13.03.
Heute ist Samstag und ich hatte Vorlesungen - von 11 bis 15 Uhr, ein unendlich langer Vortrag über Antennen und mobile Kommunikation von einem in die Jahre gekommenen Professor, der ohne Vorbereitung stundenlang über dieses Thema sprechen konnte und dabei schneller Formeln wegwischt als er sie überhaupt anschreiben kann. Irgendjemand war mal wieder zerstreut gewesen und hatte uns eine andere Uhrzeit für das Ende des Kurses gesagt als dem Professor. Gegen 14:30 begannen die ägyptischen Studenten zu rebellieren und im allgemeinen Tumult verschwand ich aus der Tür, denn Wowa hatte mich zu einem Besuch im Kalaschnikow-Museum eingeladen.
Um 15 Uhr trafen wir uns an der Uni, denn er hatte auch so lange Vorlesungen gehabt, und fuhren gemeinsam mit dem Trolleybus in die Stadt. Am Denkmal der russisch-udmurtischen Völkerfreundschaft trafen wir auf Rascha, einen Doktoranten, der ein Jahr lang in Zwickau gewesen war. Es war komisch, wieder deutsch zu sprechen, da ich völlig auf Englisch eingestellt war und sogar schon Selbstgespräche mit mir auf Englisch führte. Wahrscheinlich kein Zeichen geistiger Gesundheit.
Das Völkerfreundschaftsdenkmal stand am Ufer des riesigen Izhevsker Stausees, der noch zugefroren war. In Ufernähe saßen einige Fischer vor ihren Eislöchern. Es war der größte Stausee Russlands und im Sommer wahrscheinlich eine Schönheit, wenn nicht die Schornsteine des Stahlwerks am Ufer in den Himmel ragen würden. Man konnte über einen großen Teil der Stadt sehen; in der Ferne lagen weitere Fabriken und unsere Uni, eingezwängt zwischen Wohnhäusern im sowjetischen Stil. Das Wetter war trüb und Schnee lag in der Luft. Russland zeigte seine kalte Schulter bei -6 Grad.
Wir stiegen hunderte von Stufen aufwärts bis wir an einem weiten Platz herauskamen. Der Zentralplatz, den ich auch schon gesehen hatte, mit dem Präsidentenpalast, dem Kalaschnikow-Museum und die sich daran anschließende St-Michaels-Kirche.
Das Kalaschnikow-Museum war ein moderner Bau aus dem Jahr 2004, der Eintritt kostete für russische Studenten etwa 1,50 Euro, für mich 3 Euro. Dazu kam noch einmal 1,50 Euro für die Erlaubnis zum Fotografieren. Die Jacken mussten wir an der Rezeption abgeben und empfingen komische blaue Säckchen, die wir über unsere Schuhe steifen mussten um den blanken Boden nicht zu beschmutzen. Nur Frauen in Stöckelschuhen waren von dieser Regelung ausgenommen. Wahrscheinlich aufgrund der Verletzungsgefahr. Ich schlitterte auch mehr oder weniger geschickt in meinen verpackten Stiefeln über den Marmor.
Das Museum hatte mehrere Stockwerke, war rund und stilvoll gehalten. Ausgestellt waren alle Arten von Waffen - vom ersten in Izhevsk produzierten Gewehr über die Entwicklungsstufen der Kalaschnikow bis zur Kalaschnikow-Varianten aus anderen Ländern. Daneben war multimedial das Leben des Michail Timofejewitsch Kalaschnikow dargestellt, dem Konstrukteur der gleichnamigen Automatikwaffe. Er hatte dutzende von Diplomen, Orden und Geschenken aus allen Ländern erhalten, hatte jedem Diktator der Welt einmal die Hand geschüttelt, und ist dabei immer ein einfacher, bescheidener Mann geblieben, der treu seinem Vaterland dient. Letztes Jahr ist er 90 Jahre geworden und lebt noch immer irgendwo in Izhevsk.
Für 10 Rubel - etwa 25 Cent - konnte man selbst einmal eine Kalaschnikow auseinandernehmen und wieder zusammenbauen, unter Anleitung natürlich. Meine beiden Begleiter hatten dies schon im Militärvorbereitungskurs machen müssen und überließen mir das Feld. Viele Teile ließen sich nur ausgesprochen schwer abmontieren, und so eine Kaschi wog auch ein paar Kilogramm - nichts für zarte Frauenhände also. Es war dennoch eine faszinierende Erfahrung, eine solche Waffe in den Händen zu halten, die ich sonst nur aus dem Fernsehen kannte, und ihre Funktionsweise zu studieren.
Im Keller des Museums ging es dann zur Sache: Für 50 bis 100 Rubel durfte man selbst einmal an die scharfen Waffen gehen und damit auf ein Ziel schießen. Eine Informationstafel zeigte die zur Verfügung stehenden große und kleinen Kaliber. Ich war nicht sicher, ob ich selbst schießen sollte, aber ich wurde schließlich überzeugt und erhielt eine für Damen besonders geeignete Sniper.
