7.8.
Der Zug fuhr gleichmäßig ratternd Richtung Westen. Im Halbschlaf, kurz vor dem Aufwachen dachte ich: "Hmm, da macht jemand Schaschlik" - aber nein, es war nur der Wald, der brannte. Zumindest kam ich nun langsam in die Gegend mit den Waldbränden. Das Feuer selbst sah ich nicht; es musste noch hunderte von Kilometern entfernt sein, sonst hätte man den Zugverkehr schon eingestellt, aber ein dichter, rußiger Nebel lag über den Wäldern, Wiesen und Dörfern; meist lag nur ein leichter Geruch nach ausgetrocknetem Holz in der frisch angefeuerten Sauna in der Luft, aber ab und zu stach es scharf in die Nase; es stank nach verbrannten Autoreifen.
Die Sonne konnte man nur erahnen, und die Hitze war drückend, sogar der Fahrtwind aus dem offenen Fenster fühlte sich an wie ein auf lauwarm gestellter Föhn.
Mir gegenüber saß wie eine Großmutter mit ihren beiden Enkeln, die ich wieder mit meinem Origami beeindruckte, aber mir blieben nur wenige Stunden bis zum Ziel. Sie mahnte ihre Enkel gut aufzupassen, aber die waren nicht besonders interessiert, und sie fühlte sich wahrscheinlich zu alt, so etwas noch zu lernen. Ich bastelte geschwind zwei gleichartige stachelige Bälle und warf sie den Jungs beim Aussteigen noch schnell zu.
Die Hitze erschlug mich gleich. Mein Gastgeber Michal wartete außerhalb des Bahnhofs auf mich, schrieb er per SMS und ich schleppte mühsam allein meinen Koffer hinaus, einfach den Menschenmassen hinterher und gelangte in eine Halle, durch deren Fenster ich schon den Bahnhofsvorplatz sehen konnte. Mich trennten nur eine Reihe von Drehkreuzen davon, die man nur mit einer Karte mit Barcode öffnen konnte. Ich ging zur Information und fragte auf Englisch danach, aber das Mädel, das dort arbeitete, sah mich nur hilflos an. Ich legte mir gerade einen Satz auf Russisch zurecht, da bat sie ihren Kollegen, die Ausländerin, also mich, durch die Absperrung für die Koffer zu lassen.
Draußen fand ich nach kurzem Michal; er kam aus Tschechien und arbeitete gemeinsam mit einem Deutschen an einem sozialen, EU-finanzierten Projekt. Ich konnte nicht genau herausfinden, was sie genau machten, aber es hatte etwas mit Fahrrädern zu tun. Michal wirkte vor allem matt und nicht besonders gesprächig; ihm hatte der Rauch und die Hitze der letzten Wochen sichtbar zugesetzt. Mich machte die Atmosphäre hier eher gereizt und ich konnte es nicht abwarten, eine Badegelegenheit zu finden.
Michal nahm meinen Koffer und ging voran; er wohnte nicht weit vom Bahnhof entfernt. Er trug ihn in ihre Wohnung hinein, die vor allem durch eine exzentrische Wanddekoration aus Hochglanzmagazin-Seiten und eine Art riesiges Gästebuch auffiel, auf der sich eine Reihe von Besuchern in unterschiedlichen Sprachen verewigt hatte.
Michal lernte russisch wie ich, also eher nebenbei und ohne einen richtigen Sprachkurs, aber ihm fiel es leichter, weil tschechisch mit dem Russischen noch etwas näher verwandt war als das Deutsche.
Er und sein deutscher Mitbewohner Kostja schmiedeten schon eine ganze Weile Pläne, wie sie aus der Stadt zu entkommen könnten und wohin es gehen sollte. Im Moment dachten sie an die Ukraine, aber ich riet ihnen von den Zügen im Moment ab, wenn es nicht gerade die klimatisierte Transsib war. Das musste wohl auch um die Zeit herum gewesen sein, als in Deutschland die Klimaanlagen in den ICEs versagten. Aber so ein Flugticket musste man sich erstmal leisten können.
So überlegten sie hin und her und blieben doch in Nischnij, zumal sich noch der eine oder andere Couchsurfer angekündigt hatte und die schlimmste Zeit schon vorbei gegangen sei, meinte Michal und zeigte mir Fotos, die einige Tage alt waren und eine in schwarzen Rauch gehüllte Lenin-Statue zeigte. Mittlerweile war es draußen nur noch trüb und drückend. Wer konnte, hatte die Stadt schon verlassen oder war dabei, dies zu tun, denn gesund war die Luft immer noch nicht. In den Nachrichten verglichen sie es mit Kettenrauchen.
Kurz gesagt - beide wollten nicht das Haus mit mir verlassen, gaben mir aber eine Stadtkarte und Michal erklärte mir, wie ich zu dem großen See am anderen Ende der Stadt kam.
Ich packte meine Badesachen zusammen und machte mich auf den Weg, wobei ich schon bis zur Bushaltestelle meine Orientierung verloren hatte und schwitzte und fluchte. Ich hatte mir mein Schlauchtuch befeuchtet und vor Mund und Nase gezogen um den Rauch etwas zu filtern und das Atmen zu erleichtern. Das half tatsächlich, dennoch sah ich niemanden mit einem Mundschutz durch die Stadt gehen.
Die Hitze und der Rauch in der Luft machte viele Leute gereizt und unausstehlich, andere nur passiv und so hilfreich wie Fußpilz als ich versuchte den Bus und den See zu finden. Selbst mit aufgefalteter Straßenkarte vor der Nase war die Schaffnerin nicht bereit einen Blick darauf zu werfen um mir zu sagen, ob es die richtige Richtung war. Sie saß nur passiv da, und sah irgendwie aus wie ein Zombie.
Natürlich war ich wieder in der falschen Richtung unterwegs, konnte aber schon mal vom Bus aus einen guten Blick auf die Innenstadt und den Kreml werfen, die ich mir anschauen wollte, sobald ich mich abgekühlt hatte.
Ich stieg in die Gegenrichtung ein und wartete darauf, dass endlich die Haltestelle angesagt wurde, an der ich laut Michal aussteigen sollte. Er hatte gemeint, ich könnte sie nicht verpassen, das sei direkt nach einer Kirche außerhalb der Stadt. Dort gab es auch einen sehr interessanten Friedhof, den ich mir anschauen sollte. Ich sah eine Kirche, aber die Haltestelle war nicht die von ihm genannte. Doch schon die Haltestelle danach war das Bus-Depot, in dem ich herausgekehrt wurde. Ich zeigte dem Fahrer die Karte, der daraufhin einen Kollegen fragte, der mich wiederum zu einem anderen Bus mit einer Kollegin brachte. Die meinte schließlich, ich müsse nur die Straße gerade zurück laufen und dann nach rechts. Sie sagte noch viel mehr, aber die Hitze blockierte mein Verständnis für Russisch, so nickte ich nur und bedankte mich.
Sie hatte Recht gehabt; ich musste nur an den Garagen vorbeigehen und kam auf eine sandige, steil gewundene und von Autoreifen gesäumte Straße, hörte Musik und roch Schaschlik. Der Müll auf dem Weg verdichtete sich, dann sah ich die ersten Autos parken und dahinter Wasser zwischen den Bäumen aufblitzen.
