzufangen; wir standen gegen 12 Uhr auf, packten, gingen noch mal ins Bad, hinterließen Julia eine Dankesbotschaft und verabschiedeten uns von Roma, der sich die meiste Zeit in sein Zimmer zurückgezogen hatte um auf der Gitarre zu üben. Dazu sah er sich Videos bei Youtube an, in denen Hobbygitarristen anderen Hobbygitarristen ihre Tricks und Kniffe zeigten. Für uns unterbrach er kurz sein Spiel und verschloss die Tür hinter uns, weil russische Türen eben so funktionierten, dass man sie entweder von innen verriegeln oder von außen mit einem Schlüssel zusperren musste.
Ich übernahm wieder die Führung und brachte uns zurück zum Bahnhof, las die Anzeigetafeln und brachte uns zum entsprechenden Gleis. Ich merke nun, dass ich bereit war für Moskau eine Stadt, der ich Respekt entgegenbrachte, wenn nicht gar mit einem etwas mulmigen Gefühl an sie dachte. Doch ich hatte Sankt Petersburg nun zweimal gesehen aber immer noch etwas übrig gelassen für eine Rückkehr, zum Beispiel den Turmaufstieg in der Isaakskathedrale. Nun war es Zeit für etwas Neues: Meine nächste Stadt würde Moskau sein. Aber das lag noch in den Sternen, wenn man davon absah, dass wir durchfahren würden auf dem Weg nach Izhevsk.
Ich bin ganz froh, wieder nach Izhevsk zurück zu kommen; es war wie eine Heimkehr.
16.06.
Die Reise verlief diesmal ereignislos, sah man einmal von den schnarchenden Glatzen ab, die sich mitten in der Nacht in den Betten uns gegenüber niederließen. Gesehen hatte ich sie in der Nacht nicht, aber als ich von ihrem Schnarchen erwachte, überlegte ich eine ganze Weiße, etwas dagegen zu unternehmen. Zum Glück tat ich nichts, denn wie ich am Morgen feststellte, schien mit den beiden nicht gut Kischenessen zu sein. Sie passten perfekt ins Klischee des deutschen Nazis: Grobschlächtig, schlecht gelaunt und ganz allgemein nicht die Hellsten. Doch zum Glück fuhren sie nicht weit und wir hatten sie schon gegen Mittag wieder los.
Genau nach Plan kamen wir am späten Abend in Izhevsk an und mussten nun ein Taxi nehmen um noch rechtzeitig zum Wohnheim zu kommen, bevor sie uns vielleicht nicht mehr hineinließen.
Ich hatte keine rechte Lust mehr und meinte zu Zsolt, er sollte uns einen Taxifahrer ansprechen. Zsolt zierte sich, wollte sich einen schönen Taxifahrer aussuchen, aber dann sprachen sie uns schon an, und da Zsolt nicht reagierte, begann ich das Gespräch. Gleich der erste wollte uns übers Ohr hauen 500 Rubel wollte er für die Fahrt, dabei kannte ich genau den Preis und schrieb den auch auf einen kleinen Zettel, den ich für solche Zwecke dabei hatte. Gerade wenn man sich in der Sprache unsicher war, hatte es sich als günstig herausgestellt, den Fahrpreis schwarz auf weiß zu haben, bevor man in ein Taxi einstieg. Der Fahrer ließ scheinbar mit sich handeln und schrieb 300 Rubel auf den Zettel. Ich setzte ein 150 darunter der maximale Preis, den man für diese Strecke zahlte. Der Mann schüttelte den Kopf und wir gingen Weißer. Ich hoffte, dass sie nicht alle in einer Art Taximafia zusammenarbeiteten und wollte gerade den nächsten ansprechen, als mich der erste Fahrer noch mal zurück rief: Er selbst würde nicht für 150 fahren, aber sein Kollege wohl. So wahrte er sich sein Gesicht und wir bekamen unsere Fahrt zu einem vernünftigen Preis.
Am Wohnheim angekommen wunderten wir uns erst einmal, wie viel sich in einer Woche hatte verändern können. Der Haupteingang war abgesperrt, ein Schild hing daran, auf dem etwas stand, das keiner von uns lesen konnte. Wir klopften zögerlich an, merkten aber bald, dass sich hier niemand melden würde. Schließlich gingen wir um das Haus herum und fanden einen Hinterausgang, der sonst verschlossen war. Hier öffnete man uns. Offenbar wurde das Wohnheim renoviert, und man begann von außen.
Mein Handy erinnerte mich vibrierend an so vieles, das ich noch erledigen sollte aber das hatte Zeit für morgen.







Freust du dich etwa nicht, wenn dir jemand undefinierbare Deutsche Worte an den Kopf wirft Jetzt weißt du wie es den Holländern geht und die lieber englisch mit Nicht-Holländern sprechen ;)
AntwortenLöschen Wieder mal so ein toller Aberglaube, mit dem Baum, wo du mitmachen musstest? :D
Da gab es wirklich ordentliche Würstchen in Petersburg?
lol, der IKEA-Busfahrer ist schon cool ^^ Touristen-Pnig-Pong?
Lekker schwedische Speißen - Blutpudding?! :D
Wo hattest du Zsolt da eigentlich abgestellt?
Das ist ja toll, man geht Abends in die Stadt feiern und kommt Nachts nicht mehr nach Hause, außer man hätte ein Boot ^^
Das ist ja toll, dass ein Teil des tollen und lang geplanten nächtlichen Picknicks nicht schmeckte - also Alk und Kaviar
Wie haste das die ganze Zeit mit Zsolt in einem Bett mit einer Decke ausgehalten oder gab es da noch eine Lösung für bequemes Schlafen?
Schon ne lustige Abzocke mit den Taxen. Geh doch nochmal zu diesem Fahrer und schau was der nun für nen Preis hat um die Maske abzunehmen ;)
Nach dem 20. Mal wird es bissl nervtötend)) Die Holländer sollen sich nicht zu haben, ich kann ja mehr als drei Worte, auch wenn's grausig kligt.
AntwortenLöschenIst es Aberglaube, wenn es funktioniert?^^
Ja!))
Ich glaube, das machen die nicht nur mit Touristen...
Ich glaube, du hast deine Geschmacksnerven irgendwo auf der Reise vergessen)) Den hatte ich Julia an den Hals gewünscht, und da ist er auch geblieben=) Kann ja nicht jeder in Amsterdam wohnen, das so klein ist, dass man nicht mal ein Boot braucht um nachts nach Hause zu kommen.
Der Hauptteil, ja, schon tragisch.
Nein, gab es nicht, aber es waren ja nur paar Tage.
Und bei der Gelegenheit soll ich ihn fragen, warum Stroh auf der Rückbank liegt?^^