Donnerstag, 6. August 2009

Tag...hm,...Oslo eben


Oslo

04.8.
Heute geh´s nach Oslo. Wir fuhren mit dem Bus hinau bis zum Ikea. Dort war noch niemand um diese Uhrzeit. Dann fuhren die ersten Autos in die Tankstelle, aber die meisten arbeiteten hier oder waren auf dem Weg zur Arbeit. Matthias stand derweil mit Schild vor der Tankstelle, während der Dauernieselregen allmählich alle Kleidungsschichten durchdrang. Nach einiger Zeit ging sich Matthias im nahegelegenen Baumarkt Gummistiefel kaufen. Es fühlte sich nach einer langen Zeit an diesem Ort an. Irgenwann fragte ich nicht mehr nach einem Ort, sondern nach der nächsten Tankstelle, zu der man uns doch bitte hin mitnehmen könnte. Irgendwann ging Matthias auf eine Erkundungstour, und meldete eine Tankstelle in etwas über 2 Kilometern Entfernung. Mit unseren schweren Rucksäcken wäre es kein Spaziergang gewesen, dort hin zu laufen, also hatten wir Glück, dass sich einer der Einkaufenden dazu bereit erklärte, uns dorthin zu fahren.
Die andere Tankstelle war nicht wesentlich besser, aber schließlich gegen 13:30 Uhr kamen wir endlich aus Göteborg weg. Es sollte noch bis 15:15 Uhr dauern, bis wir auch von dieser nächsten Raststätte aufbrechen konnten. Das weiß ich deshalb so genau, weil wir einen LKW-Fahrer auf Zwangspause trafen. Die neuen elektronischen Zeiterfassungssysteme schreiben den Fahrern Pausen von exakter Länge nach einer maximalen Fahrtzeit vor.
Der Fahrer war zuerst nicht so begeistert von der Idee, uns nach Norwegen mitzunehmen. Eventuell bis zur Grenze, sagte er, er überlege es sich in seiner Pause noch. In seinem Akzent hörte ich heraus, dass er aus Holland kam. Hier bewehrten sich endlich meine Bemühungen der letzten Zeit, mein Holländisch zu verbessern, denn er zeigte sich erfreut darüber, und nach seiner Pause bot er uns an, uns bis Oslo mitzunehmen, unter der Bedingung dass wir vor der Grenze ausstiegen, hinüber liefen und nach der Grenze erst wieder bei ihm einstiegen. Mittlerweile sprach er deutsch mit uns. Also gesagt, getan. Und kurz vor Oslo erzählte er uns, warum: Er hatte vier Flaschen hochprozentige Alkohols uter seinem Kopfkissen versteckt, dazu kamen einige Dosen Bier und Jägermeisterfläschchen im Handschuhfach. Die wollte er in Norwegen mit hohem Gewinn verkaufen. Er rechnete uns vor, wie viel er jeden Monat damit dazuverdiente; und ich muss sagen, es lohnt sich. So kann man sich seinen Urlaub ganz gut finanziell aufbessern: Jeder ein paar Flaschen billigen Fusel aus Tschechien in den Rucksack, und zu Fuß über die Grenze, denn Fußgänger werden überhaupt nicht beachtet. Und nur wenn der LKW auffällig ist, wir er genauer durchleuchtet, erklärte er uns. Deswegen wollte er uns nicht während der Grenzkontrolle im Auto haben.
Er telefonierte mit Bekannten um ihnen sein dieswöchiges Sortiment anzubieten, und bat mich, unter seinem Kissen nachzuschauen, was er eigentlich eingepackt hatte.
Eigentlich musste er heute nicht direkt nach Oslo, aber er war so nett und wagemutig, mit seinem langen Hänger in die schmalen Straße der osloer Innenstadt hineinzufahren. Von dort aus ließ es sich gut zur Wohnung von unserem Gastgeber Eirik laufen. Er nahm uns gleich auf eine Stadttour mit: Zum Fluss hinter seinem Haus, der zu einem gewaltigen Wasserfall führte; die alten Sägemühlen waren renowiert und teilweise zu Cafes umgestaltet worden. In der Innenstadt gab es moderne Architektur mit viel Glas und Licht. Wir fuhren ins oberste Stockwerk des höchsten Hotels; dort war ein Restaurant mit unglaublichem Ausblick. Unten wurde eine Fußballmannschaft mit viel Begeisterung erwartet.
Wir kamen an einem internatinaleren Viertel an. Es gibt sehr viele Einwanderer, vor allem aus Pakistan, was sich besonders in den zahlreichen bunten Geschäften mit verschlungenen arabischen Schriftzeichen zeigt.
Überhaupt ist Oslo recht alternativ. Hier fanden wir zum Beispiel da Viertel, das wir in Kopenhagen vergeblich gesucht hatten: In einigen Abbruchhäusern hatte sich eine alternative Szene eingerichtet, es gab nicht nur Wohnungen, sondern auch Bars, Partyräume, ein Café und einen Buchladen. Alles war mit Graffiti besprüht, oder anderswärtig kreativ gestaltet. Junge Menschen saßen auf alten Möbeln oder einfach nur Schrott im Freien, aus dem Café drang Musik.
Im Wind klimperte ein Eisengebilde mit eisernen Blättern, in die Worte und Sätze eingraviert waren. Und über eine Straße hinweg zwischen zwei Häusern hing ein riesiger gläserner Kronleuchter.
Wir gingen noch in eine Bar im Freien. Eirik holte sich eine Dose Bier für umgerechnet 8 Euro; wir verzichteten. Jedes Bier oder jede Runde wird einzeln bezahlt, üblicherweise mit Kreditkarte. Trinkgeld ist gar nicht so üblich, aber man könnte den von der Karte abgezogenen Betrag am Gerät erhöhen, wenn man wöllte.
Am Ende gingen wir noch an den typischen alten, unter Denkmalschutz stehenden Holzhäusern vorbei, die mittlerweile wieder sehr beliebt bei wohlhabenden Leuten sind. Ringsum wuchsen Hecken und Blumen aus Märchenbüchern.