Der Sand lag hoch zwischen den Bäumen, der See selbst war mit Schilf gesäumt. Ich ging ein wenig ringsherum spazieren um einen ruhigeren Platz zu finden, denn die Hälfte der dagebliebenen Stadtbewohner hatte sich hier versammelt.
Ich wurde bald fündig; nur zwei Männer und ein kleines Mädchen lagen an diesem abgeschiedenen Strändchen. Ich warf meine Kleider schnell auf einen quer liegenden Baumstamm und sprang ins Wasser. Der Vater und seine Tochter spielten im Wasser; er warf sie hoch und sie ließ sich wie eine Bombe ins Wasser platschen.
Ich ging etwas abseits von ihnen ins Wasser und der Vater fragte mich höflich, ob sie mich nicht störten, und so kamen wir ins Gespräch. Ich machte Fotos von ihnen und ließ mir ihre E-Mail-Adresse geben um sie ihnen später zuzuschicken. Besonders freundete ich mich mit der Kleinen an, die mir eins ihrer Freundschaftsarmbänder aus roten und gelben Perlen schenkte, das ich seitdem trage, weil es mich immer an diesen erstaunlichen Sommer erinnerte. Ich bastelte ihr eine Origami-Lilie und brachte ihr das Falten bei, und sie erstaunte mir, als sie mir einen Kranich bastelte. Insgesamt gab ich ihr drei Blumen und sie mir drei Kraniche, und es wären vielleicht noch mehr geworden, denn sie nahmen mich in ihrem Auto mit zurück in die Stadt. Auf der Fahrt hatten wir die ganze Zeit gefaltet und kein Ende finden können; wir parkten schon am Bahnhof als wir die letzten Faltschritte machten und der Vater uns drängte, dass die Mutter sicher schon auf sie wartete.
Viel geschah an diesem Abend nicht mehr; die rußige Luft hatte mich ausgelaugt, und die erfrischende Wirkung des Wassers war schon auf dem Nachhauseweg wieder verdampft. Ich wollte mich etwas nützlich machen und einen Salat zum Abendessen zubereiten und fragte, meine Gastgeber, was aus dem Supermarkt brauchten. Sie bestellten sich bei mir Tiefkühlpizza und Michal wollte meinen Salat nicht. Irgendwie waren wir noch nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen, aber nun machte ich ihm mit russischem Rock vertraut - das lockte ihn etwas aus der Gleichgültigkeit, aber wir gingen trotzdem früh schlafen. Soweit das bei der Hitze möglich war. Ich hatte überlegt auf dem Balkon zu schlafen, aber da hätten mich die Mücken gefressen und ich hätte die ganze Nacht ungefiltert diesen Rauch geatmet.
Aber zumindest hatte ich an diesem Ort Internet, sodass es mir endlich gelang, einen Gastgeber in Couchsurfing zu finden. Er hieß Konstantin und lebte nach eigenen Angaben in einer großen, glücklichen Familie aus Freunden. Ich stellte mir darunter eine Hippie-Kommune vor, aber das war vielleicht gar nicht so schlecht.
8.8.
Ich hatte nur einen ganzen Tag in Nischnij, morgen Vormittag würde ich schon nach Moskau aufbrechen, deshalb biss ich die Zähne zusammen, tränkte mein Kopftuch in Wasser und verbarg Mund und Nase drin, hängte mir das ebenfalls nasse Handtuch über die Schultern und machte mich so gerüstet zum Extrem-Stadtbesichtigen auf.
Ich nahm den Bus zum Stadtzentrum und stieg gleich an dem Kloster aus, das mir am Vortag aufgefallen war. In der Nähe der Haltestelle gab es eine Art heilige Quelle. Ein langhaariger Mann in Schlappen, der wie Jesus selbst aussah, bekreuzigte sich davor bevor er herantrat und ihr Wasser trank. Aber nicht alle nahmen die Heiligkeit so ernst. Viele füllten sich leere Flaschen mit diesem Wasser ab und sogar Busfahrer hielten direkt an der Quelle, ließen den Motor laufen und füllten sich ihre Flaschen auf.
Ich beschloss, dem Wasser auch zu vertrauen, und es schien eine echte Quelle zu sein, denn das Wasser war eisig. Ich mischte meinen Saft damit, der mir mittlerweile zu süß geworden war, und tränkte meine Tücher in diesem Wasser. So erfrischt fühlte ich mich stark genug, den Berg hinaufzusteigen, aber dort oben gab es nichts Interessantes außer wieder die allgegenwärtigen Hochzeitsgesellschaften.
Das Kloster am Fuß des Berges schien mir interessanter. Gerade hatte ich ein junges Mädchen im weißen dabei beobachtet, wie es singend zu einer zweiten Quelle gesprungen war, sich dort bekreuzigte und fast spielerisch wieder davonsprang. And dieser Quelle stand aber wirklich ein großes, orthodoxes Holzkreuz, und eine Art Höhe war mit einem Gitter versehen gewesen. Dies alles schien zum Gelände des Klosters zu gehören, denn dort standen weitere Gebäude, einzeln auf der Wiese verteilt, wahrscheinlich Waschhäuser, aber mit hölzernem Zwiebeltürmchen, und daneben stand eine moderne Umkleidekabine aus Wellblech.
Am Eingang des Klosters wurde mir von einem Wachtmann ein Rock ausgeliehen, den ich über meine Jeans ziehen musste. Einzelne Frauen arbeiteten draußen im Garten, andere wischten den Boden in den Wohn- und Bethäusern. Die große Kirche war für Besucher geschlossen, aber sonst konnte ich mich frei umsehen, man nahm kaum Notiz von mir. Ich steckte einen Schein in den Spendenbehälter und ging wieder nach draußen.
Die Stadt wirkte teilweise wie ausgestorben, es wirkte schon ein wenig gruselig, und über allem lag ein dichter, hellgrauer Rauch.
Ich tauchte mein Handtuch wieder ins Wasser und folgte dem Verlauf des Berges Richtung Kreml. Die Digitalanzeige einer Apotheke zeigte, dass es satte 39 Grad waren. So hatte ich zuletzt in Usbekistan in der Sonne gebraten. Es war der heißeste Sommer seit 100 Jahren. Die Springbrunnen waren ein beliebter Ort zur Abkühlung, nicht nur für Kinder, sondern für alle, die zu dieser Zeit unterwegs waren.
Ich sah eine wunderschöne Kirche wie aus einem Märchen auf dem Weg; hier hatte vor kurzem jemand geheiratet, denn der gewundene Weg zum Eingang lag voller frischer Rosenblätter. Ich ging zur Besichtigung hinein, denn es war angenehm kühl im Inneren von Kirchen, und mein Kopftrug trug ich mittlerweile auch wieder auf dem Kopf, weil es in der Hitze auf Dauer zu unangenehm war, durch ein Tuch zu atmen. Der charakteristische süße und zitronenartige Geruch orthodoxer Kirchen stieg mir bald zu Kopf. Man konnte bei diesem Wetter wirklich nur zu Hause bleiben.
