Dienstag, 22. Dezember 2009

Das Ende einer Reise

28.9.
Entgegen aller Erwartungen kam der Bus zum Flughafen fast pünktlich. Schon jetzt - am Anfang seiner Route - war er so voll, dass es kaum noch möglich war, einen Stehplatz zu bekommen. War Schichtwechsel am Flughafen? Die Mitfahrenden waren jedenfalls ausschließlich Einheimische, einige waren sofort als Stewardessen zu erkennen.
Wir kamen nach deutscher Pünktlichkeit viel zu zeitig am Flughafen an und konnten noch nicht einmal an den Check-In. Aus den Lautsprechern klang Musik; es war der erschreckende Versuch, aus bayrischer Polka Fahrstuhlmusik zu machen. Wollten sie so den Terroristen gute Laune machen, in der Hoffnung, sie würden es sich noch einmal überlegen?
Als wir endlich an den Check-In kamen und schon fast an der Reihe waren, unsere Rucksäcke abzugeben, wurde die Warteschlange neu geordnet - alle, die nach Berlin unterwegs waren, sollten sich ganz wo anders und viel weiter hinten anstellen. Die Verantwortlichen wussten schon, dass es die deutschen Reisenden waren, die immer zu Zeit eingeplant hatten und deswegen Platz machen konnten für die anderen Reisenden, die sich erst eine halbe Stunde vor Abflug ein Taxi zum Flughafen nehmen. Dieser Zwischenfalls bestätigt die Deutschen natürlich darin, dass es gute Voraussicht war, so zeitig zu kommen - denn was wäre, wenn man selbst so spät kommen würde, und sich dann noch mal neu anstellen müsste?
Ich muss zugeben, dass ich bei jedem Aufenthalt im Ausland zu etwas werde, was ein Amerikaner "Time Nazi", also als "Zeit-Nazi" nennt. Dazu sollte man vielleicht wissen, dass in der amerikanischen Umgangssprache "Nazi" mittlerweile nichts mehr mit dem 3. Reich zu tun hat, sondern für "ätzende, unangenehme, strikte Person" steht; also so, wie man sich in Amiland Deutsche vorstellt. Wenn ich im Ausland bin, trage ich wohl leider auch zu diesem Stereotypen bei. In Athen - und eigentlich auf unserer ganzen Reise - wurde meine Geduld wohl auch auf eine harte Probe gestellt, aber nun kehrten wir heim zu unseren immer-pünktlichen, kleinbürgerlichen Mitmenschen, die von den Holländern so nett "Moffen" genannt werden, und für die sicher jedes europäische Land ein eigenes Schimpfwort kennt - und wenn es nur unsere Unart beschreibt, Sauerkraut zu essen.
Aber Spaß beiseite; überall in auf unserer Reise habe ich mich willkommen gefühlt, auch wenn wir Deutschen noch ein bisschen an unserem Ruf feilen müssen.

Das Flugzeug Richtung Berlin hob ab. So schnell ging es Richtung Heimat. Mit einem Reisebus hätten wir gut zwei Tage durchfahren müssen, und es hätte genauso viel gekostet wie das Flugticket. In einer Woche gingen die Vorlesungen wieder los, und bis dahin musste noch einiges vorbereitet werden. Die Zeit war regelrecht gerast in den letzten beiden Wochen, und eh wir uns versehen, standen wir im kalten, regnerischen Berlin in der Nähe des Flughafens an der Straße und hielten die Daumen in die Luft. Mich überraschte ein wenig, dass Matthias immer noch die Anhalterschilder mit den Namen unserer Reiseziele aus seinem Rucksack hervorkramen konnte. Ich hatte vermutet, dass sie irgendwo in Budapest lagen.

Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht am ungünstigen Standort, oder daran, dass uns hauptsächlich Leihwagen und Taxis entgegen kamen - das Resultat blieb das Gleiche, es hielt niemand an.
Nach zwei Stunden gaben wir es auf und nahmen den nächsten Bus zum Bahnhof, und von dort aus den nächsten Zug Richtung Zwickau.
Fast wie im Roman "In 80 Tagen um die Welt" hatten wir jedes Verkehrsmittel unserer Zeit benutzt: LKW, PKW, Bus, Schiff, Fahrrad, Tretboot, Skilift, Flugzeug, Zug... nur einen Heißluftballon haben wir nicht auftreiben können. OK, ich gebe es ja zu, einen Elefanten auch nicht.

Ende.

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