Ich kaufte mir fünf Schuss, bekam Ohrenschützer dazu und wurde in das System eingewiesen. Ein Computer zeigte an, welche Stelle auf der Zielscheibe getroffen wurde. Noch ein paar Handgriffe zeigten, wie man die Waffe am besten hielt, wie man das Ziel durch den Sucher mit dem Laserpunkt fokussierte, und dann drückte ich zum ersten Mal ab. Der Rückstoß war nicht so stark wie erwartet, aber ich hatte bestenfalls nur den Fuß meiner Zielscheibe getroffen. Beim zweiten Schuss traf ich zufällig fast die Mitte und der Rückstoß gab mir einen leichten Stubser an die Nase. Doch ich war begeistert. Nun Konzentration... und wieder daneben. Nun ließ ich Wowa ran, der bei dem ganzen um einiges professioneller aussah. Einer daneben, einer ins Ziel - so wirds gemacht.
Wir haben am Ende der Tour angelangt; im Souvenirladen kaufte ich mir nur Postkarten, weil ich bezweifelte, dass ich eine Kaschi als Souvenir nach Deutschland mitbringen konnte, und wir bekamen Patronenhülsen als Gratis-Souvenir dazu.
An das Kalaschnikow-Museum schlossen sich Repräsentativbauten an, und Parks, die voller Schnee lagen, dass dort sogar einige große Schneehöhlen gebaut worden waren, in denen Kinder spielten. Wir errichten das ewige Feuer, das ein unverzichtbarer Bestandteil jeder ehemalig-sowjetischen Stadt zu sein schien, und gingen noch etwas entlang der Puschkin-Straße spazieren, die eine Art Hauptstraße der Stadt war: Sehr breit und von teuren Geschäften und Restaurants gesäumt.
Ich bekam endlich ein Foto mit Lenin, der als Statue hoch vor seiner Bibliothek prangte, und dann waren wir schon wieder am Stausee angekommen.
Ich war müde, aber glücklich. Nur mit Mühe schreibe ich jetzt diesen Text, während mir schon die Augen zufallen. Meine Hände riechen nach Asservatenkammer, aber das muss wohl so sein nach so einem Tag.
Heute ist Samstag und ich hatte Vorlesungen - von 11 bis 15 Uhr, ein unendlich langer Vortrag über Antennen und mobile Kommunikation von einem in die Jahre gekommenen Professor, der ohne Vorbereitung stundenlang über dieses Thema sprechen konnte und dabei schneller Formeln wegwischt als er sie überhaupt anschreiben kann. Irgendjemand war mal wieder zerstreut gewesen und hatte uns eine andere Uhrzeit für das Ende des Kurses gesagt als dem Professor. Gegen 14:30 begannen die ägyptischen Studenten zu rebellieren und im allgemeinen Tumult verschwand ich aus der Tür, denn Wowa hatte mich zu einem Besuch im Kalaschnikow-Museum eingeladen.
Um 15 Uhr trafen wir uns an der Uni, denn er hatte auch so lange Vorlesungen gehabt, und fuhren gemeinsam mit dem Trolleybus in die Stadt. Am Denkmal der russisch-udmurtischen Völkerfreundschaft trafen wir auf Rascha, einen Doktoranten, der ein Jahr lang in Zwickau gewesen war. Es war komisch, wieder deutsch zu sprechen, da ich völlig auf Englisch eingestellt war und sogar schon Selbstgespräche mit mir auf Englisch führte. Wahrscheinlich kein Zeichen geistiger Gesundheit.
Das Völkerfreundschaftsdenkmal stand am Ufer des riesigen Izhevsker Stausees, der noch zugefroren war. In Ufernähe saßen einige Fischer vor ihren Eislöchern. Es war der größte Stausee Russlands und im Sommer wahrscheinlich eine Schönheit, wenn nicht die Schornsteine des Stahlwerks am Ufer in den Himmel ragen würden. Man konnte über einen großen Teil der Stadt sehen; in der Ferne lagen weitere Fabriken und unsere Uni, eingezwängt zwischen Wohnhäusern im sowjetischen Stil. Das Wetter war trüb und Schnee lag in der Luft. Russland zeigte seine kalte Schulter bei -6 Grad.
Wir stiegen hunderte von Stufen aufwärts bis wir an einem weiten Platz herauskamen. Der Zentralplatz, den ich auch schon gesehen hatte, mit dem Präsidentenpalast, dem Kalaschnikow-Museum und die sich daran anschließende St-Michaels-Kirche.
Das Kalaschnikow-Museum war ein moderner Bau aus dem Jahr 2004, der Eintritt kostete für russische Studenten etwa 1,50 Euro, für mich 3 Euro. Dazu kam noch einmal 1,50 Euro für die Erlaubnis zum Fotografieren. Die Jacken mussten wir an der Rezeption abgeben und empfingen komische blaue Säckchen, die wir über unsere Schuhe steifen mussten um den blanken Boden nicht zu beschmutzen. Nur Frauen in Stöckelschuhen waren von dieser Regelung ausgenommen. Wahrscheinlich aufgrund der Verletzungsgefahr. Ich schlitterte auch mehr oder weniger geschickt in meinen verpackten Stiefeln über den Marmor.