Dennoch entscheid ich mich, weiter zum Kreml zu gehen. Die Burg thronte schon ganz in der Nähe über der wenig befahrenen Straße, gesäumt von weiteren, gold glänzenden Zwiebeltürmen.
Ein steiler, gepflasterter Weg führte nach oben, vorbei an einer riesigen Glocke und den hohen Verteidigungsmauern. Ich musste ein ganzes Stück um die Festungsanlage herumlaufen bis ich den schmalen Eingang fand, der von erschöpften Polizisten bewacht wurde, die mich gar nicht wahrnahmen.
Innerhalb der Mauern befanden sich Parkanlagen und verschiedene Panzer und Flugabwehrraketen, Flugzeuge und sogar eine Schiffsbrücke waren dort ausgestellt. Gegen eine Gebühr konnte man sich die Uniform der Sowjetarmee ausleihen und Fotos von sich schießen lassen. Für andere Geschmäcker gab es Prinzessinnenkostüme.
Der größte Teil der Anlage aber wirkte sehr modern; man hatte nur die Mauern original belassen und moderne Verwaltungsgebäude errichtet, die von einer gepflegten Parkanlage von einander getrennt waren. Hier befand sich die Stadtverwaltung, und an der dem Fluss zugewandten Seite das ewige Feuer. Ein schwarzer BMW wurde von Polizeiautos nach draußen eskortiert.
Ich ging wieder zurück zur touristischen Seite des Kremls. Es gab dort viele Souvenirläden und einzelne Stände in der Kühle der Kreml-Zufahrten. Das beliebteste Souvenir waren offenbar mittelalterliche Keulen aus Holz, die überall in verschiedenen Größen verkauft wurde - vom Schlüsselanhänger bis zur Originalgröße.
Ich beschloss, die Besichtigungen für heute sein zu lassen und zum gleichen See wie gestern zu fahren. An der Bushaltestelle vor dem Kreml kam ich kurz mit einem Mädel auf Englisch ins Gespräch; wir verstanden uns recht gut und ich fand es bedauerlich, dass ihr Bus bald darauf kam.
Ich konnte von hieraus direkt mit dem Bus durchfahren, doch als ich ausstieg, zog mich die Kirche magisch an, die wie in einem Märchen aus einem verwunschenen Nebel aufgetaucht war. Gedämpft hörte ich die Chorgesänge der Messe und ein Schauer lief mir über den Rücken.
Eine kleine Holzbrücke führte mich über einen morastartigen Fluss, an dessen Ufern Birken versanken. Doch als ich das Gelände der Kirche selbst betrat, war der Bann gebrochen. Es war eine einfache Kirche mit einem davor parkenden Auto, einem Umspannhäuschen und einem modernen Kinderspielplatz im Hinterhof.
Ein Straße führte daran vorbei zum Friedhof. Seltsame Aufbauten befanden sich am Straßenrand - Kisten, die mit alten, grauen Planen abgedeckt waren, und davor standen reihenweise alte Wasserbehälter. Erst bei genauerem Hinblicken wurde mir klar, dass hier tagsüber Blumen verkauft wurden. Es war schon relativ spät und die Verkäufer waren wahrscheinlich alle schon nach Hause gefahren. Erst ein Stück die Straße hinunter sah ich den letzten Verkäufer zusammenpacken. Der größte Teil seines Blumensortiments bestand aus künstlichen Blumen, nur einige frische Sträuße staken noch in abgeschnittenen Wasserflaschen, die mit dem Hals nach unten auf ein Brett genagelt waren.
Der Friedhof war laut Tafel noch eine Stunde geöffnet - genug Zeit mich darauf umzusehen, dachte ich. Aber das Gelände war viel größer und verworrener als es auf den ersten Blick ausgesehen hatte. Es musste bestimmt einen Quadratkilometer messen. Deshalb führte die Straße direkt hinein, oder vielleicht auch durch, sodass man mit dem Auto direkt zum Grab fahren konnte.
Michal hatte Recht gehabt, dieser Friedhof war wirklich einen Besuch wert gewesen. Hier lagen einige Exzentriker begraben. Zwar war es in Russland üblich, auf dem Grabstein das Foto eingemeißelt zu haben, aber einige hatten es übertrieben und ein Ganzkörperbild in Lebensgröße zu ihrem Denkmal gemacht - posierend in Lederjacke. Dabei schaute er so grimmig, als würde er um Mitternacht aus seinem Grab heraus steigen und das Essen von den Tischchen der anderen Begrabenen klauen.
Auch wenn es vielleicht so aussah - das zweite Foto zeigt ein Grab, keinen Picknickplatz. Das Essen gab man... nun, den Gestern. In das Christentum hatten sich überall auf der Welt heidnische Bräuche eingeschmuggelt.
Ich spazierte zurück zum See, der noch genauso bevölkert war wie gestern, obwohl es schon recht spät am Abend war und die Sonne schon unterging. Nach etwa einer Stunde machte ich mich auf den Heimweg, aber einen Bus zu bekommen echtes Geduldsspiel, entweder kam einfach keiner oder wenn einer kam, hielt er nicht an.
Am Ende war ich froh, nach einer halben Stunde doch von der Bushaltestelle fort zu kommen, auch wenn mir ein paar Gopniks im Minibus ihr Bier über die Füße kippten.
Das Wetter hatte sich aber spürbar gebessert und die Luft aufgeklart, und über dem Bahnhof hing sogar schon die erste Kumuluswolke, doch Regen brachte sie auch nicht.
Der Abend und die Nacht verliefen wieder ohne große Ereignisse; wir aßen Tiefkühlpizza und gingen bald schlafen.
9.8.
Der Vormittag sah sonnig aus und der Rauch war fast völlig aus der Luft verschwunden. Kostja hatte eigentlich Nebelfotos machen wollen, aber seine Kamera war kaputt. Ich bot an, ihm die Fotos zu schicken, die ich geschossen hatte, und auch noch eins mit seiner Atemmaske zu machen und vielleicht mit Photoshop etwas Nebel hinzuzufügen.
Und als wir das Haus verließen und in die Sonne blinzelten, kam ich mir vor wie einer der letzten Überlebenden in einem Katastrophenfilm: Der atomare Winter war vorbei, wir verließen den Bunker, die Sonne schien, ein Vogel zwitscherte - es gab wieder Hoffnung für die Menschheit.
Kostja ging zurück ins Haus und ich zum Supermarkt um die Ecke um Proviant für meine Reise nach Moskau zu kaufen, obwohl es nur noch wenige Stunden mit dem Zug von Nischnij aus waren.
Und schon wieder konnte ich nur die letzte Lapscha-Fertignudel-Packung kaufen - entweder war es vorher zu Hamsterkäufen gekommen, oder man hatte endlich herausgefunden, dass das Zeug gesundheitsschädigend war.
