21.09.-22.09.
Ich weiß nicht mehr so recht, was wir die nächsten beiden Tage unternommen haben, aber ich bin sicher, es involvierte: Aufstehen gegen Nachmittag, frühstücken, etwas planlos durch die Gegend oder zum Strand laufen, den ein- oder anderen Film aus Ioannas Sammlung anschauen und schlafen gehen.
Wir sind auch sicher einmal über eine Abzäunung geklettert und haben von einem riesigen Kakteenkonglomerat die Kaktusfeigen aufgelesen, und von abgesägten Bäumen die Früchte aufgelesen - Granatäpfel, die intakt oder halb zerfahren auf einer Straße lagen, oder sattgelbe Datteln von zersägten Palmen, die an ebenso sattgelben Wedeln wuchsen und etwas traurig auf der staubigen Straße lagen.
Ioanna ging jetzt schon ohne uns aus, ihre Mutter war auch eher selten in der Wohnung anwesend. Eigentlich ließen sie uns die meiste Zeit mit dem Hund allein, der nicht in die feine Wohnung durfte, aber auch nicht mehr allein nach draußen, seit er mal vom Nachbarn fast überfahren worden wäre. So sperrten sind den Köter auf den Balkon. Davon war er nicht besonders begeistert und versuchte bei jeder Gelegenheit in die Wohnung zu gelangen. Irgendwie hatte er es geschafft, als wir allein waren, und nun versuchte Matthias den Hund dazu zu bewegen, auf den Balkon zurück zu kehren. Ich hielt mich dabei schön im Hintergrund, weil ich schon vorher eine Begegnung mit seinen Zähnen gemacht hatte - als nicht Matthias Zähne, sondern die des Hundes. Ich hatte ihn streicheln wollen, und dabei hatte er nach mir geschnappt. In dem Moment hatte ich ihm die Freundschaft gekündigt. Also dem Hund, nicht Matthias.
Jedenfalls versuchte Matthias mit seiner Katzenkampferfahrung aus Helsinki den Hund auf den Balkon zu treiben. Das wollte der Hund ebenso wenig die Katze zuvor. Ein böses Knurren war aus der Ecke zu hören, in der er lag. Wütendes Bellen. Und der Hund hatte erfolgreich Matthias vertrieben. Wir ließen ihn an der Stelle liegen und beschlossen, dass es Ioannas Problem war. Wir hatten noch etwas Anderes zu tun: Wir hatten noch vier ungeöffnete Packungen Lokum aus Istanbul, von denen wir jeweils eine unseren Eltern mitbringen wollten, aber in jeder Packung war eine andere Sorte, und nur eine Sorte fanden wir zu eintönig. Also nahmen wir alle Packungen auseinander, mischten die Stücken und teilten wieder sie auf die vier Packungen auf. Sie enthielten jedoch einen nicht zu vernachlässigenden Anteil Puderzucker und Kokosraspel, der nicht unbedingt am Lokum oder in den Packungen blieb, sondern sich über den blanken Glastisch verteilte, auf die schwarze Ledercouch und den glänzenden Marmorboden. Wir schafften es nur mühsam, den Ausgangszustand wiederherzustellen, und selbst dann fand Ioannas Mutter noch etwas Reststaub.
Wie es sich für Gäste gehörte, wurden wir nun langsam lästig.
Weil ich das vorhergesehen hatte, habe ich uns gleich zwei Gastgeber für die Zeit in Athen herausgesucht, wo wir immerhin stolze 11 Nächte verbringen wollten, bevor unser Flug zurück nach Berlin ging.
Praktischerweise konnte ich eine weitere Gastgeberin aus Glyfada finden, und wie es sich herausstellte, war es eine gute Freundin von Ioannas Mutter - und völlig unzuverlässig. Es war ihr zwar klar, dass wir zu ihr kommen würden um die restlichen Tage bei ihr zu verbringen, aber als es um die konkrete Umsetzung dieses Plans ging, kamen aus heiterem Himmel die Probleme. Nach einigem Hin und Her; nach Telefonaten von uns, Ioanna und ihrer Mutter, und als ich schon begonnen hatte nach alternativen Gastgebern zu suchen, kam das OK und konnten am 24.09. zu Mary übersiedeln.
23.09.