05.8.
Der Himmel hatte sich im Verlauf des Vormittags aufgeklart, nur noch einige Haufenwölkchen lagen tief über den Wäldern und Wassern in der Ferne; das aber mit einer Beharrlichkeit, als wollten sie sagen: Ich geh hier nicht weg, warte nur, ich komm zurück...
Es war sommerlich warm, und von überall strömten Touristengruppen in die zahlreichen Parkanlagen.
Wir saßen eine ganze Weile vor dem osloer Rathaus, aus dessen Glockenturm unablässig Musik erklang. Es war nah am Hafen gelegen, der vor lauter Schiffen weiß leuchtete. Man konnte leicht eine Fähre nehmen um auf die vorgelagerten baumbewachsenen Inseln hinausfahren.
Auch ganz in der Nähe befindet sich die Festung Akerhus, ein ausgedehnter und durch bronzene Kanonen geschützer Komplex, von dem aus man einen schönen Blick auf den Hafen hat.

Die neu gebaute Oper erstrahlt bei Sonnenschein in einem blendenden weiß; man kann das Gebäude komplett besichtigen und besteigen, da das Dach vom Boden aus nur allmählich ansteigt.
Das Meer wirkt daneben grau, aber immer noch ungewöhnlich hell. Bei bewölktem Himmel schon fast weiß.

Oslo ist touristisch erstaunlich beliebt, das sieht man schon daran, dass die Touristeninfo aussieht wie ein deutsches Arbeitsamt, authentischw inklusive Nummern ziehen. Auch das Einkaufen fand ich etwas merkwüdig: So wurde beim Bezahlen eines Betrags von umgerechnet 2,70 Euro mit Kreditkarte meine Reisepassnummer registriert. Für 2,70 Euro bekommt man übrigens nur Brot und Wasser.
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