Ich sah noch einmal meine E-Mails durch; mein Vater hatte mir wieder eine besorgte Nachricht geschrieben, ich solle doch versuchen früher nach Hause zu kommen - sogar die deutsche Botschaft sei schon geschlossen, wegen Atomstaubgefahr: Wenn die Flammen die Atomaufbereitungsanlagen erreichen, oder irgendwelche nichtverzeichneten Atommülldeponien, würde radioaktiv verseuchter Staub in die Luft geraten, und wenn sich die Flammen weiter ausbreiteten, sei Moskau vielleicht gar nicht mehr mit dem Zug verlassbar... es klang nach dem reinsten Weltuntergang - als stünden schon alle Städte in der Gegend in Flammen und ich müsste nur mal das Haus verlassen um es mitzubekommen. Die Sonne blitzte trügerisch durchs Fenster. So war es schwer, die Warnungen ernst zu nehmen. Der Botschafter hatte bestimmt nur einen triftigen Grund gesucht, die Stadt zu verlassen, und im deutschen Fernsehen wiederholte man sicher die Bilder von letzter Woche, weil es im Sommerloch keine anderen Nachrichten gab.
Denn es gab schon seit Dienstag keine Probleme mehr mit dem Flugverkehr, hatte mir Wowa geschrieben.
Aber da war die sechsfache Grenzwertüberschreitung für Rußpartikel in der Luft... nun gut, dann konnte man eben Russland wieder nach alter Rechtschreibung schreiben und es kratzte ein wenig im Hals, aber das hatte man nach einem Abend in einer Raucherkneipe auch.
Und von wegen, der Staub aus atomar verseuchten Böden könnte aufgewirbelt werden und man sollte auf die Anweisungen der lokalen Behörden reagieren - die Russen nahmen es gelassen: "Sollte wirklich was sein, erfahren wir es vielleicht in ein paar Monaten - aber dann ist's eh zu spät." Die Haltung übernahm ich mir und packte meinen Koffer für Moskau.
Irgendwie hatte ich die Zeit etwas verpasst; mein Zug fuhr schon in einer halben Stunde. Michal bot seine Hilfe beim Koffertragen an; ich sah ihm an, dass er nur ungern das Haus verließ, aber allein hätte ich das nie in 30 Minuten geschafft, auch wenn der Bahnhof um die Ecke lag - dazwischen lag ein Kilometer und eine lange Unterführung mit zu vielen Stufen.
Bis zur Eingangshalle trug Michal mir den Koffer, doch dann sah er die Polizisten und ihm fiel ein, dass er keine Pass dabei hatte - und ohne Pass wollte er besser nicht in Miliz-Nähe kommen.
Wir verabschiedeten uns schnell und er entschuldigte sich, dass er nicht lustiger drauf gewesen war in den letzten Tagen. Nächste Woche wollten sie ihren wohlverdienten Urlaub in der Ukraine antreten.
Im Zug war es kochend heiß, wie in einem fahrenden Banya, und es roch genauso. Meine Mitreisenden kippen sich vorsichtig Wasser aus Flaschen über die Arme und kleckerten sich dabei erwartungsgemäß voll. Wir lagen alle ermattet und regungslos auf unseren Bänken, an denen man festklebte, wenn man nicht schon sein Bettzeug darauf ausgebreitet hatte. Wahrscheinlich hatten wir es deshalb bekommen, oder weil wir eh dafür bezahlt hatten, aber eine weitere Nacht würde niemand im Zug verbringen, denn Moskau war die Endstation dieses Zugs.
Mir gegenüber saß ein freundlicher, dicker, ehemaliger Afghanistanpilot. Er sprach mit allen Mitreisenden gleichzeitig und erzählte dabei ständig Geschichten, denen ich nur wenig folgen konnte.
Ein längerer Stopp war im Fahrplan verzeichnet. Wir gingen alle gemeinsam nach draußen; dort war es durch einen leichten Wind angenehmer als drinnen im Zug. Einige Leute gingen zum Spazieren in die Stadt. Ein Fehler.
Der Zug sollte eigentlich 85 Minuten halten, fuhr aber schon 17:50 wieder los statt 18:10, und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es noch nicht alle rechtzeitig zurück geschafft hatte, zum Beispiel meine Nachbarn von seitlich gegenüber - da hing noch eine Hose über dem Bett und ein Buch im Netz, aber keine Spur von den Besitzern. Von solchen Geschichten hatte ich bereits gehört und deshalb vermieden, mich weiter als ein paar Meter vom Zug zu entfernen.
An der nächsten Station waren sie dann plötzlich wieder da. Entweder waren sie mit dem Taxi hinterher gefahren, oder sie hatten die Zeit einfach im Speisewagen verbracht.
Der Nebel wurde wieder dichter und schluckte das Tageslicht, sodass es mitten am Tag dämmerte. Es roch intensiv nach einem Lagerfeuer. Ich zog mir das nasse Kopftuch über Mund und Nase, und lief in diesem Aufzug auch durch den Zug, und nur wenig später tauchten schon die ersten Atemschutzmasken auf den Tischchen anderer Reisender auf.
Wir hielten nun in winzigen Städten, die nicht auf dem Fahrplan standen. Teilweise waren es nicht einmal Städte, sondern hölzerne Plattformen mit Kilometerangaben. Ich konnte es nicht erwarten, endlich in Moskau anzukommen.
Um 21 Uhr war es dann so weit. Mein Gastgeber Konstantin schrieb mir per SMS, dass er mit seiner halben Familie auf dem Bahnsteig auf mich wartete.
Die Hälfte stellte sich als zwei Mädels heraus - seine Freundin und deren beste Freundin. Der Rest war gerade verreist, sonst wäre er auch mitgekommen.
Die drei waren über alle Maßen freundlich und erlaubten es mir nicht, meine Taschen selbst zu tragen. Englisch sprach nur Konstantin, aber so etwas hatte ich schon erwartet und meinte, dass sie spätestens in zwei Tage mit dem Englischsprechen beginnen würden. Konstantin verneinte das - nicht nur, dass sie es sich nicht zutrauten, nein, sie wollten es absolut nicht lernen.
Obwohl die Luft voller Ruß war, sah ich nur zwei Leute auf dem Weg, die eine Atemmaske trugen; auch meine Gastgeber meinten, das bringe eh nichts, und mittlerweile sei die Luft doch schon wieder recht atembar. Ich trug weiterhin mein Kopftuch vorm Gesicht, aber der Geruch von brennendem Holz drang weiterhin gedämpft auch zu mir durch.
Konstantin hatte ganz in der Nähe geparkt, und um mir eine Freude zu machen, fuhr er direkt durchs Stadtzentrum zurück und deutete aus dem Fenster um mich auf die Moskauer Sehenswürdigkeiten aufmerksam zu machen. Der rote Platz war hell erleuchtet und einzelne Gebäude waren mit Scheinwerfern angestrahlt. Die Dunkelheit hatte sich nun ganz über die Stadt gelegt.
Wir hielten an einer bewachten Wohnanlage und fuhren mit dem Fahrstuhl in den 11. Stock hinauf. Konstantin wies mir aus geräumige Wohnzimmer als Schlafplatz zu; dort gab es bereits eine 2x2-Meter-Matratze und ein ausklappbares Sofa. Solange seine anderen Mitbewohner nicht da waren, sollte ich auf der Matratze schlafen.
Wir setzten uns in der Küche zusammen, tranken Tee und lernten einander kennen. Ich fühlte mich sofort in diese kleine Familie aufgenommen.