Ioanna wollte uns nichts ins Haus Schliemanns begleiten; Matthias wollte eigentlich auch nicht unbedingt hingehen, aber ich fand, wir konnten nicht nur den ganzen Tag herumsitzen und uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen - im übertragenen Sinne gesprochen, denn wir schafften es aus Faulheit oft nicht mal bis zum Stand hinunter. Heute wollten wir deshalb früh aufstehen und auf eigene Faust in die Stadt fahren, erst ein Stück mit dem Bus, dann mit der Metro. Die ganze Wohnung hatte still gelegen, als wir es am Morgen verließen, die Zimmer unserer Gastgeber waren verschlossen gewesen, und sie hatten nicht einmal gehört, wie wir uns Frühstück gemacht hatten. Es war der Schlaf der Partymenschen, die frühestens um vier Uhr morgens nach Hause kamen und noch eine Stunde brauchten, sich abzuschminken.
Wir machten uns also allein auf den Weg, und gegen 10 Uhr hatten wir das Museum auch schon fast gefunden. Aber praktisch konnte man es gar nicht übersehen: Es war ein prunkvoller Wohnpalast mit allerlei Verzierungen, einer gewundenen Außentreppe und einer nachgebildeten griechischen Frauenstatue in einem Blumenrondell im Garten. So hatte ich mir das Haus des wohl berühmtesten Hobbyarchäologen vorgestellt. Ein wenig befremdlich fand ich nur die Hakenkreuz-Verzierungen. Aber Schliemann lebte lange bevor dieses Symbol von den Nazis missbraucht wurde; zu seiner Zeit war es noch ein Glücks- oder auch Sonnensymbol. Auch der Rest des Hauses war nach Schliemanns Vorgaben von Ernst Ziller gestaltet worden; es war ein Gesamtkunstwerk mit seinen Mosaik-Fußböden, Wandverzierungen und Deckenmalereien.
Mittlerweile war das Haus ein Numismatisches Museum, also ein Münzmuseum. Und die Sammlung war beachtlich: Von den ersten ägyptischen Versuchen, ein Zahlungsmittel einzuführen, das jedoch so unförmig und schwer war, dass man nur immer eins auf einmal tragen konnte; von den ersten Münzfunden bis hin zur industriellen Prägung. Als EU-Studenten kamen wir wieder kostenlos ins Museum, und auch der Audio-Guide stand kostenlos zur Verfügung. Es gab tatsächlich zu fast jeder der hunderttausend Münzen eine Erwähnung auf dem Gerät, das uns auf Englisch mit Informationen überflutete. Etwa eine halbe Stunde lang hielt ich das aus, dann schaute ich mir nur noch die schönen Münzen an ohne mich über ihr Alter und ihre Herkunft und Geschichte zu informieren.
Anschließend an diese doch etwas eintönige Museumserfahrung brauchten wir etwas Auslauf und spazierte die vielen winzigen Gassen hinauf zur Akropolis, die wir dieses Mal auch betreten wollten. Als wir auch hier und in sämtliche angrenzenden Ausgrabungsstätten und Museen kostenlos hinein konnten, waren wir ziemlich beeindruckt. Davon könnte sich manch anderes Land eine Scheibe abschneiden.
Der Weg hinauf war steil und steinig, und man merkte wirklich, dass es die Festung des antiken Athens gewesen war. Der Marmor war über die Jahrtausende von unzählbaren Füßen glattgeschliffen worden und war nun stellenweise so glatt wie Eis. An dem riesigen Areal von Ruinen hatte der Zahn der Zeit nicht nur genagt, sondern sich regelrecht sattgegessen. Zwischen den Trümmern stiegen hunderte von Touristen umher und machten gegenseitig von sich Fotos. Der Blick auf die Stadt war beeindruckend; ein Meer aus weißen Häusern, nur unterbrochen vom Grün einzelner Wälder, und dahinter spiegelte sich die Sonne gleißend hell im Meer.
Viel gibt es sonst nicht dazu zur Akropolis sagen; ein riesiger Tempel folgt dem nächsten und man hatte sicher alle Hände voll damit zu tun, die noch stehenden Säulen davor zu bewahren, zu Staub zu zerfallen. Vor 2400 Jahren musste es hier beeindruckend ausgesehen haben, als hier gerademal die Farbe trocknete. Tatsächlich waren die antiken Tempel nicht weiß, sondern noch mindestens mit roter und blauer Farbe bemalt.
