07.8.
Wir halten bei der Suche nach einer Unterkunft eine Person gefunden, die zwar wahrscheinlich keine Couch für uns hatte, dafür aber am gleichen Tag von Oslo nach Karlstad fuhr und anbot, uns mitzunehmen. Glück für uns: Seine Gäste sagten ab oder tauchten nicht auf, und so bekamen wir die Couch statt nur einen Platz für unser Zelt im Garten.
Zunächst setzte er uns im Zentrum ab, weil er noch einige Besorgung zu machen hatte. Das war gegen 13 Uhr, also die ideale Zeit zum Frühstücken im Park. Um Geld zu sparen, hatten wir immer genug Brot und Brotbelag für ein bis zwei Tage dabei. So konnten wir uns tagsüber mit Sandwiches satt essen und am Abend mit unseren Gastgebern kochen. Wir hatten Nusscreme aus Norwegen, Käsesalami aus Schweden und Käse aus Deutschland, der langsam Schimmel ansetzte. Wir hatten uns ein wenig mehr Käse mitgenommen als nötig, weil wir schon vorher gehört hatten, dass Milchprodukte in Skandinavien mit Gold aufzuwiegen seien. Ganz so schlimm war es dann doch nicht, aber es gab den Käse meist nur in riesigen Klumpen zu kaufen, die man nur ungern mit sich herum trug. Wir schnitten die kleinen, blauen Stellen ab uns aßen den Käse ganz auf. Man kann ja nichts verderben lassen...
Hinter dem Park befand sich ein künstlich angelegter Strand, an dem mehere Schilder darauf hinwiesen, dass das Baden hier eigentlich nicht gestattet war. Es war auch eher ein Flussausläufer als eine Badebucht.
Wir fuhren mit unserem Gastgeber aus der Stadt hinaus in ein beschauliches Wohnghetto. Ein minzgrünes Haus im Grünen, umgeben von Gruppen andersfarbiger Holzhäuser. Während ich mit unserem Gastgeber sprach, ging Matthias "spazieren", was in seiner Sprache hieß, dass er nach offenen Netzwerken suchen ging, über die wir mit meinem Smartphone kostenlos im Intenet surfen können. Damit hatte er tatsächlich Erfolg, war aber dadurch so lang unterwegs, dass wir schon vermuteten, ihn hätten die Wölfe oder die Vampire vom Haus nebenan geholt. So schön die Gegend auch aussah, war sie von seltsamen Gestalten bevölkert, die seltsame Gewächse in ihren Gärten hatten; zum Beispiel fanden wir einen fast 3 Meter hohen Baum, an dem Heidelbeeren wuchsen. Da wir unseren Vitaminbedarf während unserer Reise mit dem decken wollten, was die Natur uns anbot, probierten wir sie. Mit gutem Willen ließ sich der Heidelbeergeschmack erkennen. Und sogar jetzt noch, am nächsten Tag, geht es uns gut...
08.8.
Heute ließen wir´s ruhig angehen. Es war überhaupt das erste Mal wieder seit Kopenhagen, dass wir nicht mit unserem Gastgeber früh morgens das Haus verlassen mussten. Es war auch schon wieder Wochenende. Kaum zu glauben, dass wir schon fast zwei Wochen unterwegs waren und alles geklappt hatte wie geplant.
Martin brachte uns in seinem uralten Saap wieder ins Zentrum. Unser erster Weg führte uns direkt wieder in einen Supermarkt, dann weiter Richtung Touristeninformation. Karlstad ist so langweilig, dass es mich überraschte, überhaupt eine Touristeninfo zu finden. Auf dem Wegweiser in der Fußgängerzone war auch nur ein Museum ausgeschrieben, als gäbe es kein zweites. Es hieß "Museum".
Ein Blick auf die Touristenkarte offenbarte auch nicht viel mehr. Aber selbst in dieser Touristeninfo musste man eine Nummer ziehen, obwohl weit und breit niemand zu sehen war. Oder vielleich gerade deswegen. Wir legte uns schließlich wieder an ein Flussufer, wo uns ein Schwarm Enten überfiel. Ich warf unser altes Brot in Stücken so weit weg wie ich konnte, aber die Enten kamen immer wieder zurück und wollten mehr, bis wir nichts mehr hatten. Sie liefen noch eine Weile unschlüssig zwischen uns umher, und ich verstand sie: Wir waren das Aufregenste, was sie in dieser Stadt je gesehen hatten.
Ganz in der Nähe des Flussufers befand sich das alte Gefängnis der Stadt, aus dem mittlerweile ein Hotel geworden war. Einige der Kellerräume hatten sie jedoch im Originalzustand belassen und ein kleines Museum eingerichtet; die Infotafeln waren aber komplett in schwedisch gehalten. Das, und der Kindergeburtstag, der gerade darin stattfand, ließen uns das Museum bald verlassen. So lagen wir den Rest des Tages an einer anderen Stelle am Fluss.
Samstag, 8. August 2009
Karlstad, Schweden
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