Der Zug fuhr gleichmäßig ratternd Richtung Westen. Im Halbschlaf, kurz vor dem Aufwachen dachte ich: "Hmm, da macht jemand Schaschlik" - aber nein, es war nur der Wald, der brannte. Zumindest kam ich nun langsam in die Gegend mit den Waldbränden. Das Feuer selbst sah ich nicht; es musste noch hunderte von Kilometern entfernt sein, sonst hätte man den Zugverkehr schon eingestellt, aber ein dichter, rußiger Nebel lag über den Wäldern, Wiesen und Dörfern; meist lag nur ein leichter Geruch nach ausgetrocknetem Holz in der frisch angefeuerten Sauna in der Luft, aber ab und zu stach es scharf in die Nase; es stank nach verbrannten Autoreifen.
Die Sonne konnte man nur erahnen, und die Hitze war drückend, sogar der Fahrtwind aus dem offenen Fenster fühlte sich an wie ein auf lauwarm gestellter Föhn.
Mir gegenüber saß wie eine Großmutter mit ihren beiden Enkeln, die ich wieder mit meinem Origami beeindruckte, aber mir blieben nur wenige Stunden bis zum Ziel. Sie mahnte ihre Enkel gut aufzupassen, aber die waren nicht besonders interessiert, und sie fühlte sich wahrscheinlich zu alt, so etwas noch zu lernen. Ich bastelte geschwind zwei gleichartige stachelige Bälle und warf sie den Jungs beim Aussteigen noch schnell zu.
Die Hitze erschlug mich gleich. Mein Gastgeber Michal wartete außerhalb des Bahnhofs auf mich, schrieb er per SMS und ich schleppte mühsam allein meinen Koffer hinaus, einfach den Menschenmassen hinterher und gelangte in eine Halle, durch deren Fenster ich schon den Bahnhofsvorplatz sehen konnte. Mich trennten nur eine Reihe von Drehkreuzen davon, die man nur mit einer Karte mit Barcode öffnen konnte. Ich ging zur Information und fragte auf Englisch danach, aber das Mädel, das dort arbeitete, sah mich nur hilflos an. Ich legte mir gerade einen Satz auf Russisch zurecht, da bat sie ihren Kollegen, die Ausländerin, also mich, durch die Absperrung für die Koffer zu lassen.
Draußen fand ich nach kurzem Michal; er kam aus Tschechien und arbeitete gemeinsam mit einem Deutschen an einem sozialen, EU-finanzierten Projekt. Ich konnte nicht genau herausfinden, was sie genau machten, aber es hatte etwas mit Fahrrädern zu tun. Michal wirkte vor allem matt und nicht besonders gesprächig; ihm hatte der Rauch und die Hitze der letzten Wochen sichtbar zugesetzt. Mich machte die Atmosphäre hier eher gereizt und ich konnte es nicht abwarten, eine Badegelegenheit zu finden.
Michal nahm meinen Koffer und ging voran; er wohnte nicht weit vom Bahnhof entfernt. Er trug ihn in ihre Wohnung hinein, die vor allem durch eine exzentrische Wanddekoration aus Hochglanzmagazin-Seiten und eine Art riesiges Gästebuch auffiel, auf der sich eine Reihe von Besuchern in unterschiedlichen Sprachen verewigt hatte.
Michal lernte russisch wie ich, also eher nebenbei und ohne einen richtigen Sprachkurs, aber ihm fiel es leichter, weil tschechisch mit dem Russischen noch etwas näher verwandt war als das Deutsche.
Er und sein deutscher Mitbewohner Kostja schmiedeten schon eine ganze Weile Pläne, wie sie aus der Stadt zu entkommen könnten und wohin es gehen sollte. Im Moment dachten sie an die Ukraine, aber ich riet ihnen von den Zügen im Moment ab, wenn es nicht gerade die klimatisierte Transsib war. Das musste wohl auch um die Zeit herum gewesen sein, als in Deutschland die Klimaanlagen in den ICEs versagten. Aber so ein Flugticket musste man sich erstmal leisten können.
So überlegten sie hin und her und blieben doch in Nischnij, zumal sich noch der eine oder andere Couchsurfer angekündigt hatte und die schlimmste Zeit schon vorbei gegangen sei, meinte Michal und zeigte mir Fotos, die einige Tage alt waren und eine in schwarzen Rauch gehüllte Lenin-Statue zeigte. Mittlerweile war es draußen nur noch trüb und drückend. Wer konnte, hatte die Stadt schon verlassen oder war dabei, dies zu tun, denn gesund war die Luft immer noch nicht. In den Nachrichten verglichen sie es mit Kettenrauchen.
Kurz gesagt - beide wollten nicht das Haus mit mir verlassen, gaben mir aber eine Stadtkarte und Michal erklärte mir, wie ich zu dem großen See am anderen Ende der Stadt kam.
Ich packte meine Badesachen zusammen und machte mich auf den Weg, wobei ich schon bis zur Bushaltestelle meine Orientierung verloren hatte und schwitzte und fluchte. Ich hatte mir mein Schlauchtuch befeuchtet und vor Mund und Nase gezogen um den Rauch etwas zu filtern und das Atmen zu erleichtern. Das half tatsächlich, dennoch sah ich niemanden mit einem Mundschutz durch die Stadt gehen.
Die Hitze und der Rauch in der Luft machte viele Leute gereizt und unausstehlich, andere nur passiv und so hilfreich wie Fußpilz als ich versuchte den Bus und den See zu finden. Selbst mit aufgefalteter Straßenkarte vor der Nase war die Schaffnerin nicht bereit einen Blick darauf zu werfen um mir zu sagen, ob es die richtige Richtung war. Sie saß nur passiv da, und sah irgendwie aus wie ein Zombie.
Natürlich war ich wieder in der falschen Richtung unterwegs, konnte aber schon mal vom Bus aus einen guten Blick auf die Innenstadt und den Kreml werfen, die ich mir anschauen wollte, sobald ich mich abgekühlt hatte.
Ich stieg in die Gegenrichtung ein und wartete darauf, dass endlich die Haltestelle angesagt wurde, an der ich laut Michal aussteigen sollte. Er hatte gemeint, ich könnte sie nicht verpassen, das sei direkt nach einer Kirche außerhalb der Stadt. Dort gab es auch einen sehr interessanten Friedhof, den ich mir anschauen sollte. Ich sah eine Kirche, aber die Haltestelle war nicht die von ihm genannte. Doch schon die Haltestelle danach war das Bus-Depot, in dem ich herausgekehrt wurde. Ich zeigte dem Fahrer die Karte, der daraufhin einen Kollegen fragte, der mich wiederum zu einem anderen Bus mit einer Kollegin brachte. Die meinte schließlich, ich müsse nur die Straße gerade zurück laufen und dann nach rechts. Sie sagte noch viel mehr, aber die Hitze blockierte mein Verständnis für Russisch, so nickte ich nur und bedankte mich.
Sie hatte Recht gehabt; ich musste nur an den Garagen vorbeigehen und kam auf eine sandige, steil gewundene und von Autoreifen gesäumte Straße, hörte Musik und roch Schaschlik. Der Müll auf dem Weg verdichtete sich, dann sah ich die ersten Autos parken und dahinter Wasser zwischen den Bäumen aufblitzen.