Viel, viel und noch viel mehr gibt es in Athen zu sehen; jeder Stein schien seine eigene Geschichte zu besitzen. Durch den angrenzenden Park kamen wir zu einem weiteren bedeutenden Platz, der Agora, einem antiken Versammlungsplatz mit wiederum einer ganzen Reihe von Bauwerken und Tempeln. Dort blieben wir bis zum Abend. Auf dem Weg zurück warfen Straßenhändler seltsame Gummifiguren in der Form von Tomaten auf die Straße, die dort ihre Form verloren und sehr zermatscht aussahen, bevor sie auf magische Weise ihre ursprüngliche Form annahmen. Es gab sie an jeder Straßenecke, als wäre ein Schiff, beladen mit diesem Kram, vor der Küste Athens gekentert. Wir suchten uns lieber richtige Souvenirs. Und Postkarten, die wir auch schon seit Längerem an die Heimat schreiben wollten. Ich hatte sogar noch einige Istanbul-Karten, die zu senden ich keine Zeit gefunden hatte, aber es würde wahrscheinlich nicht besonders auffallen, wenn sie von Griechenland aus abgeschickt werden würden.
Wenn wir vor lauter Zeit nur genug Lust dazu hätten...
Bei Einbruch der Dunkelheit hatten wir das Zentrum von Glyfada erreicht und genehmigten uns dort zum Abendessen den leckersten Gyros, den ich je probiert habe - fairerweise muss gesagt sein, dass ich es vorher noch nie probiert habe. Das Fleisch war so zart, dass es fast von selbst aus dem Pita-Brot in den Mund fiel. Komisch fand ich nur, dass in dem eingewickelten Fleisch auch Pommes steckten.
Ioanna war noch zu Hause, als wir ankamen, doch heute geschah etwas Unglaubliches: Wir konnten sie für uns interessieren. Also mehr für unsere Reise; wir erzählten ihr von allen abenteuerlichen Gastgebern, die wir in den letzten zwei Monaten getroffen hatten, und Ioanna musste sich erstmal ein Bier holen. Vielleicht überlegte sie sich die Couchsurfing-Sache nochmal...
Ich weiß nicht mehr so recht, was wir die nächsten beiden Tage unternommen haben, aber ich bin sicher, es involvierte: Aufstehen gegen Nachmittag, frühstücken, etwas planlos durch die Gegend oder zum Strand laufen, den ein- oder anderen Film aus Ioannas Sammlung anschauen und schlafen gehen.
Wir sind auch sicher einmal über eine Abzäunung geklettert und haben von einem riesigen Kakteenkonglomerat die Kaktusfeigen aufgelesen, und von abgesägten Bäumen die Früchte aufgelesen - Granatäpfel, die intakt oder halb zerfahren auf einer Straße lagen, oder sattgelbe Datteln von zersägten Palmen, die an ebenso sattgelben Wedeln wuchsen und etwas traurig auf der staubigen Straße lagen.
Ioanna ging jetzt schon ohne uns aus, ihre Mutter war auch eher selten in der Wohnung anwesend. Eigentlich ließen sie uns die meiste Zeit mit dem Hund allein, der nicht in die feine Wohnung durfte, aber auch nicht mehr allein nach draußen, seit er mal vom Nachbarn fast überfahren worden wäre. So sperrten sind den Köter auf den Balkon. Davon war er nicht besonders begeistert und versuchte bei jeder Gelegenheit in die Wohnung zu gelangen. Irgendwie hatte er es geschafft, als wir allein waren, und nun versuchte Matthias den Hund dazu zu bewegen, auf den Balkon zurück zu kehren. Ich hielt mich dabei schön im Hintergrund, weil ich schon vorher eine Begegnung mit seinen Zähnen gemacht hatte - als nicht Matthias Zähne, sondern die des Hundes. Ich hatte ihn streicheln wollen, und dabei hatte er nach mir geschnappt. In dem Moment hatte ich ihm die Freundschaft gekündigt. Also dem Hund, nicht Matthias.