Das Museum hatte mehrere Stockwerke, war rund und stilvoll gehalten. Ausgestellt waren alle Arten von Waffen - vom ersten in Izhevsk produzierten Gewehr über die Entwicklungsstufen der Kalaschnikow bis zur Kalaschnikow-Varianten aus anderen Ländern. Daneben war multimedial das Leben des Michail Timofejewitsch Kalaschnikow dargestellt, dem Konstrukteur der gleichnamigen Automatikwaffe. Er hatte dutzende von Diplomen, Orden und Geschenken aus allen Ländern erhalten, hatte jedem Diktator der Welt einmal die Hand geschüttelt, und ist dabei immer ein einfacher, bescheidener Mann geblieben, der treu seinem Vaterland dient. Letztes Jahr ist er 90 Jahre geworden und lebt noch immer irgendwo in Izhevsk.
Für 10 Rubel - etwa 25 Cent - konnte man selbst einmal eine Kalaschnikow auseinandernehmen und wieder zusammenbauen, unter Anleitung natürlich. Meine beiden Begleiter hatten dies schon im Militärvorbereitungskurs machen müssen und überließen mir das Feld. Viele Teile ließen sich nur ausgesprochen schwer abmontieren, und so eine Kaschi wog auch ein paar Kilogramm - nichts für zarte Frauenhände also. Es war dennoch eine faszinierende Erfahrung, eine solche Waffe in den Händen zu halten, die ich sonst nur aus dem Fernsehen kannte, und ihre Funktionsweise zu studieren.
Im Keller des Museums ging es dann zur Sache: Für 50 bis 100 Rubel durfte man selbst einmal an die scharfen Waffen gehen und damit auf ein Ziel schießen. Eine Informationstafel zeigte die zur Verfügung stehenden große und kleinen Kaliber. Ich war nicht sicher, ob ich selbst schießen sollte, aber ich wurde schließlich überzeugt und erhielt eine für Damen besonders geeignete Sniper.
Ich kaufte mir fünf Schuss, bekam Ohrenschützer dazu und wurde in das System eingewiesen. Ein Computer zeigte an, welche Stelle auf der Zielscheibe getroffen wurde. Noch ein paar Handgriffe zeigten, wie man die Waffe am besten hielt, wie man das Ziel durch den Sucher mit dem Laserpunkt fokussierte, und dann drückte ich zum ersten Mal ab. Der Rückstoß war nicht so stark wie erwartet, aber ich hatte bestenfalls nur den Fuß meiner Zielscheibe getroffen. Beim zweiten Schuss traf ich zufällig fast die Mitte und der Rückstoß gab mir einen leichten Stubser an die Nase. Doch ich war begeistert. Nun Konzentration... und wieder daneben. Nun ließ ich Wowa ran, der bei dem ganzen um einiges professioneller aussah. Einer daneben, einer ins Ziel - so wirds gemacht.
Wir haben am Ende der Tour angelangt; im Souvenirladen kaufte ich mir nur Postkarten, weil ich bezweifelte, dass ich eine Kaschi als Souvenir nach Deutschland mitbringen konnte, und wir bekamen Patronenhülsen als Gratis-Souvenir dazu.
An das Kalaschnikow-Museum schlossen sich Repräsentativbauten an, und Parks, die voller Schnee lagen, dass dort sogar einige große Schneehöhlen gebaut worden waren, in denen Kinder spielten. Wir errichten das ewige Feuer, das ein unverzichtbarer Bestandteil jeder ehemalig-sowjetischen Stadt zu sein schien, und gingen noch etwas entlang der Puschkin-Straße spazieren, die eine Art Hauptstraße der Stadt war: Sehr breit und von teuren Geschäften und Restaurants gesäumt.
Ich bekam endlich ein Foto mit Lenin, der als Statue hoch vor seiner Bibliothek prangte, und dann waren wir schon wieder am Stausee angekommen.
Ich war müde, aber glücklich. Nur mit Mühe schreibe ich jetzt diesen Text, während mir schon die Augen zufallen. Meine Hände riechen nach Asservatenkammer, aber das muss wohl so sein nach so einem Tag.











So, du hast mir also keine Kaschi mitgenommen... :( Hat siech deine Mordlust jetzt gesteigert oder biste nun vollkommen gelassen? ^^ Aber tolle Sachen machst du *neidisch sei*
AntwortenLöschenwow, sieht ja echt genial aus, du mit der waffe in der hand ;) schönen tag dir noch oder abend gg
AntwortenLöschenlg susi
danke für die umfangreiche information. im waffenmuseum suhl ist die kalaschnikow auch zu sehen.teile wurden.in suhl produziert. wie kommt mann nach izhevk. flug ab.... nach moskau. wie geht es dann weiter(zugverbindung?) dane.
AntwortenLöschenreiner güntzel
Danke für Ihr Interesse! Ja, ich würde von einem Inlandsflug abraten. Ab Moskau dauert die Zugfahrt etwa 24 Stunden. Ich glaube, der Zug fährt einmal am Tag; die genauen Zugverbindungen können Sie hier nachschlagen: http://rzd.ru/
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