Der Sand lag hoch zwischen den Bäumen, der See selbst war mit Schilf gesäumt. Ich ging ein wenig ringsherum spazieren um einen ruhigeren Platz zu finden, denn die Hälfte der dagebliebenen Stadtbewohner hatte sich hier versammelt.
Ich wurde bald fündig; nur zwei Männer und ein kleines Mädchen lagen an diesem abgeschiedenen Strändchen. Ich warf meine Kleider schnell auf einen quer liegenden Baumstamm und sprang ins Wasser. Der Vater und seine Tochter spielten im Wasser; er warf sie hoch und sie ließ sich wie eine Bombe ins Wasser platschen.
Ich ging etwas abseits von ihnen ins Wasser und der Vater fragte mich höflich, ob sie mich nicht störten, und so kamen wir ins Gespräch. Ich machte Fotos von ihnen und ließ mir ihre E-Mail-Adresse geben um sie ihnen später zuzuschicken. Besonders freundete ich mich mit der Kleinen an, die mir eins ihrer Freundschaftsarmbänder aus roten und gelben Perlen schenkte, das ich seitdem trage, weil es mich immer an diesen erstaunlichen Sommer erinnerte. Ich bastelte ihr eine Origami-Lilie und brachte ihr das Falten bei, und sie erstaunte mir, als sie mir einen Kranich bastelte. Insgesamt gab ich ihr drei Blumen und sie mir drei Kraniche, und es wären vielleicht noch mehr geworden, denn sie nahmen mich in ihrem Auto mit zurück in die Stadt. Auf der Fahrt hatten wir die ganze Zeit gefaltet und kein Ende finden können; wir parkten schon am Bahnhof als wir die letzten Faltschritte machten und der Vater uns drängte, dass die Mutter sicher schon auf sie wartete.
Viel geschah an diesem Abend nicht mehr; die rußige Luft hatte mich ausgelaugt, und die erfrischende Wirkung des Wassers war schon auf dem Nachhauseweg wieder verdampft. Ich wollte mich etwas nützlich machen und einen Salat zum Abendessen zubereiten und fragte, meine Gastgeber, was aus dem Supermarkt brauchten. Sie bestellten sich bei mir Tiefkühlpizza und Michal wollte meinen Salat nicht. Irgendwie waren wir noch nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen, aber nun machte ich ihm mit russischem Rock vertraut - das lockte ihn etwas aus der Gleichgültigkeit, aber wir gingen trotzdem früh schlafen. Soweit das bei der Hitze möglich war. Ich hatte überlegt auf dem Balkon zu schlafen, aber da hätten mich die Mücken gefressen und ich hätte die ganze Nacht ungefiltert diesen Rauch geatmet.
Aber zumindest hatte ich an diesem Ort Internet, sodass es mir endlich gelang, einen Gastgeber in Couchsurfing zu finden. Er hieß Konstantin und lebte nach eigenen Angaben in einer großen, glücklichen Familie aus Freunden. Ich stellte mir darunter eine Hippie-Kommune vor, aber das war vielleicht gar nicht so schlecht.
8.8.
Ich hatte nur einen ganzen Tag in Nischnij, morgen Vormittag würde ich schon nach Moskau aufbrechen, deshalb biss ich die Zähne zusammen, tränkte mein Kopftuch in Wasser und verbarg Mund und Nase drin, hängte mir das ebenfalls nasse Handtuch über die Schultern und machte mich so gerüstet zum Extrem-Stadtbesichtigen auf.
Ich nahm den Bus zum Stadtzentrum und stieg gleich an dem Kloster aus, das mir am Vortag aufgefallen war. In der Nähe der Haltestelle gab es eine Art heilige Quelle. Ein langhaariger Mann in Schlappen, der wie Jesus selbst aussah, bekreuzigte sich davor bevor er herantrat und ihr Wasser trank. Aber nicht alle nahmen die Heiligkeit so ernst. Viele füllten sich leere Flaschen mit diesem Wasser ab und sogar Busfahrer hielten direkt an der Quelle, ließen den Motor laufen und füllten sich ihre Flaschen auf.
Ich beschloss, dem Wasser auch zu vertrauen, und es schien eine echte Quelle zu sein, denn das Wasser war eisig. Ich mischte meinen Saft damit, der mir mittlerweile zu süß geworden war, und tränkte meine Tücher in diesem Wasser. So erfrischt fühlte ich mich stark genug, den Berg hinaufzusteigen, aber dort oben gab es nichts Interessantes außer wieder die allgegenwärtigen Hochzeitsgesellschaften.
Das Kloster am Fuß des Berges schien mir interessanter. Gerade hatte ich ein junges Mädchen im weißen dabei beobachtet, wie es singend zu einer zweiten Quelle gesprungen war, sich dort bekreuzigte und fast spielerisch wieder davonsprang. And dieser Quelle stand aber wirklich ein großes, orthodoxes Holzkreuz, und eine Art Höhe war mit einem Gitter versehen gewesen. Dies alles schien zum Gelände des Klosters zu gehören, denn dort standen weitere Gebäude, einzeln auf der Wiese verteilt, wahrscheinlich Waschhäuser, aber mit hölzernem Zwiebeltürmchen, und daneben stand eine moderne Umkleidekabine aus Wellblech.
Am Eingang des Klosters wurde mir von einem Wachtmann ein Rock ausgeliehen, den ich über meine Jeans ziehen musste. Einzelne Frauen arbeiteten draußen im Garten, andere wischten den Boden in den Wohn- und Bethäusern. Die große Kirche war für Besucher geschlossen, aber sonst konnte ich mich frei umsehen, man nahm kaum Notiz von mir. Ich steckte einen Schein in den Spendenbehälter und ging wieder nach draußen.
Die Stadt wirkte teilweise wie ausgestorben, es wirkte schon ein wenig gruselig, und über allem lag ein dichter, hellgrauer Rauch.
Ich tauchte mein Handtuch wieder ins Wasser und folgte dem Verlauf des Berges Richtung Kreml. Die Digitalanzeige einer Apotheke zeigte, dass es satte 39 Grad waren. So hatte ich zuletzt in Usbekistan in der Sonne gebraten. Es war der heißeste Sommer seit 100 Jahren. Die Springbrunnen waren ein beliebter Ort zur Abkühlung, nicht nur für Kinder, sondern für alle, die zu dieser Zeit unterwegs waren.
Ich sah eine wunderschöne Kirche wie aus einem Märchen auf dem Weg; hier hatte vor kurzem jemand geheiratet, denn der gewundene Weg zum Eingang lag voller frischer Rosenblätter. Ich ging zur Besichtigung hinein, denn es war angenehm kühl im Inneren von Kirchen, und mein Kopftrug trug ich mittlerweile auch wieder auf dem Kopf, weil es in der Hitze auf Dauer zu unangenehm war, durch ein Tuch zu atmen. Der charakteristische süße und zitronenartige Geruch orthodoxer Kirchen stieg mir bald zu Kopf. Man konnte bei diesem Wetter wirklich nur zu Hause bleiben.