Jedenfalls versuchte Matthias mit seiner Katzenkampferfahrung aus Helsinki den Hund auf den Balkon zu treiben. Das wollte der Hund ebenso wenig die Katze zuvor. Ein böses Knurren war aus der Ecke zu hören, in der er lag. Wütendes Bellen. Und der Hund hatte erfolgreich Matthias vertrieben. Wir ließen ihn an der Stelle liegen und beschlossen, dass es Ioannas Problem war. Wir hatten noch etwas Anderes zu tun: Wir hatten noch vier ungeöffnete Packungen Lokum aus Istanbul, von denen wir jeweils eine unseren Eltern mitbringen wollten, aber in jeder Packung war eine andere Sorte, und nur eine Sorte fanden wir zu eintönig. Also nahmen wir alle Packungen auseinander, mischten die Stücken und teilten wieder sie auf die vier Packungen auf. Sie enthielten jedoch einen nicht zu vernachlässigenden Anteil Puderzucker und Kokosraspel, der nicht unbedingt am Lokum oder in den Packungen blieb, sondern sich über den blanken Glastisch verteilte, auf die schwarze Ledercouch und den glänzenden Marmorboden. Wir schafften es nur mühsam, den Ausgangszustand wiederherzustellen, und selbst dann fand Ioannas Mutter noch etwas Reststaub.
Wie es sich für Gäste gehörte, wurden wir nun langsam lästig.
Weil ich das vorhergesehen hatte, habe ich uns gleich zwei Gastgeber für die Zeit in Athen herausgesucht, wo wir immerhin stolze 11 Nächte verbringen wollten, bevor unser Flug zurück nach Berlin ging.
Praktischerweise konnte ich eine weitere Gastgeberin aus Glyfada finden, und wie es sich herausstellte, war es eine gute Freundin von Ioannas Mutter - und völlig unzuverlässig. Es war ihr zwar klar, dass wir zu ihr kommen würden um die restlichen Tage bei ihr zu verbringen, aber als es um die konkrete Umsetzung dieses Plans ging, kamen aus heiterem Himmel die Probleme. Nach einigem Hin und Her; nach Telefonaten von uns, Ioanna und ihrer Mutter, und als ich schon begonnen hatte nach alternativen Gastgebern zu suchen, kam das OK und konnten am 24.09. zu Mary übersiedeln.
23.09.
Ioanna wollte uns nichts ins Haus Schliemanns begleiten; Matthias wollte eigentlich auch nicht unbedingt hingehen, aber ich fand, wir konnten nicht nur den ganzen Tag herumsitzen und uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen - im übertragenen Sinne gesprochen, denn wir schafften es aus Faulheit oft nicht mal bis zum Stand hinunter. Heute wollten wir deshalb früh aufstehen und auf eigene Faust in die Stadt fahren, erst ein Stück mit dem Bus, dann mit der Metro. Die ganze Wohnung hatte still gelegen, als wir es am Morgen verließen, die Zimmer unserer Gastgeber waren verschlossen gewesen, und sie hatten nicht einmal gehört, wie wir uns Frühstück gemacht hatten. Es war der Schlaf der Partymenschen, die frühestens um vier Uhr morgens nach Hause kamen und noch eine Stunde brauchten, sich abzuschminken.
Wir machten uns also allein auf den Weg, und gegen 10 Uhr hatten wir das Museum auch schon fast gefunden. Aber praktisch konnte man es gar nicht übersehen: Es war ein prunkvoller Wohnpalast mit allerlei Verzierungen, einer gewundenen Außentreppe und einer nachgebildeten griechischen Frauenstatue in einem Blumenrondell im Garten. So hatte ich mir das Haus des wohl berühmtesten Hobbyarchäologen vorgestellt. Ein wenig befremdlich fand ich nur die Hakenkreuz-Verzierungen. Aber Schliemann lebte lange bevor dieses Symbol von den Nazis missbraucht wurde; zu seiner Zeit war es noch ein Glücks- oder auch Sonnensymbol. Auch der Rest des Hauses war nach Schliemanns Vorgaben von Ernst Ziller gestaltet worden; es war ein Gesamtkunstwerk mit seinen Mosaik-Fußböden, Wandverzierungen und Deckenmalereien.