Dennoch entscheid ich mich, weiter zum Kreml zu gehen. Die Burg thronte schon ganz in der Nähe über der wenig befahrenen Straße, gesäumt von weiteren, gold glänzenden Zwiebeltürmen.
Ein steiler, gepflasterter Weg führte nach oben, vorbei an einer riesigen Glocke und den hohen Verteidigungsmauern. Ich musste ein ganzes Stück um die Festungsanlage herumlaufen bis ich den schmalen Eingang fand, der von erschöpften Polizisten bewacht wurde, die mich gar nicht wahrnahmen.
Innerhalb der Mauern befanden sich Parkanlagen und verschiedene Panzer und Flugabwehrraketen, Flugzeuge und sogar eine Schiffsbrücke waren dort ausgestellt. Gegen eine Gebühr konnte man sich die Uniform der Sowjetarmee ausleihen und Fotos von sich schießen lassen. Für andere Geschmäcker gab es Prinzessinnenkostüme.
Der größte Teil der Anlage aber wirkte sehr modern; man hatte nur die Mauern original belassen und moderne Verwaltungsgebäude errichtet, die von einer gepflegten Parkanlage von einander getrennt waren. Hier befand sich die Stadtverwaltung, und an der dem Fluss zugewandten Seite das ewige Feuer. Ein schwarzer BMW wurde von Polizeiautos nach draußen eskortiert.
Ich ging wieder zurück zur touristischen Seite des Kremls. Es gab dort viele Souvenirläden und einzelne Stände in der Kühle der Kreml-Zufahrten. Das beliebteste Souvenir waren offenbar mittelalterliche Keulen aus Holz, die überall in verschiedenen Größen verkauft wurde - vom Schlüsselanhänger bis zur Originalgröße.
Ich beschloss, die Besichtigungen für heute sein zu lassen und zum gleichen See wie gestern zu fahren. An der Bushaltestelle vor dem Kreml kam ich kurz mit einem Mädel auf Englisch ins Gespräch; wir verstanden uns recht gut und ich fand es bedauerlich, dass ihr Bus bald darauf kam.
Ich konnte von hieraus direkt mit dem Bus durchfahren, doch als ich ausstieg, zog mich die Kirche magisch an, die wie in einem Märchen aus einem verwunschenen Nebel aufgetaucht war. Gedämpft hörte ich die Chorgesänge der Messe und ein Schauer lief mir über den Rücken.
Eine kleine Holzbrücke führte mich über einen morastartigen Fluss, an dessen Ufern Birken versanken. Doch als ich das Gelände der Kirche selbst betrat, war der Bann gebrochen. Es war eine einfache Kirche mit einem davor parkenden Auto, einem Umspannhäuschen und einem modernen Kinderspielplatz im Hinterhof.
Ein Straße führte daran vorbei zum Friedhof. Seltsame Aufbauten befanden sich am Straßenrand - Kisten, die mit alten, grauen Planen abgedeckt waren, und davor standen reihenweise alte Wasserbehälter. Erst bei genauerem Hinblicken wurde mir klar, dass hier tagsüber Blumen verkauft wurden. Es war schon relativ spät und die Verkäufer waren wahrscheinlich alle schon nach Hause gefahren. Erst ein Stück die Straße hinunter sah ich den letzten Verkäufer zusammenpacken. Der größte Teil seines Blumensortiments bestand aus künstlichen Blumen, nur einige frische Sträuße staken noch in abgeschnittenen Wasserflaschen, die mit dem Hals nach unten auf ein Brett genagelt waren.
Der Friedhof war laut Tafel noch eine Stunde geöffnet - genug Zeit mich darauf umzusehen, dachte ich. Aber das Gelände war viel größer und verworrener als es auf den ersten Blick ausgesehen hatte. Es musste bestimmt einen Quadratkilometer messen. Deshalb führte die Straße direkt hinein, oder vielleicht auch durch, sodass man mit dem Auto direkt zum Grab fahren konnte.
Michal hatte Recht gehabt, dieser Friedhof war wirklich einen Besuch wert gewesen. Hier lagen einige Exzentriker begraben. Zwar war es in Russland üblich, auf dem Grabstein das Foto eingemeißelt zu haben, aber einige hatten es übertrieben und ein Ganzkörperbild in Lebensgröße zu ihrem Denkmal gemacht - posierend in Lederjacke. Dabei schaute er so grimmig, als würde er um Mitternacht aus seinem Grab heraus steigen und das Essen von den Tischchen der anderen Begrabenen klauen.
Auch wenn es vielleicht so aussah - das zweite Foto zeigt ein Grab, keinen Picknickplatz. Das Essen gab man... nun, den Gestern. In das Christentum hatten sich überall auf der Welt heidnische Bräuche eingeschmuggelt.
Ich spazierte zurück zum See, der noch genauso bevölkert war wie gestern, obwohl es schon recht spät am Abend war und die Sonne schon unterging. Nach etwa einer Stunde machte ich mich auf den Heimweg, aber einen Bus zu bekommen echtes Geduldsspiel, entweder kam einfach keiner oder wenn einer kam, hielt er nicht an.
Am Ende war ich froh, nach einer halben Stunde doch von der Bushaltestelle fort zu kommen, auch wenn mir ein paar Gopniks im Minibus ihr Bier über die Füße kippten.
Das Wetter hatte sich aber spürbar gebessert und die Luft aufgeklart, und über dem Bahnhof hing sogar schon die erste Kumuluswolke, doch Regen brachte sie auch nicht.
Der Abend und die Nacht verliefen wieder ohne große Ereignisse; wir aßen Tiefkühlpizza und gingen bald schlafen.
9.8.
Der Vormittag sah sonnig aus und der Rauch war fast völlig aus der Luft verschwunden. Kostja hatte eigentlich Nebelfotos machen wollen, aber seine Kamera war kaputt. Ich bot an, ihm die Fotos zu schicken, die ich geschossen hatte, und auch noch eins mit seiner Atemmaske zu machen und vielleicht mit Photoshop etwas Nebel hinzuzufügen.
Und als wir das Haus verließen und in die Sonne blinzelten, kam ich mir vor wie einer der letzten Überlebenden in einem Katastrophenfilm: Der atomare Winter war vorbei, wir verließen den Bunker, die Sonne schien, ein Vogel zwitscherte - es gab wieder Hoffnung für die Menschheit.
Kostja ging zurück ins Haus und ich zum Supermarkt um die Ecke um Proviant für meine Reise nach Moskau zu kaufen, obwohl es nur noch wenige Stunden mit dem Zug von Nischnij aus waren.
Und schon wieder konnte ich nur die letzte Lapscha-Fertignudel-Packung kaufen - entweder war es vorher zu Hamsterkäufen gekommen, oder man hatte endlich herausgefunden, dass das Zeug gesundheitsschädigend war.