Mittlerweile war das Haus ein Numismatisches Museum, also ein Münzmuseum. Und die Sammlung war beachtlich: Von den ersten ägyptischen Versuchen, ein Zahlungsmittel einzuführen, das jedoch so unförmig und schwer war, dass man nur immer eins auf einmal tragen konnte; von den ersten Münzfunden bis hin zur industriellen Prägung. Als EU-Studenten kamen wir wieder kostenlos ins Museum, und auch der Audio-Guide stand kostenlos zur Verfügung. Es gab tatsächlich zu fast jeder der hunderttausend Münzen eine Erwähnung auf dem Gerät, das uns auf Englisch mit Informationen überflutete. Etwa eine halbe Stunde lang hielt ich das aus, dann schaute ich mir nur noch die schönen Münzen an ohne mich über ihr Alter und ihre Herkunft und Geschichte zu informieren.
Anschließend an diese doch etwas eintönige Museumserfahrung brauchten wir etwas Auslauf und spazierte die vielen winzigen Gassen hinauf zur Akropolis, die wir dieses Mal auch betreten wollten. Als wir auch hier und in sämtliche angrenzenden Ausgrabungsstätten und Museen kostenlos hinein konnten, waren wir ziemlich beeindruckt. Davon könnte sich manch anderes Land eine Scheibe abschneiden.
Der Weg hinauf war steil und steinig, und man merkte wirklich, dass es die Festung des antiken Athens gewesen war. Der Marmor war über die Jahrtausende von unzählbaren Füßen glattgeschliffen worden und war nun stellenweise so glatt wie Eis. An dem riesigen Areal von Ruinen hatte der Zahn der Zeit nicht nur genagt, sondern sich regelrecht sattgegessen. Zwischen den Trümmern stiegen hunderte von Touristen umher und machten gegenseitig von sich Fotos. Der Blick auf die Stadt war beeindruckend; ein Meer aus weißen Häusern, nur unterbrochen vom Grün einzelner Wälder, und dahinter spiegelte sich die Sonne gleißend hell im Meer.
Viel gibt es sonst nicht dazu zur Akropolis sagen; ein riesiger Tempel folgt dem nächsten und man hatte sicher alle Hände voll damit zu tun, die noch stehenden Säulen davor zu bewahren, zu Staub zu zerfallen. Vor 2400 Jahren musste es hier beeindruckend ausgesehen haben, als hier gerademal die Farbe trocknete. Tatsächlich waren die antiken Tempel nicht weiß, sondern noch mindestens mit roter und blauer Farbe bemalt.
Viel, viel und noch viel mehr gibt es in Athen zu sehen; jeder Stein schien seine eigene Geschichte zu besitzen. Durch den angrenzenden Park kamen wir zu einem weiteren bedeutenden Platz, der Agora, einem antiken Versammlungsplatz mit wiederum einer ganzen Reihe von Bauwerken und Tempeln. Dort blieben wir bis zum Abend. Auf dem Weg zurück warfen Straßenhändler seltsame Gummifiguren in der Form von Tomaten auf die Straße, die dort ihre Form verloren und sehr zermatscht aussahen, bevor sie auf magische Weise ihre ursprüngliche Form annahmen. Es gab sie an jeder Straßenecke, als wäre ein Schiff, beladen mit diesem Kram, vor der Küste Athens gekentert. Wir suchten uns lieber richtige Souvenirs. Und Postkarten, die wir auch schon seit Längerem an die Heimat schreiben wollten. Ich hatte sogar noch einige Istanbul-Karten, die zu senden ich keine Zeit gefunden hatte, aber es würde wahrscheinlich nicht besonders auffallen, wenn sie von Griechenland aus abgeschickt werden würden.
Wenn wir vor lauter Zeit nur genug Lust dazu hätten...
Bei Einbruch der Dunkelheit hatten wir das Zentrum von Glyfada erreicht und genehmigten uns dort zum Abendessen den leckersten Gyros, den ich je probiert habe - fairerweise muss gesagt sein, dass ich es vorher noch nie probiert habe. Das Fleisch war so zart, dass es fast von selbst aus dem Pita-Brot in den Mund fiel. Komisch fand ich nur, dass in dem eingewickelten Fleisch auch Pommes steckten.
Ioanna war noch zu Hause, als wir ankamen, doch heute geschah etwas Unglaubliches: Wir konnten sie für uns interessieren. Also mehr für unsere Reise; wir erzählten ihr von allen abenteuerlichen Gastgebern, die wir in den letzten zwei Monaten getroffen hatten, und Ioanna musste sich erstmal ein Bier holen. Vielleicht überlegte sie sich die Couchsurfing-Sache nochmal...


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