Ich sah noch einmal meine E-Mails durch; mein Vater hatte mir wieder eine besorgte Nachricht geschrieben, ich solle doch versuchen früher nach Hause zu kommen - sogar die deutsche Botschaft sei schon geschlossen, wegen Atomstaubgefahr: Wenn die Flammen die Atomaufbereitungsanlagen erreichen, oder irgendwelche nichtverzeichneten Atommülldeponien, würde radioaktiv verseuchter Staub in die Luft geraten, und wenn sich die Flammen weiter ausbreiteten, sei Moskau vielleicht gar nicht mehr mit dem Zug verlassbar... es klang nach dem reinsten Weltuntergang - als stünden schon alle Städte in der Gegend in Flammen und ich müsste nur mal das Haus verlassen um es mitzubekommen. Die Sonne blitzte trügerisch durchs Fenster. So war es schwer, die Warnungen ernst zu nehmen. Der Botschafter hatte bestimmt nur einen triftigen Grund gesucht, die Stadt zu verlassen, und im deutschen Fernsehen wiederholte man sicher die Bilder von letzter Woche, weil es im Sommerloch keine anderen Nachrichten gab.
Denn es gab schon seit Dienstag keine Probleme mehr mit dem Flugverkehr, hatte mir Wowa geschrieben.
Aber da war die sechsfache Grenzwertüberschreitung für Rußpartikel in der Luft... nun gut, dann konnte man eben Russland wieder nach alter Rechtschreibung schreiben und es kratzte ein wenig im Hals, aber das hatte man nach einem Abend in einer Raucherkneipe auch.
Und von wegen, der Staub aus atomar verseuchten Böden könnte aufgewirbelt werden und man sollte auf die Anweisungen der lokalen Behörden reagieren - die Russen nahmen es gelassen: "Sollte wirklich was sein, erfahren wir es vielleicht in ein paar Monaten - aber dann ist's eh zu spät." Die Haltung übernahm ich mir und packte meinen Koffer für Moskau.
Irgendwie hatte ich die Zeit etwas verpasst; mein Zug fuhr schon in einer halben Stunde. Michal bot seine Hilfe beim Koffertragen an; ich sah ihm an, dass er nur ungern das Haus verließ, aber allein hätte ich das nie in 30 Minuten geschafft, auch wenn der Bahnhof um die Ecke lag - dazwischen lag ein Kilometer und eine lange Unterführung mit zu vielen Stufen.
Bis zur Eingangshalle trug Michal mir den Koffer, doch dann sah er die Polizisten und ihm fiel ein, dass er keine Pass dabei hatte - und ohne Pass wollte er besser nicht in Miliz-Nähe kommen.
Wir verabschiedeten uns schnell und er entschuldigte sich, dass er nicht lustiger drauf gewesen war in den letzten Tagen. Nächste Woche wollten sie ihren wohlverdienten Urlaub in der Ukraine antreten.
Im Zug war es kochend heiß, wie in einem fahrenden Banya, und es roch genauso. Meine Mitreisenden kippen sich vorsichtig Wasser aus Flaschen über die Arme und kleckerten sich dabei erwartungsgemäß voll. Wir lagen alle ermattet und regungslos auf unseren Bänken, an denen man festklebte, wenn man nicht schon sein Bettzeug darauf ausgebreitet hatte. Wahrscheinlich hatten wir es deshalb bekommen, oder weil wir eh dafür bezahlt hatten, aber eine weitere Nacht würde niemand im Zug verbringen, denn Moskau war die Endstation dieses Zugs.
Mir gegenüber saß ein freundlicher, dicker, ehemaliger Afghanistanpilot. Er sprach mit allen Mitreisenden gleichzeitig und erzählte dabei ständig Geschichten, denen ich nur wenig folgen konnte.
Ein längerer Stopp war im Fahrplan verzeichnet. Wir gingen alle gemeinsam nach draußen; dort war es durch einen leichten Wind angenehmer als drinnen im Zug. Einige Leute gingen zum Spazieren in die Stadt. Ein Fehler.
Der Zug sollte eigentlich 85 Minuten halten, fuhr aber schon 17:50 wieder los statt 18:10, und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es noch nicht alle rechtzeitig zurück geschafft hatte, zum Beispiel meine Nachbarn von seitlich gegenüber - da hing noch eine Hose über dem Bett und ein Buch im Netz, aber keine Spur von den Besitzern. Von solchen Geschichten hatte ich bereits gehört und deshalb vermieden, mich weiter als ein paar Meter vom Zug zu entfernen.
An der nächsten Station waren sie dann plötzlich wieder da. Entweder waren sie mit dem Taxi hinterher gefahren, oder sie hatten die Zeit einfach im Speisewagen verbracht.
Der Nebel wurde wieder dichter und schluckte das Tageslicht, sodass es mitten am Tag dämmerte. Es roch intensiv nach einem Lagerfeuer. Ich zog mir das nasse Kopftuch über Mund und Nase, und lief in diesem Aufzug auch durch den Zug, und nur wenig später tauchten schon die ersten Atemschutzmasken auf den Tischchen anderer Reisender auf.
Wir hielten nun in winzigen Städten, die nicht auf dem Fahrplan standen. Teilweise waren es nicht einmal Städte, sondern hölzerne Plattformen mit Kilometerangaben. Ich konnte es nicht erwarten, endlich in Moskau anzukommen.
Um 21 Uhr war es dann so weit. Mein Gastgeber Konstantin schrieb mir per SMS, dass er mit seiner halben Familie auf dem Bahnsteig auf mich wartete.
Die Hälfte stellte sich als zwei Mädels heraus - seine Freundin und deren beste Freundin. Der Rest war gerade verreist, sonst wäre er auch mitgekommen.
Die drei waren über alle Maßen freundlich und erlaubten es mir nicht, meine Taschen selbst zu tragen. Englisch sprach nur Konstantin, aber so etwas hatte ich schon erwartet und meinte, dass sie spätestens in zwei Tage mit dem Englischsprechen beginnen würden. Konstantin verneinte das - nicht nur, dass sie es sich nicht zutrauten, nein, sie wollten es absolut nicht lernen.
Obwohl die Luft voller Ruß war, sah ich nur zwei Leute auf dem Weg, die eine Atemmaske trugen; auch meine Gastgeber meinten, das bringe eh nichts, und mittlerweile sei die Luft doch schon wieder recht atembar. Ich trug weiterhin mein Kopftuch vorm Gesicht, aber der Geruch von brennendem Holz drang weiterhin gedämpft auch zu mir durch.
Konstantin hatte ganz in der Nähe geparkt, und um mir eine Freude zu machen, fuhr er direkt durchs Stadtzentrum zurück und deutete aus dem Fenster um mich auf die Moskauer Sehenswürdigkeiten aufmerksam zu machen. Der rote Platz war hell erleuchtet und einzelne Gebäude waren mit Scheinwerfern angestrahlt. Die Dunkelheit hatte sich nun ganz über die Stadt gelegt.
Wir hielten an einer bewachten Wohnanlage und fuhren mit dem Fahrstuhl in den 11. Stock hinauf. Konstantin wies mir aus geräumige Wohnzimmer als Schlafplatz zu; dort gab es bereits eine 2x2-Meter-Matratze und ein ausklappbares Sofa. Solange seine anderen Mitbewohner nicht da waren, sollte ich auf der Matratze schlafen.
Wir setzten uns in der Küche zusammen, tranken Tee und lernten einander kennen. Ich fühlte mich sofort in diese kleine Familie aufgenommen.










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